Krise am Golf

Tewe Pannier: „Dubai wird nicht verhungern“

08.12.09 12:00 Uhr

Wie schlimm ist die Dubai-Krise wirklich – und wie stark wird sie die Märkte noch belasten? Euro am Sonntag sprach mit dem Medienunternehmer Tewe Pannier.

€uro am Sonntag

von Jens Castner, Euro am Sonntag

Der ehemalige Journalist („Bild“, „Tagesspiegel“, Sat.1) ist Autor des Buchs „1001 Deal". Erfolgreich in Dubai – ein Blick hinter die Kulissen der Glitzerwelt“. Seit 2004 hat er das Emirat zu seiner Wahlheimat gemacht.

€uro am Sonntag: Herr Pannier, wo erwischen wir Sie gerade?
Tewe Pannier: Auf dem Weg zum Supermarkt. Und dort werden sich wie immer lange Schlangen an den 54 Kassen bilden.

Das Leben in Dubai geht also seinen ganz normalen Gang?
Ich bekomme seit Tagen besorgte Anrufe aus Deutschland, aber ich kann versichern, es besteht kein Grund zur Panik. Hier herrscht kein Lebensmittelnotstand, Dubai ist nicht zur Geisterstadt geworden, auch der Nationalfeiertag diese Woche wurde groß gefeiert. Aber der Alltag hat sich zweifellos verändert.

Inwiefern?
Es gibt weniger Staus, mehr freie Tische in den Restaurants, viele Baukräne stehen still. Die weltweite Wirtschaftskrise hat bereits seit Herbst 2008 ihre Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen. Betroffen sind auch Mittelklassejobs. Bei Bankern und Bauingenieuren gab es ein re­gelrechtes Blutbad. Hier existiert kein Kündigungsschutz, der mit Deutschland vergleichbar wäre. Die Unternehmen können also sehr schnell und flexibel reagieren, um die Kosten zu senken.

Besteht Hoffnung auf baldige Wiedereinstellung?
Nun, hier muss man differenzieren. Es gibt ja eine große Anzahl gesunder Unternehmen mit stabilem Geschäftsmodell, etwa im Energiesektor. Auch die Häfen oder die Fluglinie Emirates sind vermutlich weiterhin profitabel, selbst wenn die Geschäfte nicht mehr so gut laufen wie im Vorjahr. Viele Unternehmen entlassen ihre Mitarbeiter auch nicht gleich, sondern schicken sie erst einmal in unbezahlten ­Urlaub. Den verbringen die Betroffenen aber meist in ihren Heimatländern.

Bauwut: Dubai mit Blick auf die künstliche Insel The Palm, Jumeirah

Welche Konsequenzen hat das für den Immobilienmarkt?
Gute, bezahlbare Objekte sind weiterhin nahezu vollständig vermietet. Leerstände sind vor allem bei spekulativen Immobilien zu beobachten, bei denen es aber auch vorher zu Exzessen gekommen war. Auf den künstlichen Inseln etwa sind die Preise um 50 Prozent gefallen. Dort wurden ja die Milliarden versenkt, der Markt liegt am Boden. Außer einigen Notverkäufen tut sich da im Moment nichts.

Müssen wir uns auf weitere Schockwellen an den westlichen Märkten einstellen?
Da ich Unternehmer bin und kein Anlagestratege, verfolge ich das nur mit gebührendem Abstand. Meiner Meinung nach haben die Börsen aber auf die Liquiditätsprobleme des Staatsunternehmens Dubai World völlig überreagiert.

Wie kommen Sie zu dieser These?
Erstens ist das Problem im Finanzweltgefüge wirklich mehr als überschaubar. Als Daimler in ähnlichen Schwierigkeiten steckte, wurde die Stadt Stutt­gart ja auch nicht stillgelegt. Zweitens ist Dubais Wirtschafts- und Leuchtkraft für die Golfregion viel zu wichtig, als dass die reichen Nachbarn wie Abu Dhabi und Saudi-Arabien es sich leisten könnten, das Emirat einfach verhungern zu lassen. Es gibt allen Grund, gelassen zu bleiben. Die Lage hier wird sich genauso stabilisieren wie überall auf der Welt.

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