Lufthansa-CEO sieht Belastungen der Branche in Politik verstanden
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Von Archibald Preuschat
DÜSSELDORF (Dow Jones)-- Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Lufthansa erkennt ein Umdenken in der Politik, sowohl in Berlin als auch auf europäischer Ebene. "Erkennt man, dass die europäische Luftfahrtbranche belastet ist? Ja. Kommen schon Maßnahmen? Nein", sagte Carsten Spohr am Mittwochabend in Düsseldorf bei einer Veranstaltung der dortigen Wirtschaftspublizistischen Vereinigung.
Europäische Airlines erhalten zunehmend Konkurrenz von Fluggesellschaften aus dem arabischen Raum und der Türkei, die ihnen Passagiere auf den attraktiven Strecken nach Asien Passagiere streitig machen. Der Politik gestand er zu, "mittlerweile ein offenes Ohr zu haben", lehnte eine Unterstützung wie in Dubai oder Istanbul aber ab. "Das wollen wir gar nicht Europa."
In Deutschland belastet die Luftverkehrsabgabe die Lufthansa, wie auch Wettbewerber Air Berlin und die übrigen hierzulande ansässigen Airlines, zusätzlich. Laut Spohr zahlen von insgesamt 1 Milliarde Euro Luftverkehrssteuer, 650 Millionen Euro, also rund zwei Drittel, deutsche Fluggesellschaften und am meisten die Lufthansa. Die Luftverkehrssteuer wird seit 2011 erhoben, wenn ein Passagier von einem deutschen Flughafen eine Reise ins In- oder Ausland antritt.
"Ich habe den Glauben aufgegeben, dass die Luftverkehrssteuer fällt, aber vielleicht fließt ja etwas von dem Geld zurück in die Branche", sagte Spohr vor Journalisten der Wirtschaftspolitischen Vereinigung. Als Beispiel nannte er den Sicherheitsbereich, der anders als bei Sportveranstaltungen oder auch dem Bahn-Verkehr nicht staatlich unterstützt wird.
Spohr wiederholte auch, dass der europäische Luftfahrtsektor zu sehr fragmentiert sei. In der Vergangenheit hat er betont, bei einer Konsolidierung der Branche eine aktive Rolle spielen zu wollen. Spohr will aber "behutsam" vorgehen. "Wir kaufen nur Airlines, die einen Wert an sich haben, den sie außerhalb der Lufthansa Group nicht so entfalten können. Per se hoffnungslose Fälle kommen uns nicht ins Portfolio. Da hoffen wir, dass sie untergehen, oder sie jemand anders kauft", sagte Spohr. Eine Entscheidung zur vollständigen Übernahme von Brussels Airlines will Lufthansa Anfang September treffen, bekräftigte Spohr.
Gelassen sieht der Lufthansa-Chef, die in Medienberichten kolportierten Gespräche zwischen dem Star-Alliance-Partner Singapore Airlines und Air France, die dem konkurrierenden Sky Team angehören. "Allianzen bieten heute keine 100-prozentige Hygiene mehr. Und der Fairness halber muss man auch sagen, dass wir mit Thai und Turkish Airlines reden." Spohr unterstrich, die Wichtigkeit, in allen wichtigen Märkten einen Kooperationspartner zu haben.
Gewissermaßen Bestandsschutz gab Spohr der wegen der enormen Überkapazitäten kriselnden Frachtsparte. "Die Frage ist ist, wie groß die Cargo-Flotte sein wird. Aber wir wollen die Exportbedürfnisse der deutschen Wirtschaft befriedigen, schließlich führen wir ja auch das Wort Deutsche im Unternehmensnamen."
Kontakt zum Autor: archibald.preuschat@wsj.com
DJG/apr/kla
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May 19, 2016 04:00 ET (08:00 GMT)
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