Neue Drohnenangriffe trotz Waffenruhe - Hoffnung auf Gespräche im Iran-Krieg

Trotz der seit gut einem Monat geltenden Waffenruhe bleibt die Lage am Golf hochexplosiv, da jüngste militärische Zwischenfälle den fragilen Frieden gefährden.
Inmitten des Ringens um eine diplomatische Lösung des Iran-Kriegs ist die Waffenruhe erneut verletzt worden. Der Golfstaat Kuwait wurde von mutmaßlich iranischen Drohnen angegriffen, worauf die dortigen Streitkräfte im eigenen Luftraum reagierten. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten neuen Beschuss; laut emiratischem Verteidigungsministerium konnte die Flugabwehr zwei iranische Drohnen erfolgreich abwehren.
Trotz der militärischen Spannungen laufen die diplomatischen Bemühungen weiter. Am Samstag trafen sich US-Außenminister Marco Rubio und der Sondergesandte des Weißen Hauses, Steve Witkoff, mit dem katarischen Ministerpräsidenten Mohammed bin Abdulrahman Al Thani. Ziel des Treffens war es, eine Vereinbarung zur Beendigung des Kriegs zu erreichen. Das Weiße Haus hält Katar für besonders effektiv in den Verhandlungen mit Teheran, wobei Katar eher im Hintergrund agiert, während Pakistan offiziell vermittelt.
Katar mahnt: Schifffahrtswege kein Druckmittel
Katar hat den Iran unterdessen davor gewarnt, die strategisch wichtige Straße von Hormus als Druckmittel in den laufenden Verhandlungen zu nutzen. In einem Telefonat mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi betonte Ministerpräsident Al Thani, dass sich die Krise durch den Einsatz der Meerenge als "Druckmittel" nur verschärfe. Die Freiheit der Schifffahrt sei als Prinzip "nicht verhandelbar". Der Schifffahrtsweg wird seit Wochen vom Iran blockiert, worauf die USA mit einer Blockade iranischer Häfen reagierten - mit erheblichen Folgen für die Weltwirtschaft.
Zeitung: Neue Gespräche in Islamabad möglich
Obwohl die Waffenruhe seit gut einem Monat gilt, bleiben die Spannungen beträchtlich. Laut "Wall Street Journal" könnten in der kommenden Woche neue Gespräche unter pakistanischer Vermittlung in der Hauptstadt Islamabad stattfinden. Zuletzt waren ähnliche Pläne mehrmals gescheitert. Der Iran übergab am Sonntag seine Antwort auf den US-Friedensvorschlag an den Vermittler Pakistan. Der iranische Außenminister Araghtschi telefonierte zudem mit seinem türkischen Kollegen Hakan Fidan, da sich auch die Türkei hinter den Kulissen für ein Ende des Konflikts einsetzt.
Der US-Vorschlag umfasst eine 14 Punkte starke Absichtserklärung. Ziel ist ein Rahmen für zunächst 30 Tage dauernde Verhandlungen, um den Krieg zu beenden. Diskutiert werden neben der Zukunft der Straße von Hormus auch eine Lockerung von US-Sanktionen sowie eine Grundlage für Verhandlungen über das iranische Atomprogramm.
Uran-Konflikt: Kontrast zwischen Moskau und Washington
In der Frage des angereicherten Urans zeigen sich tiefe Gräben. Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte sich bereit, das Material aus dem Iran abzutransportieren und in Russland einzulagern, wie es bereits 2015 praktiziert wurde. Putin betonte, dass ursprünglich Einigkeit zwischen allen Parteien - einschließlich der USA und Israel - bestanden habe, Washington jedoch plötzlich seine Haltung verschärft und den Abtransport ausschließlich auf US-Gebiet gefordert habe.
US-Präsident Donald Trump zeigte sich hingegen siegessicher und drohte indirekt mit Gewalt. In einem Interview erklärte Trump, die USA würden das angereicherte Uran "irgendwann bekommen, zusammen mit allem, was wir wollen". Das Material stehe unter US-Beobachtung. "Wenn sich jemand dem Ort nähert, werden wir davon erfahren, und wir werden ihn in die Luft jagen", so Trump weiter. Er drängt darauf, dass der Iran seine Vorräte vollständig entfernt und Anreicherungskapazitäten abbaut, um die Entwicklung von Atomwaffen unmöglich zu machen.
Internationaler Marineeinsatz in Vorbereitung
Großbritannien hat derweil den Zerstörer "HMS Dragon" entsandt, um Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu schützen. Das Schiff soll an einer britisch-französischen Mission teilnehmen, sobald die Feindseligkeiten enden. Auch Deutschland erwägt eine Beteiligung mit Minenjagdbooten, einer Versorgungsplattform sowie seegestützter Aufklärung unter europäischer Führung.
Flughäfen warnen vor weiteren Flugstreichungen
Die Blockade der Schifffahrtswege belastet zunehmend den zivilen Luftverkehr. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) warnt vor Kerosin-Versorgungslücken. Laut ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel könnten vor allem Low-Cost-Airlines gezwungen sein, Flüge zu streichen. Im Worst-Case-Szenario drohe ein Kapazitätseinbruch von zehn Prozent, wovon bis zu 20 Millionen Fluggäste betroffen wären. Infolge der gestörten Öltransporte sind die Preise für Flugtreibstoff bereits massiv gestiegen, was erste Airlines zu Flugabsagen veranlasste.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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