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thyssenkrupp-Aktie deutlich fester: Immer noch keine Einigung bei Joint-Venture mit EPH - Suche nach Wasserstofflieferanten

16.02.24 17:27 Uhr

Hängepartie voraus? EPH und thyssenkrupp noch nicht über Joint Venture einig | finanzen.net

Die Gespräche zwischen Thyssenkrupp und dem Energiekonzern EPH des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky über ein Stahl-Joint-Venture werden Insidern zufolge zur Hängepartie.

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Für eine Einigung müsse der neue Geschäftsplan für die Stahlsparte vorliegen, den thyssenkrupp-Chef Miguel Lopez gerade erstellen lasse, sagten am Freitag mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die dafür relevanten Preisverhandlungen mit der Automobilbranche seien aber noch nicht beendet.

"Die Gespräche mit EPH zur Gründung eines Joint Ventures mit dem Stahlgeschäft von Thyssenkrupp werden unvermindert fortgeführt", erklärte der Ruhrkonzern auf Anfrage. "Sie verlaufen weiterhin ergebnisoffen und konstruktiv." EPH lehnte eine Stellungnahme ab.

Der mit viel Elan im Juni vergangenen Jahres gestartete neue Vorstandschef Lopez verhandelt seit Monaten mit Kretinskys EPH über die Bildung eines Joint Ventures mit der Stahlsparte von Thyssenkrupp. Es gebe keine Frist für die Gespräche, hatte Lopez vor wenigen Tagen bei der Vorlage der Quartalszahlen gesagt. Ziel sei eine gute Lösung. Derzeit erstelle Thyssenkrupp einen neuen Businessplan für das Stahlgeschäft. Wenn dieser fertig sei, würden die Gespräche mit möglichen Partnern fortgesetzt.

STAHLNACHFRAGE SCHWÄCHELT

Seit dem Beginn der Verhandlungen im vergangenen Jahr hat sich die Lage der Stahlindustrie mit ihrem deutschen Branchenführer Thyssenkrupp verschlechtert. Thyssenkrupp Steel Europe kämpft mit der schwachen Konjunktur, gesunkenen Stahlpreisen, hohen Energie- und steigenden Rohstoffkosten sowie der starken Konkurrenz von Produzenten außerhalb Europas.

Die schwache Nachfrage spielt auch bei den Verhandlungen mit EPH eine Rolle. Insider hatten im Dezember Reuters gesagt, dass Thyssenkrupp deswegen womöglich finanzielle Zugeständnisse bei den Verhandlungen mit EPH machen müsse. Rückenwind erhoffe sich Thyssenkrupp hingegen von einem positiven Abschluss der Preisverhandlungen mit den Automobilkonzernen, sagte ein Insider jetzt. Der Stahlkocher könne dann stabile Einnahmen für die nächsten zwölf bis 18 Monate präsentieren.

"Es ist gängige Praxis in allen unseren Geschäften, dass Prognosen und Planzahlen über das Geschäftsjahr hinweg laufend überprüft und an die aktuellen Konjunktur-, Markt- und Ertragsdaten angepasst werden", betonte Thyssenkrupp. Der Konzern wolle weiterhin so schnell wie möglich zu einem Abschluss kommen, lasse sich aber nicht zu zweitbesten Lösungen drängen. Zu den Vertragsverhandlungen mit den Automobilkonzernen - der größten Kundengruppe - äußere man sich nicht.

Suche nach Wasserstoff-Lieferanten

Deutschlands größter Stahlkonzern thyssenkrupp sucht jetzt offiziell Wasserstoff-Lieferanten für eine geplante Anlage zur klimafreundlicheren Stahlproduktion. Die Stahlsparte des Industriekonzerns teilte am Freitag mit, dass die Ausschreibung für die Wasserstoffversorgung der ersten sogenannten Direktreduktionsanlage gestartet sei.

Ein erster Wasserstoffeinsatz sei für 2028 geplant, der Hochlauf auf Wasserstoff-Vollbetrieb solle 2029 abgeschlossen sein. Das Unternehmen gibt den Jahresbedarf mit rund 143 000 Tonnen an. Damit könnten bis zu 3,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden. Zum Vergleich: Laut Umweltbundesamt wurden 2022 in Deutschland rund 750 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen. Das Projekt wird von Bund und Land mit insgesamt zwei Milliarden Euro gefördert.

Die Ausschreibung richtet sich den Angaben zufolge an alle potenziellen Wasserstoff-Lieferanten, die über Projekte zur Erzeugung von erneuerbarem grünem oder CO2-armem blauem Wasserstoff mit Liefermöglichkeiten nach Duisburg verfügen.

Thyssenkrupp Steel sprach vom "Startschuss für den Wasserstoffhochlauf in Deutschland". Als größter deutscher Wasserstoffverbraucher werde man damit Initiator und Treiber einer Wasserstoffwirtschaft und bereite so den Weg für die Dekarbonisierung der gesamten Stahlwertschöpfungskette.

Das Unternehmen will einen klassischen Hochofen, der viel klimaschädliches Kohlendioxid produziert, durch die Direktreduktionsanlage ersetzen. Angeschlossen werden zwei sogenannte Einschmelzer. Der Stahl kann danach wie bisher in der Stahlhütte weiterverarbeitet werden. Die Anlage hat eine Produktionskapazität von 2,5 Millionen Tonnen direkt reduziertem Eisen pro Jahr. Der Vorbereitungen für den Bau laufen bereits.

Die neue DR-Anlage soll 2027 fertiggestellt werden. Zunächst soll sie mit Erdgas laufen. Der erzeugte Stahl wird auch als "grüner" Stahl bezeichnet, weil bei dieser neuartigen Herstellungsweise weniger Kohlendioxid anfällt als beim klassischen Verfahren. Auch andere Stahlunternehmen wollen mithilfe ähnlicher Verfahren ihren Stahl künftig klimafreundlicher herstellen.

Nach den deutlichen Vortagesverlusten steigt die thyssenkrupp-Aktie via XETRA zeitweise um 3,5 Prozent auf 4,82 Euro.

- von Christoph Steitz und Tom Käckenhoff und Emma-Victoria Farr

Frankfurt/Düsseldorf (Reuters)

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Bildquellen: thyssenkrupp AG

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