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14.06.2019 13:02
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IPO/ROUNDUP 2: VW will mit Traton-Börsengang knapp 2 Milliarden Euro einspielen

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(neu: Aktienkurs, Analystenstimmen.)

WOLFSBURG/MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Volkswagen (Volkswagen (VW) vz)-Konzern (VW) will seine Lkw- und Bustochter Traton noch im Juni an die Börse bringen. Mit dem Verkauf von gut einem Zehntel der Anteile wollen die Wolfsburger zunächst bis zu knapp 1,9 Milliarden Euro einspielen, wie das Unternehmen in der Nacht zum Freitag mitteilte. Den sprichwörtlichen Gang aufs Parkett hat der Konzern schon länger im Visier, nun machen VW-Chef Herbert Diess und Traton-Boss Andreas Renschler Tempo. Der erste Handelstag ist für den 28. Juni geplant. Private und institutionelle Anleger können die Aktien von voraussichtlich 17. bis 27. Juni zeichnen.

Insgesamt strebt Volkswagen eine Gesamtbewertung von 13,5 bis 16,5 Milliarden Euro für Traton an. Im März noch hatte VW die Pläne wegen der Bedingungen an den Finanzmärkten vorerst auf Eis gelegt, das Unternehmen wollte die Anteile an der Sparte mit den großen Nutzfahrzeugen nicht unter Wert verkaufen. In früheren Medienberichten war über eine mögliche Bewertung von bis zu 25 Milliarden Euro spekuliert worden. VW soll demnach mit dem Gedanken gespielt haben, bis zu ein Viertel der Anteile zu verkaufen.

Zur Hauptversammlung im Mai kündigte VW dann einen neuen Versuch an, das Geschäft an die Börse zu bringen. Dass der milliardenschwere Börsengang nun erst einmal deutlich geringer ausfällt, ist womöglich auch den Marktbedingungen geschuldet. Die angestrebte Traton-Bewertung erscheine mit Blick auf die historischen Bewertungen von MAN und Scania (Scania AB (B)) als recht gering, schrieb NordLB-Analyst Frank Schwope. Die Unternehmensführung scheine sich in einem Zwiespalt zu befinden.

Aktien aus der Automobilbranche stehen spätestens seit dem offenen Ausbruch des Zollstreits zwischen den USA und China Mitte vergangenen Jahres deutlich unter Druck. Der europäische Branchenindex aus Herstellern und Zulieferern hat seit Anfang 2018 fast ein Viertel an Wert verloren.

Dennoch dürfte VW laut Bloomberg-Daten gemessen am Emissionserlös den in diesem Jahr bisher zweitgrößten Börsengang in Europa hinlegen hinter dem italienischen Zahlungsabwickler Nexi und vor dem Schweizer Zughersteller Stadler Rail. Nach einer vereinbarten Haltefrist von sechs Monaten nach dem Börsengang könnte VW zudem weitere Anteile verkaufen - bei dann vielleicht besserer Bewertung.

Das Vorhaben ist ein wichtiger Baustein in den Plänen von Diess, der den Börsenwert von VW steigern will. Große, mitunter undurchsichtige Konglomerate werden an der Börse oft mit einem Abschlag zum geschätzten Wert ihrer Teile gehandelt. Für Manager kann es daher erstrebenswert sein, Randgeschäfte zu verkaufen oder an die Börse zu bringen. Auch der Maschinenbauer Renk und der Großmotorenbauer MAN Energy Solutions stehen bei Diess auf dem Prüfstand.

"Der Börsengang hat das klare Ziel, Mehrwert für unsere Stakeholder zu schaffen", sagte VW-Finanzvorstand Frank Witter. Damit sind neben Mitarbeitern und anderen Interessenten auch die Aktionäre gemeint. Seit langem fordern Kapitalmarktanalysten eine stärkere Trennung von Geschäften bei VW, die wenig miteinander zu tun haben.

Analyst Arndt Ellinghorst vom Londoner Investmenthaus Evercore ISI sieht den Teilbörsengang von Traton denn auch nur als ersten, wenn auch nötigen Schritt hin zu strukturellen Veränderungen in Wolfsburg.

Seinen Schätzungen zufolge könnte eine kontrollierende Holdingstruktur mit den getrennten Konzernbereichen Massenhersteller, Premium- und Luxus, Nutzfahrzeuge sowie Mobilitäts- und Finanzdiensten den Börsenwert von VW auf mehr als 150 Milliarden Euro treiben - quasi als theoretische Summe der einzelnen Teile. Zum Vergleich: Derzeit sind Volkswagens Aktien am Markt 72 Milliarden Euro wert. Am Freitagmittag lag die VW-Vorzugsaktie mit der Branche und dem Dax (DAX 30) über ein halbes Prozent im Minus.

Traton-Aktien sollen in Frankfurt für zwischen 27 und 33 Euro je Stück an die neuen Aktionäre gehen. Notiert werden sollen die Titel aber auch an der Börse in Stockholm, einen großen Teil von Traton macht neben MAN schließlich die schwedische Marke Scania aus. Dabei verkauft Volkswagen insgesamt inklusive Mehrzuteilungsoption bis zu 57,5 Millionen Papiere aus dem eigenen Bestand, das sind bis zu 11,5 Prozent des Kapitals. Je nach Zuteilungspreis streicht VW dann zwischen 1,55 und 1,9 Milliarden Euro ein.

Das Geld soll nach früheren Angaben von Konzernchef Diess in der Sparte bleiben und deren Wachstumsstrategie stützen. Nutzfahrzeugvorstand Renschler will den Lkw- und Bushersteller zu einem "weltweiten Champion" machen. Das bemisst sich für den Manager aber nicht nur an reinen Stückzahlen - Branchenrivale Daimler ist als Weltmarktführer bei schweren Nutzfahrzeugen hier ohnehin weit voraus.

Im vergangenen Jahr verkaufte Traton weltweit 233 000 Nutzfahrzeuge, Daimler zusammengenommen rund 548 000 Trucks und Busse. Vor allem in Asien und Nordamerika hat Traton Nachholbedarf, will aber hier über Partnerschaften stärker Fuß fassen. In Europa und Südamerika hingegen hat Traton die Nase vorn.

Zu Traton gehören die Hersteller Scania, MAN und die brasilianische Nutzfahrzeugtochter Volkswagen Caminhões e Ônibus mit weltweit rund 81 000 Mitarbeitern. Das Unternehmen erzielte 2018 einen Umsatz von 25,9 Milliarden Euro, der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern lag bei 1,7 Milliarden Euro. Scania steuert bei Umsatz und Gewinn den größten Teil bei.

Im ersten Quartal kletterte der Umsatz von Traton dank gestiegener Verkäufe im Jahresvergleich um 6 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro, das operative Ergebnis um mehr als ein Fünftel auf 470 Millionen Euro. Derzeit laufen die Nutzfahrzeugmärkte noch gut, auch weil sich Südamerika von einer tiefen Krise erholt. Allerdings ist das Geschäft stark konjunkturanfällig./men/elm/mis

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