Broadcom und Meta schmieden langfristige Allianz für KI-Chips - Aktien fester

Broadcom und Meta verlängern ihre strategische Zusammenarbeit und schaffen damit eine wichtige Grundlage für Fortschritte bei der Entwicklung leistungsfähiger KI-Chips.
Werte in diesem Artikel
• Broadcom und Meta verlängern Partnerschaft
• Broadcom liefert maßgeschneiderte KI-Chips an Meta
• Mehrere Generationen von MITA-Chips geplant
Die weltweite Nachfrage nach Rechenleistung für Künstliche Intelligenz verändert die Kräfteverhältnisse in der Halbleiterindustrie nachhaltig. Während bislang vor allem Grafikkartenhersteller wie NVIDIA im Zentrum des Booms standen, gewinnen zunehmend spezialisierte Chip-Partnerschaften zwischen Cloud-Konzernen und Halbleiterdesignern an Bedeutung. So gaben auch Broadcom und Meta am Dienstag bekannt, dass eine bestehende Partnerschaft zwischen den beiden Konzernen deutlich ausgebaut werde.
Laut Pressemitteilung sei eine "mehrjährige, generationsübergreifende strategische Partnerschaft" geschlossen worden, "um Metas rasch wachsende KI-Recheninfrastruktur zu unterstützen". Dabei werde Broadcom Technologie für die Meta Training and Inference Accelerator (MTIA)-Chips liefern, die als Rückgrat für den Aufbau hochmoderner KI-Rechenzentren von Meta dienen soll. Die Vereinbarung reicht nach aktuellem Stand bis mindestens 2029 und unterstreicht den strukturellen Wandel hin zu maßgeschneiderten KI-Beschleunigern für Hyperscaler-Rechenzentren.
Maßgeschneiderte Chips statt Standardlösungen
Im Zentrum der Partnerschaft steht die gemeinsame Entwicklung mehrerer Generationen der MTIA-Chips, die speziell auf Metas interne KI-Workloads zugeschnitten sind. Ziel dabei sei es unter anderem "den branchenweit ersten 2-nm-KI-Rechenbeschleuniger auf den Markt zu bringen". Dabei übernimmt Broadcom nicht die Rolle eines klassischen Zulieferers, sondern agiert als Co-Designer der ASIC-Architektur und unterstützt zugleich bei Fertigungskoordination, Packaging sowie Hochgeschwindigkeits-Netzwerkanbindung innerhalb der Rechenzentren. Nach Angaben von "Reuters" umfasst die aktuelle Ausbauplanung eine initiale KI-Rechenkapazität von mehr als einem Gigawatt mit Perspektive auf einen mehrjährigen Ausbau auf mehrere Gigawatt Leistung in Metas Infrastruktur.
Für Meta ist die Kooperation darüber hinaus auch Teil einer klaren Eigenchip-Strategie, die sich an Vorbildern wie Google oder Amazon orientiert. Ziel ist es, zentrale KI-Workloads wie Ranking-Algorithmen, Empfehlungslogiken und generative Modelle langfristig effizienter und kostengünstiger betreiben zu können. Maßgeschneiderte ASIC-Beschleuniger gelten insbesondere im Inference-Bereich als deutlich energieeffizienter als universelle GPUs.
Zugleich verfolgt der Facebook-Konzern damit ein zweites strategisches Ziel: die Abhängigkeit von externen GPU-Lieferanten verringern. Zwar bleiben GPUs auch künftig unverzichtbar, insbesondere für das Training großer Modelle, doch ermöglichen eigene Beschleunigerchips eine bessere Kontrolle über Kostenstruktur und Infrastrukturplanung. "Reuters" zufolge plant Meta bereits mehrere weitere Generationen seiner MTIA-Architektur bis mindestens 2027.
Broadcom baut Rolle als Hyperscaler-Partner aus
Für Broadcom markiert der Deal ebenfalls einen wichtigen Schritt in der Transformation vom klassischen Halbleiterzulieferer zum strategischen Infrastrukturpartner der großen Cloud-Konzerne. Das Unternehmen hat sich bereits in den vergangenen Jahren gezielt als Entwickler kundenspezifischer KI-ASICs positioniert und arbeitet bereits mit mehreren Hyperscalern an vergleichbaren Projekten.
"Wir freuen uns, unsere strategische Zusammenarbeit mit Meta auszubauen, die als Pioniere die nächste Generation künstlicher Intelligenz erschließen", wird Broadcom-CEO Hock Tan in der Pressemitteilung zitiert. "Diese erste Implementierung von MTIA ist erst der Anfang einer nachhaltigen, generationenübergreifenden Roadmap, die das massive Wachstum der nächsten Jahre unterstützen wird. Sie unterstreicht Broadcoms unübertroffene Führungsrolle im Bereich KI-Netzwerke und die Leistungsfähigkeit unserer grundlegenden XPU-Custom-Accelerator-Plattform", so Tan weiter.
Der Broadcom-CEO verlässt laut Mitteilung außerdem im Zuge der Verlängerung der Partnerschaft den Verwaltungsrat von Meta, dem er bislang angehörte, soll jedoch weiterhin als technischer Berater für die Chip-Roadmap des Konzerns tätig bleiben.
So reagieren die Aktien von Broadcom und Meta
Die Broadcom-Aktie beendete den Dienstagshandel an der NASDAQ mit einem kleinen Plus von 3,48 Prozent auf US-Dollar, zog am Mittwoch jedoch kräftiger an und gewann 4,19 Prozent auf 396,72 US-Dollar.
Papiere von Meta legten hingegen bereits im Dienstagshandel deutlich um 4,41 Prozent auf 662,49 US-Dollar zu. Am Mittwoch zeigten sie sich nun noch weitere 1,37 Prozent fester bei 671,58 US-Dollar.
EU droht Meta wegen WhatsApp-KI mit Zwangsmaßnahmen
Die Europäische Kommission setzt den WhatsApp-Konzern Meta weiter unter Druck. Hintergrund ist, dass Meta nach Angaben der Brüsseler Behörde nur dem eigenen KI-Assistenten Zugang zum Messenger-Dienst WhatsApp gibt und damit nach vorläufigen Ergebnissen gegen Wettbewerbsrecht verstößt.
Die Wettbewerbshüter drohen dem Konzern deshalb nun erneut mit einstweiligen Maßnahmen, um "schweren und irreparablen Schaden für den Markt" zu verhindern. Meta könnte zuvor noch versuchen, dies abzuwenden. Zudem ist die laufende Untersuchung in dem Fall noch nicht endgültig abgeschlossen. Bis wann die Ermittlungen beendet sind, bleibt unklar - eine gesetzliche Frist gibt es nicht.
Nur "Meta AI" als Helfer
Die EU-Kommission untersucht den Fall seit Dezember 2025. Der US-Konzern hatte demnach im Oktober 2025 angekündigt, Konkurrenz-Anbieter von KI faktisch von seinem Messenger-Dienst auszuschließen - und macht dies aus EU-Sicht trotz der laufenden Untersuchung seit Mitte Januar 2026.
Das Vorgehen führt laut EU-Kommission dazu, dass für Nutzerinnen und Nutzer nur Metas eigene KI ("Meta AI") zur Verfügung stehe. Der KI-Chatbot kann Texte zusammenfassen, übersetzen, erstellen sowie Fragen beantworten und nutzt dabei auch aktuelle Informationen aus dem Internet. Er funktioniert ähnlich wie etwa ChatGPT, Gemini und andere KI-Modelle. Wer die KI nutzen möchte, kann dafür in der App einen Chat mit ihr starten.
EU: Angekündigte Änderungen reichen nicht
Anfang Februar hatte die Behörde Meta bereits damit gedroht, den Zugang für Konkurrenten auf dem KI-Markt mit Zwangsmaßnahmen wiederherzustellen. Meta kündigte daraufhin Anfang März Änderungen an. Doch diese kämen faktisch dem bisherigen Zugangsverbot gleich, schreibt die EU-Kommission nun. Die nun angekündigten einstweiligen Maßnahmen würden so lange in Kraft bleiben, bis die Kommission ihre Untersuchung abgeschlossen und eine endgültige Entscheidung über das Verhalten von Meta getroffen hat, teilte sie mit.
Die EU-Kommission wacht in der EU über die Einhaltung des Wettbewerbsrechts. Wie genau sie vorgehen würde, um den Konkurrenten von Meta Zugang zu WhatsApp zu gewähren, blieb zunächst unklar.
Meta: Viele KI-Optionen
Ein Sprecher von Meta hatte im Februar mitgeteilt, es gebe keinen Grund für die EU, einzugreifen. "Es gibt viele KI-Optionen, die über App-Stores, Betriebssysteme, Geräte, Websites und Industriepartnerschaften genutzt werden können", argumentierte der Sprecher. Die EU-Kommission gehe fälschlicherweise davon aus, dass die Schnittstelle bei WhatsApp ein wichtiger Vertriebskanal für diese Chatbots sei.
Gegen den Facebook-Konzern Meta laufen bereits Verfahren der EU wegen Verstößen gegen europäische Digitalgesetze. Ihm drohten etwa wegen mangelnder Datentransparenz und dem Umgang mit illegalen Inhalten auf seinen Plattformen hohe Geldstrafen, hatte die Kommission Ende Oktober mitgeteilt.
Carolin Ludwig, Evelyn Schmal, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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