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18.03.2019 17:27
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Kritik an möglicher Großbanken-Fusion hält an

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- von Andreas Framke und Andrea Shalal

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Die scharfe Kritik an einer möglichen Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank reißt nicht ab.

Frank Bsirske, der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, warnte am Montag abermals vor dem Verlust Zehntausender Arbeitsplätze bei den beiden Instituten. Auch aus dem direkten Umfeld von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich bislang nicht selbst zu den Plänen geäußert hat, kamen eher besorgte Töne. Wenn es zum Verlust Tausender Arbeitsplätze käme, "dann ist das natürlich ein schwieriger Befund", sagte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) der "Bild"-Zeitung. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte in Berlin: "Die Bundesregierung wird das aufmerksam beobachten."

Deutsche Bank und Commerzbank hatten am Sonntag den Beginn formeller Fusionsverhandlungen bestätigt. Über diesen Schritt war seit Wochen spekuliert worden - vor allem seit immer klarer wurde, dass Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär Jörg Kukies, der frühere Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, einen Zusammenschluss der beiden Institute zu einem nationalen Champion befürworten. Die Chefs von Deutscher Bank und Commerzbank, Christian Sewing und Martin Zielke, betonten aber, dass die Gespräche ergebnisoffen seien und keineswegs am Ende eine Fusion stehen muss. Goldman Sachs und Rothschild werden die Commerzbank bei den Verhandlungen beraten, wie Reuters am Montag erfuhr.

ZIELKE WILL BALD KLARHEIT

Zielke will Insidern zufolge bald Klarheit haben, wie es weitergeht. In zwei bis drei Wochen wolle er entscheiden, ob die Gespräche fortgeführt werden und eine vertiefte Buchprüfung (Due Diligence) aufgenommen wird, sagte er nach Angaben von Teilnehmern am Sonntagabend in einer Telefonkonferenz mit dem Commerzbank-Aufsichtsrat. Die Buchprüfung könnte dann weitere vier bis sechs Wochen in Anspruch nehmen. Die Commerzbank lehnte eine Stellungnahme ab.

Finanzminister Scholz wollte die Entscheidung der beiden Banken, offizielle Gespräche aufzunehmen, am Montag nicht kommentieren. Ein Sprecher seines Ministeriums sagte, er habe in der Vergangenheit "keinen Druck wahrgenommen seitens des Bundesministeriums der Finanzen." Es sei völlig offen, ob eine Fusion überhaupt stattfinde. Sollte das Vorhaben glücken, entstünde die mit Abstand größte deutsche Bank mit rund 38 Millionen Privat- und Firmenkunden, anfänglich rund 140.000 Mitarbeitern, 2400 Filialen in Deutschland, einem Marktanteil von rund 20 Prozent und einer Bilanzsumme von fast zwei Billionen Euro. In Europa wäre das neue Institut nach der britischen HSBC und der französischen BNP Paribas das drittgrößte Bankhaus.

GROSSAKTIONÄR: "NICHT IN FUNDAMENTAL-OPPOSITION"

Verdi-Chef Bsirske, der im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt, warnte am Montag vor massiven Arbeitsplatzverlusten: "Dass da einfach zugeguckt wird - da kann ja niemand von ausgehen - wenn da 20.000, 30.000 Arbeitsplätze in Frage stehen", sagte er in Berlin.

Auch Großaktionäre der Deutschen Bank stehen einer Fusion mit dem kleineren Frankfurter Konkurrenten skeptisch gegenüber. Allerdings würden sie sich womöglich nicht komplett verweigern, sollten die Fusionsgespräche, die nach Informationen von Insidern mehrere Wochen in Anspruch nehmen dürften, am Ende erfolgreich sein. "Wir sind nicht in Fundamental-Opposition, haben aber erhebliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit und am Timing und wollen überzeugt werden", sagte eine Person aus dem Umfeld eines großen Anteilseigners. Von einem anderen Aktionär hieß es dagegen: "Es gibt keinen offensichtlichen Grund, warum diese beiden Banken fusionieren wollten. Das passt strategisch einfach nicht." Die Fusionsverhandlungen sind auch Thema bei den separaten Sitzungen der Aufsichtsräte beider Geldhäuser am Donnerstag.

DIE POLITIK WILL ERSTMAL ABWARTEN

Kanzleramtsminister Braun erklärte, Deutschland brauche nicht zwangsläufig eine internationale Großbank brauche. "Es gibt keine alleinige politische Motivation, diese Fusion nun anzustreben. Es muss eine betriebliche sein." Eine Fusion der beiden Banken sei "keine systemische Frage für Deutschland, sondern eine wirtschaftliche Frage von zwei Unternehmen." In den nächsten Wochen wolle man die Gespräche in Ruhe abwarten. Dann werde die Regierung als Anteilseigner der Commerzbank eine Entscheidung treffen. "Die Federführung hat hier das Finanzministerium, und wir begleiten das im Kanzleramt eng."

Monopolkommissionspräsident Achim Wambach sagte der "Rheinischen Post", durch einen Zusammenschluss der beiden Banken steige alleine schon wegen der Größe eines neuen Instituts das Risiko im Finanzsystem. Die Finanzkrise 2008 habe deutlich gemacht, dass große Banken nicht ohne weiteres abgewickelt werden können und gegebenenfalls vom Staat gerettet werden müssen. Aus Wettbewerbssicht gab Wambach allerdings Entwarnung: "Einiges deutet darauf hin, dass die Kartellbehörden den Zusammenschluss, gegebenenfalls unter Auflagen, freigeben würden." Die Geschäftsfelder der Banken würden sich entweder nur gering überschneiden oder seien spürbarem Wettbewerb ausgesetzt - "auch noch nach einer möglichen Fusion".

An der Börse legten die beiden Aktien deutlich zu. Zudem schoss das Papier der DWS, der 2018 an die Börse gebrachten Fondstochter der Deutschen Bank, in die Höhe. Es wird darauf spekuliert, dass die Deutsche Bank die DWS an eine andere Fondsgesellschaft verkaufen könnte, um an Geld für eine Übernahme der Commerzbank zu kommen.

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