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18.06.2019 12:39
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MÄRKTE EUROPA/Draghi treibt Aktienkurse - Euro auf Dreiwochentief

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Von Steffen Gosenheimer

FRANKFURT (Dow Jones)--Das Bild an den europäischen Finanzmärkten hat sich am Dienstag im vormittäglichen Handelsverlauf komplett verändert. Aus anfänglichen Verlusten von einem halben Prozent und mehr haben die Indizes deutlich ins Plus gedreht. Zugleich taucht der Euro ab auf ein Dreiwochentief und am Anleihemarkt fallen die Renditen teilweise auf neue Rekordtiefs.

Der DAX liegt am Mittag 0,8 Prozent höher bei 12.187 Punkten und der Euro-Stoxx-50 steigt um 1,0 Prozent auf 3.418.

Neu gestellt wurden die Weichen um 10.00 Uhr von EZB-Präsident Mario Draghi. Er kündigte bei einem Forum der Europäischen Zentralbank (EZB) in Portugal eine stramme Lockerungspolitik fast schon an. Draghi betonte die Bereitschaft, falls notwendig die Geldpolitik entschlossen zu lockern. Zum einen deuten laut Draghi die Indikatoren auf Schwäche in den nächsten Quartalen hin, zum anderen sagte er, die Geldpolitik dürfe vor zu niedriger Inflation nicht kapitulieren.

Damit wird die zuletzt zumeist von den Erwartungen an die US-Notenbank ausgehende und die Aktienmärkte stützende Zinssenkungsfantasie noch befeuert. Die US-Notenbanker dürften am Mittwoch nach Handelsende in Europa die Zinsen zwar noch nicht senken, aber sie könnten Hinweise geben, dass es im Juli soweit ist. Am Zinsterminmarkt beträgt die Wahrscheinlichkeit dafür über 85 Prozent. Hintergrund sind die Unwägbarkeiten, die die Notenbanken weltweit für die Finanzmärkte sehen angesichts von Handelskonflikten und anderen geopolitischen Risiken.

Aktuell wird das Säbelrasseln im Nahen Osten immer lauter. Die USA entsenden weitere rund tausend Soldaten in die Region, nachdem sie Bilder veröffentlicht haben, die die Verantwortung des Iran für die jüngsten Angriffe auf Tanker belegen sollen. Iran hat seinerseits angekündigt, die im Atomabkommen vereinbarte zulässige Menge von angereichertem Uran noch im Juni zu überschreiten.

Derweil trägt zur kurstreibenden Zinssenkungsfantasie am Dienstag auch bei, dass der ZEW-Index, der die Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren in Deutschland abbildet, im Juni eingebrochen und deutlich schlechter als erwartet ausgefallen ist.

Fallende Renditen machen Banken zu schaffen

Bankenaktien liegen mit der Aussicht auf weiter niedrigste Niveaus bei den Zinsen mit einem Minus von 0,2 Prozent am Ende bei den Branchen. Niedrige Zinsen schmälern unter anderem die Margen im Kreditgeschäft. Die deutsche Zehnjahresrendite ist nach den Draghi-Aussagen auf ein Rekordtief von minus 0,30 Prozent gefallen.

Der Euro fällt deutlich zurück, was wiederum günstig für Exporte aus der Eurozone ist. Die Gemeinschaftswährung wird mit 1,1186 Dollar gehandelt nach zuvor noch 1,1240.

Zu den Gewinnern am Aktienmarkt gehören vor allem als defensiv und weniger konjunkturzyklisch geltende Sektoren, beispielsweise Pharma und Nahrungsmittel mit Aufschlägen bis 1,3 Prozent bei den Subindizes. Wegen der konjunkturellen Unsicherheit stützt laut Börsianern die Zinssenkungsfantasie derzeit vor allem diese defensiven Werte.

Ganz an der Spitze liegen die Versorgeraktien mit einem Plus ihres Subindex von 1,8 Prozent. Die Branche gilt wegen ihrer Kapitalintensität traditionell als stark zinsreagibel. RWE legen 3,8 Prozent zu, EDF rücken um 3,7 Prozent vor.

Für Anleger in Immobilienaktien könnte es am frühen Nachmittag interessant werden. Allerdings erscheint es zunehmend fraglich, ob tatsächlich in Gänze im Berliner Abgeordnetenhaus bereits über ein Gesetz gegen Mietsteigerungen abgestimmt wird, das in den vergangenen Wochen die Stimmung für die Branche deutlich eingetrübt hatte. Offenbar gibt es bei Details noch Beratungsbedarf. Derweil gibt es innerhalb der SPD nun Bestrebungen, derlei Maßnahmen auch bundesweit umzusetzen. Der deutsche Immobilienindex legt indes um 1,0 Prozent zu, gestützt von den extrem niedrigen Zinsen.

Der Index der Autoaktien liegt unverändert und rangiert eher am Ende. Die EU-Auto-Zulassungen sind im Mai zwar um 0,1 Prozent gestiegen und das erstmals nach mehreren Monaten wieder, allerdings gab es im Mai auch einen Verkaufstag mehr, wie die Experten des Wirtschaftsberaters EY betonen. Evercore ISI spricht von ernüchternden Zahlen.

Infineon 5 Prozent schwächer - Siltronic fallen um fast 13 Prozent

Bei den Einzelwerten stehen in Deutschland Infineon und Siltronic im Fokus. Infineon hat im Schnellverfahren eine Kapitalerhöhung durchgeführt zur Finanzierung der jüngst angekündigten Übernahme von Cypress in den USA für 9 Milliarden Euro. "Für den geplanten Finanzierungsanteil von 30 Prozent über Eigenkapital fehlen noch etwa 1,15 Milliarden Euro", rechnet ein Händler vor und deutet damit an, dass wohl noch mehr Kapital benötigt wird. Infineon verlieren knapp 5 Prozent.

Ebenfalls im DAX geht es für die Lufthansa-Aktie nach dem Kurseinbruch am Vortag um weitere 3,5 Prozent abwärts. Die Gewinnwarnung der Fluglinie vom Sonntagabend wirkt damit weiter, zumal es nun eine Serie von Abstufungen der Aktie gibt.

Für Siltronic geht es um rund 13 Prozent abwärts. Der Wafer-Hersteller wird die erst im April gesenkten Ziele nicht erreichen. Schuld sind die geopolitischen Unsicherheiten und der negative Einfluss der Exportbeschränkungen der US-Regierung gegenüber chinesischen Technologieunternehmen. Der Kurs der Mutter Wacker Chemie verliert 3,3 Prozent.

Vapiano bewegen sich kaum vom Fleck. Der Umsatz der Systemgastronomiekette ist im ersten Quartal auf vergleichbarer Fläche um 3,5 Prozent geschrumpft. Für das Gesamtjahr geht Vapiano von 390 bis 420 Millionen Euro aus, die Analystenschätzungen lagen bislang bei 426 Millionen. Der Kurs sei bereits stark gefallen, heißt es aus dem Handel zur moderaten Kursreaktion.

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Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD

Euro-Stoxx-50 3.417,97 1,03 34,76 13,88

Stoxx-50 3.155,27 0,89 27,94 14,32

DAX 12.187,56 0,84 101,74 15,42

MDAX 25.414,55 0,43 108,94 17,72

TecDAX 2.814,20 0,72 20,06 14,86

SDAX 11.005,35 0,29 32,29 15,73

FTSE 7.400,82 0,59 43,51 9,35

CAC 5.457,57 1,24 66,63 15,37

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD

Dt. Zehnjahresrendite -0,30 -0,06 -0,54

US-Zehnjahresrendite 2,05 -0,04 -0,63

DEVISEN zuletzt +/- % Di, 9:23 Mo, 17.36 Uhr % YTD

EUR/USD 1,1193 -0,25% 1,1240 1,1234 -2,4%

EUR/JPY 121,21 -0,49% 121,67 122,01 -3,6%

EUR/CHF 1,1188 -0,18% 1,1205 1,1216 -0,6%

EUR/GBP 0,8935 -0,18% 0,8968 0,8942 -0,7%

USD/JPY 108,29 -0,24% 108,25 108,61 -1,2%

GBP/USD 1,2527 -0,08% 1,2534 1,2564 -1,9%

Bitcoin

BTC/USD 9.223,75 -0,71% 9.091,25 9.273,50 +148,0%

ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD

WTI/Nymex 51,55 51,93 -0,7% -0,38 +9,0%

Brent/ICE 60,43 60,94 -0,8% -0,51 +9,5%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD

Gold (Spot) 1.345,94 1.339,54 +0,5% +6,40 +4,9%

Silber (Spot) 14,90 14,85 +0,3% +0,05 -3,9%

Platin (Spot) 800,18 794,50 +0,7% +5,68 +0,5%

Kupfer-Future 2,67 2,65 +0,8% +0,02 +1,0%

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Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/gos/raz

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June 18, 2019 06:39 ET (10:39 GMT)

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