19.08.2022 13:21

MARKT-AUSBLICK/DAX bleibt stabil und widerstandsfähig

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Von Herbert Rude

FRANKFURT (Dow Jones)--Mit einer neuen Abwärtswelle an den europäischen Aktienmärkten ist in der kommenden Woche aller Voraussicht nach nicht zu rechnen. Zwar läuft die Sommerrally aus. Das Bild, das die Märkte bieten, ist aktuell aber eher durchwachsen. Von daher bestehen gute Chancen, dass der DAX erst einmal unterhalb der 14.000er Marke seitwärts läuft.

Zwar dürfte sich US-Notenbankpräsident Jerome Powell in Jackson Hole am kommenden Freitag falkenhaft äußern. Die UBS sieht Jackson Hole als wichtigstes Ereignis der kommenden Woche, zumindest als das Ereignis, das im Zentrum der Beobachtungen steht. Möglicherweise wird die Bedeutung der Zentralbankenkonferenz in diesem Jahr aber überbewertet. Denn andere Notenbankmitglieder haben den Markt ohnehin zuletzt auf einen großen September-Zinsschritt von 75 Basispunkten in den USA eingestellt, und dass der Zinserhöhungszyklus erst bei stark fallenden Inflationsdaten endet oder wenigstens pausiert, sollte ebenfalls weitgehend vorweggenommen sein.

In der jüngsten Fondsmanger-Umfrage der Bank of America wurde die Chance für eine Pause erst bei einem Fall der Inflationsrate unter 4 Prozent gesehen. Und die Anleihenmärkte haben ihre Erholung ebenfalls bereits beendet, ohne dass es deshalb gleich wieder nach einem dynamischen Anstieg der Renditen aussieht. Dazu sind die wirtschaftlichen Aussichten zu schwach: Diese drücken auf die Inflationserwartungen, allerdings zunächst vor allem in den USA. Die US-Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA, der deutsche ifo-Geschäftsklima-Index und die Einkaufsmanager-Indizes, sie alle werden in der kommenden Woche rückläufig erwartet.

Auf den ersten Blick mag es deshalb erstaunlich sein, dass gerade Auto- und einige Industrietitel immer noch auf Rally-Kurs sind. Das ist aber vermutlich der Währung geschuldet. Die starke Abwertung des Euro verbessert die Wettbewerbsposition der deutschen exportorientierten Unternehmen und gleicht die Nachteile von den hohen Energiepreisen derzeit offensichtlich mehr als aus.

Die Commerzbank bewertet die Geldmengenentwicklung negativ. Das Wachstum der Geldmenge M1 habe sich in den USA von 15 auf 6 Prozent und im Euroraum von 11 auf 7 Prozent abgeschwächt. "Solche monetäre Konstellationen waren früher regelmäßig ein Warnsignal für eine recht enttäuschende Entwicklung der Aktienmärkte", sagt Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp. Andererseits zeigen die Daten auch, dass die Geldmenge immer noch wächst, was erst einmal positiv ist. Zudem lässt die Bindung von Liquidität in der Realwirtschaft bei rezessiven Tendenzen nach, und die Umlaufgeschwindigkeit nimmt ab. Das gleicht das geringere Wachstum voraussichtlich erst einmal aus.

DAX nur in der Finanzkrise noch etwas niedriger bewertet

Hürkamp verweist auch darauf, dass sich das Szenario für die Gewinnschätzungen deutlich eintrübt, er erwartet, dass die Gewinne der DAX-Unternehmen im kommenden Jahr um 10 Prozent fallen werden. Aktuell sieht es aber noch nicht danach aus: Das zweite Quartal ist deutlich besser gelaufen als erwartet, die Gewinnschätzungen liegen mit umgerechnet über 1.200 DAX-Punkten etwa 10 Prozent höher als zum Jahresanfang, steigenden Energiepreisen und dem Ukraine-Krieg zum Trotz. Mit einem KGV von etwa 11 ist der DAX sehr attraktiv bewertet.

In der Actien-Börse heißt es, die Bewertung habe das niedrigste Niveau der vergangenen zehn Jahre erreicht. Nur in der Finanzkrise sei es noch etwas niedriger gewesen. Damit seien die monetären Risiken eingepreist.

Positive Signale kommen auch von der Stimmung im Markt, denn die Anleger glauben laut der jüngsten DAX-Umfrage der Deutschen Börse mehrheitlich, dass die Sommerrally die Baisse nur unterbrochen habe. Da die Stimmung als Kontraindikator gilt, begrenze sie das Risiko auf der Unterseite: Bereits zwischen 13.500 und 13.550 DAX-Punkten seien erste Deckungskäufe zu erwarten, so Joachim Goldberg, Analyst für Behavioral Finance, der für die Umfrage zuständig ist. Und auf der Oberseite könnte eine regelrechte Short-Squeeze entstehen, falls der DAX über die 14.000er Marke steige, so Goldberg.

Energiepreise liefern unterschiedliche Signale

Von den Energiepreisen kommen unterschiedliche Signale. Während der Ölpreis weiter unter den Höchstständen im Abwärtstrend liegt und mit der Unterzeichnung eines neuen Atomabkommens mit dem Iran weiter fallen dürfte, ziehen nach den Gaspreisen nun auch die Strompreise stark an. Etwas entspannen könnte sich die Lage hier mit einsetzendem Regen, weil dann Kohle über Binnenschiffe besser transportiert und die Atomkraftwerke in Frankreich wieder besser gekühlt werden könnten. Generell sind die Probleme aber hausgemacht und laut Marktteilnehmern einer "schlechten Politik" geschuldet: Kernkraftwerke wurden abgeschaltet und die Industrie auf den Ausstieg aus der Kohle vorbereitet, während der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland schon länger stockt. Zumindest eine Verlängerung der Laufzeiten der drei noch bestehenden Atomkraftwerke in Deutschland erscheint überfällig. Den Bürgern der übrigen EU-Staaten ist kaum vermittelbar, dass sie Gas sparen sollen, während Deutschland Gas verstromt und gleichzeitig die Kernkraftwerke abschaltet.

Gut voran kommt wiederum das Füllen der Gasspeicher. Mit über 78 Prozent ist das Ziel von 75 Prozent für den 1. September bereits übertroffen und das Ziel von 85 Prozent für den 1. Oktober könnte deutlich früher erreicht werden. Sollte Russland weiterhin 20 Prozent der Kapazität schicken, käme Deutschland ohne Rationierungen durch den Winter, wenn mindestens 15 Prozent Gas eingespart würden, heißt es bei Deutsche Bank Research. Ein Einsparvolumen von 10 Prozent reichte allerdings nicht, so die Analysten der Bank. Daneben ist ohnehin fraglich, ob Russland überhaupt weiter Gas liefern wird. Bei einem Lieferstopp reichte das Gas sogar bei einem Einsparvolumen von 20 Prozent nur bis Ende März, und ein so hohes Einsparvolumen ist laut den Analysten sehr ambitioniert, auch weil der vergangene Winter bereits vergleichsweise mild war.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/hru/flf

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