Iran-Krieg belastet

Hermès-Aktie bricht ein: Umsatz verfehlt Erwartungen - Luxungswerte wie LVMH, Richemont und Co. schwach

15.04.26 16:02 Uhr

Hermès-Aktie kräftig im Minus: Luxuskonzern spürt Folgen des Iran-Konflikts im ersten Quartal - Luxungswerte wie LVMH, Richemont und Co. schwach | finanzen.net

Der französische Luxuskonzern Hermès hat zum Jahresauftakt die Folgen des Iran-Krieges zu spüren bekommen.

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Vor allem die Geschäfte in Frankreich entwickelten sich schlechter, denn wegen der militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten kamen weniger Touristen in das Land. An der Börse kamen die Nachrichten nicht gut an. Die Aktie gab an der EURONEXT Paris zuletzt um 9,00 Prozent nach auf 1.632,00 Euro. Damit summieren sich die Kursverluste seit Jahresbeginn auf gut ein Viertel.

Im ersten Quartal schrumpfte der Umsatz im Jahresvergleich um 1,4 Prozent auf knapp 4,1 Milliarden Euro, wie das EuroStoxx 50-Schwergewicht am Mittwoch in Paris mitteilte. Bereinigt um die Folgen des starken Euro legte der Erlös um 5,6 Prozent zu. Damit verfehlte der Hersteller von Produkten wie Birkin- und Kelly-Taschen die Erwartungen der Experten.

Piral Dadhania von der kanadischen Bank RBC zufolge hat der Quartalsumsatz um zwei Prozent unter dem Konsens gelegen. Das Geschäft mit Lederwaren sei schwächer gelaufen als erwartet. Auch laut Luca Solca von dem US-Analysehaus Bernstein Research hat das Unternehmen im ersten Quartal die zuletzt ohnehin schon gesunkenen Erwartungen verfehlt. Der Luxuskonzern habe aber sein ambitioniertes Wachstumsziel für das Gesamtjahr beibehalten, hob der Branchenkenner hervor.

In den ersten drei Monaten bis Ende März schrumpfte der Erlös von Hermès bereinigt um Währungsschwankungen neben dem Heimatland Frankreich auch im Nahen Osten. In der mit Abstand wichtigsten Region Asien (ohne Japan) stieg zwar der um Währungseffekte bereinigte Umsatz um gut zwei Prozent, damit aber deutlich weniger stark als von Analysten erwartet. Während das Uhren-Segment schwächelte und der Bereich rund um Parfüm und Beauty auf dem Vorjahresniveau verharrte, entwickelte sich vor allem das Lederwarengeschäft besser.

Hermès konzentriert sich vor allem auf exklusive Kunden und hält bestimmte Produkte bewusst knapp. Das stärkte zuletzt die Nachfrage und macht den Luxuskonzern unabhängiger von den schwankenden Ausgaben weniger wohlhabender Kundengruppen - welche ihr Geld nach der Pandemie tendenziell eher beisammen halten. So hatte Hermès die Krise im Luxusgütersektor auch wesentlich besser überstanden als Konkurrenten wie LVMH oder Kering.

Auch der Krieg im Persischen Golf wirkt sich bisher stärker auf einige Wettbewerber aus. So schwächelte im ersten Quartal bei LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) vor allem die wichtigste Sparte mit Mode und Lederwaren, da der Konflikt die Nachfrage nach Marken wie Louis Vuitton und Dior spürbar dämpfte. Der gesamte LVMH-Umsatz ging im Quartal um sechs Prozent zurück, wie der Konzern bereits zu Wochenbeginn mitgeteilt hatte. Auch Kering machten die Folgen des Kriegs zum Jahresstart zu schaffen. Vor allem die kriselnde Modemarke Gucci sorgte beim Konzern für einen Umsatzrückgang ebenfalls von sechs Prozent.

Luxuswerte schwach

Überraschend schwache Erlöse im ersten Quartal haben Aktien europäischer Luxusgüterunternehmen am Mittwoch kräftig belastet. Der Iran-Krieg hinterlasse bereits Spuren, hieß es. Zudem gab es verfehlte Erwartungen mit Blick auf die Geschäfte in China und Frankreich sowie auch unternehmensspezifische Enttäuschungen.

Besonders deutlich ging es im französischen Leitindex CAC 40 für Kering abwärts mit minus 8,70 Prozent auf 255,65 Euro, womit ein Teil der jüngsten Erholung seit dem Siebenmonatstief im März nun wieder Geschichte ist.

LVMH sanken unterdessen mit minus 0,53 Prozent auf 478,90 Euro nur leicht. Richemont verloren als Schlusslicht im SMI 2,29 Prozent auf 152,77 Franken, und am deutschen Aktienmarkt gaben HUGO BOSS im MDAX um 1,46 Prozent auf 36,55 Euro nach. Letztgenannte Aktie wurde vor allem vom schwächer als erwarteten Umsatz der Kering-Marke Gucci belastet, wie die Experten der Bank Oddo BHF erklärten.

Nachdem LVMH am Montagabend Umsatzzahlen veröffentlicht hatte, folgten Kering am Dienstag und Hermes am Mittwochmorgen. Richemont wird mit Geschäftsjahreszahlen erst gegen Ende Mai erwartet. Anfang Mai stehen die Zahlen zum ersten Quartal des Modeunternehmens Boss auf der Agenda.

Während die Zahlen von LVMH, Kering oder auch Hermes allesamt durch Belastungen des Nahost-Konflikts überschattet wurden, hielten sich die Papiere von LVMH dennoch spürbar besser als die der Konkurrenz. Jefferies-Analyst James Grzinic etwa sah in LVMHs Zahlen graduelle operative Fortschritte.

Unter anderem verwies er auf die Marke Dior und darauf, dass Dior Newness zunehmend Anklang finde. Die Produkte des Designers Jonathan Anderson machten zwar nur einen kleinen Teil des Umsatzmixes im ersten Quartal aus, doch sei sowohl in den USA als auch in China eine sehr gute Geschäftsentwicklung zu beobachten gewesen, zitiert er das Management. Die Resonanz, insbesondere bei kaufkräftigeren Kunden, sei sehr gut.

Zwar senkten auch für LVMH mehrere Analysten ihre Kursziele, an diesem Tag etwa Nick Anderson von der Berenberg Bank. Anderson verwies vor allem auf den Nahost-Konflikt, die Geschäftsentwicklung in den USA aber sieht er positiv. DZ-Bank-Analystin Katharina Schmenger nannte die Nachfrage aus China robust und wies obendrein auf das starke Wachstum der Uhren- und Schmucksparte hin.

Bei Kering indes bemängelten Analysten vor allem die hinter den Erwartungen zurückgebliebene Geschäftsentwicklung der Sparte Mode & Lederwaren und vor allem das schlechte Abschneiden der wichtigen Marke Gucci. So schrieb etwa JPMorgan-Analystin Chiara Battistini: Auch wenn Gucci in Nordamerika Fortschritte verzeichnet und sich das Management zuversichtlich gezeigt habe, was die Revitalisierung der Marke betreffe, seien "die Rückgänge bei Gucci weiterhin erheblich".

Außer den USA hätten alle Regionen weiterhin zweistellige Rückgänge verzeichnet und es gebe bisher kaum Anzeichen für eine nennenswerte positive Trendwende trotz zunehmender Produktneuheiten. Daher geht Battistini nun davon aus, dass diese Trendwende deutlich länger dauern und wesentlich mehr Aufwand erfordern werde, als Optimisten derzeit glaubten.

Auch zu Hermes waren die Analystenkommentare kritisch. So schrieb Zuzanna Pusz von der Schweizer Bank UBS etwa, dass der französische Luxusgüterhersteller trotz der angesichts des Nahost-Konflikts bereits etwas gedämpften Erwartungen einen schwachen Jahresstart hingelegt habe. Sie hob die durchwachsene Ergebnisqualität der einzelnen Sparten hervor, die ihr zufolge die Debatte über die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells und damit auch die Debatte über die langfristigen Wachstumsraten weiter anheizen dürften.

Grzinic von Jefferies wies außerdem auf die nach wie vor bestehenden Probleme von Hermes in China hin, und Berenberg-Analyst Anderson sprach von einem "deutlich erschütterten Marktvertrauen", das durch positivere Quartalsberichte erst wieder hergestellt werden müsse. Das Management, so untermauerte er seine Aussage, sei in der Telefonkonferenz "gezwungen gewesen, Bedenken hinsichtlich der Stabilität des Geschäftsmodells, der Abhängigkeit vom Tourismus und des Ausmaßes der Störungen im Nahen Osten auszuräumen".

PARIS/FRANKFURT/ZÜRICH (dpa-AFX)

Bildquellen: Casimiro PT / Shutterstock.com

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21.04.2026Hermès (Hermes International) OutperformRBC Capital Markets
20.04.2026Hermès (Hermes International) NeutralUBS AG
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11.05.2026Hermès (Hermes International) BuyJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
28.04.2026Hermès (Hermes International) OutperformBernstein Research
21.04.2026Hermès (Hermes International) OutperformRBC Capital Markets
17.04.2026Hermès (Hermes International) OutperformBernstein Research
16.04.2026Hermès (Hermes International) BuyDeutsche Bank AG
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17.04.2025Hermès (Hermes International) VerkaufenDZ BANK
27.03.2025Hermès (Hermes International) VerkaufenDZ BANK
18.02.2025Hermès (Hermes International) VerkaufenDZ BANK
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31.07.2023Hermès (Hermes International) SellGoldman Sachs Group Inc.

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