MÄRKTE USA/Wall Street zwischen Zinshoffnung und Fed-Signalen

13.06.24 22:12 Uhr

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Von Florian Faust

NEW YORK (Dow Jones)--An der Wall Street ist am Donnerstag um die Deutungshoheit der Zinsdebatte gerungen worden. Zwar hatten Zinssenkungsspekulationen neue Nahrung erhalten und die Wall Street somit tentenziell gestützt. Doch zugleich rückten die falkenhaften Äußerungen der US-Notenbank wieder stärker ins Bewusstsein und ließen die Kurse von den Tageshochs deutlich zurückkommen. Denn die Fed-Verlautbarungen waren laut Händlern am Vorabend zu sehr vernachlässigt worden.

Der Dow-Jones-Index büßte 0,2 Prozent auf 38.647 Punkte ein, S&P-500 und Nasdaq-Composite stiegen um 0,2 bzw. 0,3 Prozent zu. Die Nasdaq markierte weitere Allzeithochs. Nach ersten Angaben gab es an der Nyse 1.040 (Mittwoch: 2.033) Kursgewinner und 1.775 (803) -verlierer. Unverändert gingen 61 (47) Titel aus dem Handel.

Der Markt hatte den günstig ausgefallenen Inflationsdaten zunächst mehr Bedeutung beigemessen als den Zinsprojektionen der US-Notenbanker. Händler waren "mehr auf die positiven Inflationsnachrichten fokussiert - in der Hoffnung, dass weitere ähnliche Berichte den Weg für schnellere Zinssenkungen ebnen werden", sagte Analyst Henry Allen von der Deutschen Bank.

Bestimmend für den Markt waren zunächst nach den Verbraucherpreisen am Vortag die Erzeugerpreise, die die Zinssenkungsfantasien erneut befeuerten. Sie sanken im Vergleich zum Vormonat, während Volkswirte mit einem leichten Anstieg gerechnet hatten. In der Kernrate stagnierten die Preise, während die Konsensschätzung von steigenden Preisen ausgegangen war. Dazu fachten die wöchentlichen und schwächer als veranschlagt ausgefallenen Arbeitsmarktdaten die Zinssenkungsfantasien zusätzlich an.

Doch Händler riefen die Verlautbarungen der US-Notenbank in Erinnerung. Die Fed hatte am Vorabend nur noch eine einzige Zinssenkung im laufenden Jahr signalisiert. Zum Vergleich: Im März waren es noch drei gewesen. Am Markt liebäugelte man aber mit zwei Zinssenkung. "Es ist vermessen, sich gegen die Fed zu stellen", warnte ein Händler.

Technologietitel kommen zurück

Auch bei den zinssensiblen Technologietitel ebbte die Euphorie im Verlauf etwas ab. Schwergewichte wie Nvidia wurden zwar 3,5 Prozent höher gehandelt - die Titel erklommen das nächste Allzeithoch. Apple gewannen nach einem volatilen Verlauf 0,5 Prozent. Zwischenzeitlich hatte eine Sammelklage, in der dem iPhone-Hersteller vorgeworfen wird, Frauen bei den Gehältern zu benachteiligen, ins Minus gedrückt. Intel verloren 1,0 Prozent.

Tesla-Chef Elon Musk sorgte wieder für Gesprächsstoff. Ihm zufolge haben die Aktionäre ein Vergütungspaket im Volumen von 46 Milliarden Dollar für ihn genehmigt. Das war aber nicht der Grund für den 3-prozentigen Kursanstieg. Der E-Autobauer will wegen der Zölle auf chinesische Importe in Europa die Preise für das Model 3 auf dem dortigen Markt erhöhen.

Der Chip- und Softwarehersteller Broadcom plant einen Aktiensplit im Verhältnis 1:10 und meldete ein weiteres Quartal mit starker Nachfrage, wobei etwa ein Viertel des Umsatzes auf KI-Produkte entfiel. Umsatz und Gewinn übertrafen die Erwartungen. Broadcom schnellten um 12,2 Prozent empor.

Ganz anders bei Virgin Galactic: Das von Milliardär Richard Branson gegründete Raumfahrtunternehmen plant eine Aktienzusammenlegung im Verhältnis 20:1, um die weitere Notierung der Aktie an der New Yorker Börse zu gewährleisten. Die Aktie sackte um 14,3 Prozent ab.

Dave & Buster's Entertainment stürzten um 10,9 Prozent ab. Der Restaurant- und Spielhallenbetreiber meldete ein weiteres Quartal mit rückläufigen Umsätzen. Der Modeeinzelhändler Torrid Holdings (+0,8%) profitierte von einen höheren Kundenfrequenz und einer strengen Lagerhaltung im ersten Quartal. Signet Jewelers brachen um 14,9 Prozent ein - ein schwacher Ausblick verschreckte.

Renditen sinken weiter

Am Rentenmarkt gaben die Renditen mit den neuen Inflationsdaten und damit einhergehenden Signalen für Zinssenkungen weiter nach. Anders als die Fed spekuliere der Markt doch auf zwei Zinssenkungen 2024, hieß es.

Beim Dollar folgte der Markt den Fed-Projektionen. Er hatte zudem bereits am Vortag deutlich Federn gelassen, so dass er sich nun erholte - der Dollarindex gewann 0,5 Prozent. Der Greenback folge "mit bemerkenswertem Enthusiasmus" der Fed, erläuterte die Societe Generale.

Am Ölmarkt sanken die Preise leicht, die Internationale Energieagentur hatte ihre Prognose der Ölnachfrage gesenkt und vor einem Überangebot gewarnt. Ritterbusch sah die Bilanz zwischen Angebot und Nachfrage eher bärisch für die Preise.

Bei Gold wurden angesichts der Dollar-Erholung Gewinne eingestrichen - trotz gesunkener Marktzinsen. Auch schienen Anleger der Fed mehr Glauben zu schenken als den Marktspekulationen über Zinssenkungen, erläuterte Analyst Chris Weston von Pepperstone.

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INDEX zuletzt +/- % absolut +/- % YTD

DJIA 38.647,10 -0,2% -65,11 +2,5%

S&P-500 5.433,74 +0,2% 12,71 +13,9%

Nasdaq-Comp. 17.667,56 +0,3% 59,12 +17,7%

Nasdaq-100 19.576,92 +0,6% 111,75 +16,4%

US-Anleihen

Laufzeit Rendite Bp zu VT Rendite VT +/-Bp YTD

2 Jahre 4,70 -5,5 4,75 27,7

5 Jahre 4,24 -7,7 4,32 24,1

7 Jahre 4,23 -7,8 4,31 26,3

10 Jahre 4,24 -7,6 4,32 36,3

30 Jahre 4,40 -7,7 4,48 42,9

DEVISEN zuletzt +/- % Do, 8:15 Mi, 17:27 % YTD

EUR/USD 1,0741 -0,7% 1,0805 1,0848 -2,8%

EUR/JPY 168,72 -0,4% 169,81 169,00 +8,4%

EUR/CHF 0,9598 -0,8% 0,9672 0,9667 +3,4%

EUR/GBP 0,8414 -0,4% 0,8455 0,8451 -3,0%

USD/JPY 157,08 +0,3% 157,15 155,80 +11,5%

GBP/USD 1,2765 -0,3% 1,2780 1,2837 +0,3%

USD/CNH (Offshore) 7,2703 +0,1% 7,2647 7,2530 +2,1%

Bitcoin

BTC/USD 66.667,69 -2,7% 67.463,72 69.885,52 +53,1%

ROHÖL zuletzt VT-Settlem. +/- % +/- USD % YTD

WTI/Nymex 77,96 78,50 -0,7% -0,54 +7,5%

Brent/ICE 82,24 82,60 -0,4% -0,36 +7,9%

GAS VT-Settlem. +/- EUR

Dutch TTF 35,795 35,00 +2,3% +0,80 +9,2%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD

Gold (Spot) 2.303,27 2.323,00 -0,8% -19,73 +11,7%

Silber (Spot) 28,93 29,73 -2,7% -0,79 +21,7%

Platin (Spot) 952,93 968,00 -1,6% -15,08 -3,9%

Kupfer-Future 4,49 4,57 -1,8% -0,08 +14,3%

YTD bezogen auf Schlussstand des Vortags

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Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/DJN/flf

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June 13, 2024 16:13 ET (20:13 GMT)

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