ASML-Aktie gibt nach starkem Quartal ab: Ausblick bleibt unter Expertenerwartungen

Der Chipausrüster ASML profitiert weiterhin vom KI-Boom und ist mit überraschend viel Schwung in das neue Jahr gestartet.
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Laut Konzernchef Christophe Fouquet verbessern sich die Wachstumsaussichten in der Halbleiterindustrie weiter, angetrieben würden sie durch die anhaltenden Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI). Das Management rechnet sich deshalb noch etwas mehr Umsatz im Jahr aus als bisher.
Jefferies-Analyst Janardan Menon erklärte, sowohl die Konzernprognose für den Umsatz als auch jene für die Bruttomarge im aktuell laufenden zweiten Quartal lägen unter seinen Erwartungen und dem Analystenkonsens. Wichtig aus seiner Sicht aber ist die Erhöhung des Ausblicks für das Jahr. Menon vermutet hier als Grund vor allem den Bereich der Immersionslithografie, wo ASML zuvor aufgrund rückläufiger Umsätze in China bislang mit einem Rückgang gerechnet habe, nun aber einen nahezu flachen Trend erwarte. Dies könnte laut dem Experten teilweise auf vorgezogene Käufe im Zusammenhang mit dem US-Vorhaben zurückzuführen sein, im Technologiestreit mit China die Exportkontrollen für Halbleiterfertigungsanlagen zu verschärfen.
Für Sandeep Deshpande von der US-Bank JPMorgan ist derweil das Konzernsignal entscheidend, dass die Kundennachfrage kurz- und mittelfristig anziehe. Durch die Erhöhung der Jahresziele sieht er allerdings keine Impulse, da der Konsens bereits ambitionierter gewesen sei. Die operativen Gewinnerwartungen an das zweite Quartal dürften seiner Meinung nach sogar etwas sinken.
Im ersten Quartal konnte ASML die Erwartungen am Markt toppen und die eigenen Prognosen erfüllen. Der Umsatz kam bei knapp 8,8 Milliarden Euro heraus, wie der Konzern am Morgen im niederländischen Veldhoven mitteilte. Auch die Bruttomarge fiel mit 53 Prozent besser aus als von Experten gedacht. Unter dem Strich erzielte ASML einen Gewinn von fast 2,8 Milliarden Euro und landete damit sogar nah am sehr starken Vorquartal.
ASML profitiert derzeit massiv vom zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz. Das Unternehmen hat auf seinem Gebiet praktisch keine Konkurrenz, denn es stellt als einziges Ultraviolett-Lithografie-Anlagen her, die für die Produktion von Mikrochips mit immer kleineren Strukturen und höherer Leistung verwendet werden. Die Maschinen sind unverzichtbar etwa für die Herstellung der KI-Beschleuniger von NVIDIA, die das Rückgrat für das Training und den Betrieb von KI-Modellen in Rechenzentren bilden. Zu den Kunden zählen aber auch alle anderen führenden Chiphersteller, darunter Taiwan Semiconductor Manufacturing und Intel.
Wegen der KI-Hochkonjunktur übersteigt laut ASML-Chef Fouquet derzeit die Nachfrage nach Chips das Angebot. "Als Reaktion darauf erhöhen unsere Kunden ihre Kapazitätsausbaupläne für 2026 und darüber hinaus." Der Auftragseingang von ASML sei daher weiterhin sehr stark. "Diese Geschäftsdynamik untermauert unsere Erwartung, dass 2026 ein weiteres Wachstumsjahr für alle unsere Geschäftsbereiche sein wird."
Angepeilt ist nun für das Gesamtjahr ein Umsatz von 36 bis 40 Milliarden Euro statt der bisher anvisierten 34 bis 39 Milliarden Euro. Die Jahres-Bruttomarge soll wie bisher eingeplant 51 bis 53 Prozent betragen. Von Bloomberg befragte Analysten waren bisher im Schnitt von gut 38 Milliarden Euro Umsatz und einer Bruttomarge von 52,6 Prozent ausgegangen.
Für das zweite Jahresviertel hatten sich die Experten jedoch mehr erhofft. Fouquet und sein Team rechnen für April bis Juni mit einem Umsatz von 8,4 bis 9 Milliarden Euro und einer Bruttomarge von 51 bis 52 Prozent. Analysten hatten hier bisher im Mittel jedoch knapp 9,1 Milliarden Euro Erlös und eine Bruttomarge von 52,5 Prozent erwartet.
So reagiert die ASML-Aktie
Die Aktien von ASML haben am Mittwoch nach Geschäftszahlen und gutem Start ihrem starken Lauf Tribut gezollt. Nachdem sie zunächst mit knapp über 1.307 Euro an ihr Rekordhoch von Ende Februar herangelaufen waren, verließ sie der Schwung. Die ASML-Aktie verlor im Heimathandel schließlich 4,22 Prozent auf 1.230 Euro.
Analyst William Beavington von Jefferies sah in der Telefonschalte nichts Besonderes, was die ASML-Papiere hätte unter Druck setzen können. Möglicherweise habe der Markt aber auf mehr Optimismus vom Konzern vor allem mit Blick auf 2027 gehofft. Letztlich befinde man sich auch in einer zyklischen Abschwungphase. Der Experte rechnet zwar mit moderat steigenden Schätzungen für ASML, hält das Aufwärtspotenzial für die Aktien aber für begrenzt.
Der Chipindustrie-Ausrüster profitierte weiterhin vom KI-Boom und war mit überraschend viel Schwung in das neue Jahr gestartet. Analysten von Goldman Sachs sprachen von einem besser als erwartet ausgefallenen Quartalsbericht. Der erhöhte Ausblick für 2026 spiegele die anhaltend hohe Nachfrage wider.
Für Sandeep Deshpande von der US-Bank JPMorgan ist das Signal der Niederländer entscheidend, dass die Kundennachfrage kurz- und mittelfristig anziehe. Durch die Erhöhung der Jahresziele sieht er allerdings keine Impulse, da der Konsens bereits ambitionierter gewesen sei. Die operativen Gewinnerwartungen an das zweite Quartal dürften seiner Meinung nach sogar etwas sinken.
Ingo Wermann von der DZ Bank sprach von einem guten Jahresauftakt, betonte aber auch die Schwäche im China-Geschäft. Dieses leide unter Sanktionen und habe Umsatzeinbußen von 23 Prozent und einen Rückgang des Anteils an den Maschinenerlösen von 27 auf 19 Prozent hinnehmen müssen. Dieser negative Trend könnte sich sogar noch verschärfen, glaubt der Analyst und verwies auf einen in den USA eingebrachten Gesetzentwurf (US Match Act), der darauf abzielt, den Export von älteren Lithografiesystemen auf Basis von tiefem ultraviolettem Licht (DUV) nach China stärker zu beschränken. Die modernsten EUV-Anlagen, die mit extrem ultraviolettem Licht arbeiteten, unterlägen schon länger einem Ausfuhrverbot.
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VELDHOVEN (dpa-AFX)
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