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24.07.2019 08:57
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Konjunkturschwäche und Zollstreit verhageln Firmen-Bilanzen

- von Klaus Lauer und Patricia Uhlig

Berlin/Frankfurt (Reuters) - In der deutschen Wirtschaft hagelt es eine Gewinnwarnung nach der anderen.

Immer mehr Firmen blicken unsicher in die Zukunft und kappen ihre Jahresziele. Auch am Arbeitsmarkt gibt es erste Bremsspuren. "Der Brexit, Handelskonflikte und Sanktionen beeinträchtigen zunehmend die Geschäfte der Unternehmen im Ausland", sagt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer. "Vor allem die exportstarke Industrie erwartet dieses Jahr weniger Ausfuhren." Die größten Einbrüche befürchten demnach Betriebe der Metallindustrie und des Maschinenbaus. Zuletzt sei auch die Autobranche skeptischer geworden. "Die jüngsten Unternehmenszahlen zeigen: Der Höhepunkt des globalen Wachstums ist vorbei", betont auch Axel Cron, Chef-Anlagestratege bei HSBC Global Asset Management.

Daimler kappte Mitte Juli zum zweiten Mal innerhalb von nur drei Wochen seine Gewinnprognose für 2019. Zwar machte der neue Vorstandschef Ola Källenius vor allem teure Rückrufe von Diesel-Autos dafür verantwortlich. Er räumte jedoch auch ein, dass sich der Automarkt so schnell nicht erholen dürfte. Im Mai hatte bereits der Münchener Rivale BMW seine Erwartungen nach unten korrigieren müssen; Volkswagen ist für die Umsatzrendite im Pkw-Geschäft ebenfalls skeptisch. Der weltgrößte Autobauer legt seine Quartalsbilanz an diesem Donnerstag vor. Und auch der Zulieferer Continental nahm seine Ergebnisziele zurück.

Die erfolgsverwöhnten Maschinenbauer bekommen den konjunkturellen Gegenwind ebenfalls immer stärker zu spüren. Für dieses Jahr rechnet Deutschlands zweitgrößter Industriezweig nach der Autobranche erstmals seit 2013 mit einem Rückgang der Produktion um etwa zwei Prozent. Von Januar bis Mai fielen die Aufträge binnen Jahresfrist um neun Prozent.

KEINE AUSREDEN

Der Konjunkturabschwung frisst sich inzwischen auch in die Bilanzen von Firmen aus anderen Branchen: Prominentestes Beispiel ist wohl der Chemieriese BASF, der zwar viele Kunden im Autobereich hat, aber auch Unternehmen aus anderen Bereichen beliefert. Die Ludwigshafener räumten jüngst ein, ihre Umsatz- und Gewinnziele nicht halten zu können. Der lange Zollstreit zwischen USA und China hatte den Konzern auf dem falschen Fuß erwischt, wie Firmenchef Martin Brudermüller erläuterte. Die Autoindustrie in China leidet besonders unter dem Konflikt mit Washington. Der Fahrzeugabsatz fiel im Mai um mehr als 16 Prozent, so stark wie noch nie in einem Monat.

So wird die Liste der Pessimisten immer länger: Zuletzt dampften auch der Stahlhändler Klöckner & Co, der Chemiekalienhändler Brenntag, der Anlagenbauer Dürr und der Gabelstaplerhersteller Jungheinrich ihre Geschäftsprognosen ein. "Die börsennotierten deutschen Unternehmen missbrauchen die Handelskonflikte nicht als Ausrede für schlechte Geschäfte", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Vielmehr begründen sie Gewinnwarnungen meist konkret mit fallenden Umsätzen oder Aufträgen – vor allem aus Asien." Dass die Wirtschaft in China leide und die Firmen von dort weniger deutsche Produkte nachfragten, liege eben auch an der Unsicherheit über den Handelsstreit mit den USA.

"MAN KANN NICHT WIRKLICH INVESTIEREN"

DIHK-Chef Schweitzer spürt hier wenig Optimismus. "Ein Ende des weltweiten Protektionismus und der Handelskonflikte ist leider derzeit nicht in Sicht", sagt er. Die Unsicherheit rund um die internationalen Märkte bleibe für die Firmen daher hoch. Ähnlich sieht das Außenwirtschaftschef Gregor Wolf vom Exportverband BGA: "Diese globale Gemengelage liegt bleiern über allem", erklärt er. "Da kann man nicht wirklich investieren." Immer mehr Firmen versuchten, sich bei den Wertschöpfungsketten aus der Abhängigkeit von den USA und von China zu lösen. "Das wird aber Jahre dauern." Verheerend sei vor allem, dass die Welthandelsorganisation WTO als Schützerin des Handels bereits geschwächt und künftig kaum mehr handlungsfähig sei. "Da kann man nicht laut genug aufschreien", warnt Wolf.

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA) erwartet jetzt nur noch ein Exportplus deutscher Waren von 1,5 Prozent für 2019. Anfang des Jahres hatte man noch auf doppelt so viel Wachstum gehofft.

Am deutschen Jobmarkt neigt sich der jahrelange Boom bereits dem Ende zu. Die Bundesagentur für Arbeit erklärte jüngst, die Abkühlung der Konjunktur "ist sichtbar". Zudem stellen sich immer mehr Industriebetriebe verstärkt auf Kurzarbeit ein. BGA-Fachmann Wolf rechnet zum Jahresende mit einem Dämpfer auch bei den Dienstleistern, wo es bisher noch besser läuft. Derzeit sorgen Jobabbaupläne bei Großkonzernen wie der Deutschen Bank, Thyssenkrupp, BASF und Siemens für Schlagzeilen. Insgesamt erwarten Fachleute aber keinen Kahlschlag. Denn wegen des Fachkräftemangels dürften die Firmen mit Entlassungen vorsichtiger sein als in früheren Flauten, sagte Wolf: "Keiner kann sich leisten seine Facharbeiter abzugeben."

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