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10.08.2018 13:39
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MARKT-AUSBLICK/Türkei-Krise bringt Risikoscheu zurück aufs Tableau

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FRANKFURT (Dow Jones)--Anleger sollten sich in der kommenden Woche auf eine Rückkehr der Risikoscheu an den europäischen Aktienmärkten einstellen. Abgesehen von Einzelaktien mit sehr guten Nachrichten des jeweiligen Unternehmens dürften die Kurspfeile nach unten zeigen.

Nach dem fortgesetzten Kurseinbruch der türkischen Lira mit dem Sprung über die magische 6-Lira-Marke pro US-Dollar am Freitagmorgen ist dem Markt wieder bewusst geworden, wie hoch das Ansteckungsrisiko europäischer Banken weiter ist, nachdem die Nullzinspolitik der EZB sie in Hochzinsländer wie die Türkei getrieben hat.

Die Renditen türkischer Staatsanleihen haben ihren jüngsten Anstieg fortgesetzt auf teilweise deutlich über 20 Prozent bei fast allen Laufzeiten. Dabei wird im Handel zunächst nur über die reinen Kursverluste in den Büchern der Banken durch die fallende Währung und die fallenden Anleihekurse gesprochen. An einen kompletten Zahlungsausfall mag man lieber erst gar nicht denken: "Die Türkei könnte nicht einmal der Internationale Währungsfonds auffangen", so ein Händler.

Türkei treibt Anleger in Sichere Häfen

Die am Freitag zu beobachtende Flucht der Anleger in sichere Häfen dürfte daher verschärft weitergehen. Sprich, der US-Dollar dürfte weiter steigen und die Kurse der deutschen Bundesanleihen ebenfalls. Der damit fallende Euro und die sinkenden Renditen nutzen dem Aktienmarkt diesmal nichts. Denn nur solange es sichere Rahmenbedingungen gibt, werden sie für den exportorientierten DAX als positiv gesehen. Als Zeichen eines neuen Systemrisikos wirken sie hingegen extrem belastend.

Für den Euro kommen zudem negative Signale von der technischen Seite. So sprechen immer mehr Charttechniker von einer vollendeten Kopf-Schulter-Formation des Euro gegen den Dollar. Sollte der Bereich um 1,1440 Dollar brechen, würde ein "starkes Verkaufssignal" erfolgen, warnt Analyst Hans-Peter Reichhuber von der Bayerischen Landesbank und sieht ein enormes Abwärtspotenzial: "Das grobe Ziel dieser mächtigen Trendwendeformation liegt im Bereich um 1,05 Dollar".

Euroschwäche verschärft Kapitalflucht aus dem DAX

Ein fallender Euro würde auch Europas Aktienmärkte, und dann vermutlich wie üblich den DAX am meisten, unter Druck setzen. Denn Händler stöhnen bereits seit Wochen über die unterdurchschnittliche Entwicklung der hiesigen Märkte gegenüber den USA. Während die Indizes an der Wall Street nur knapp unter Rekordhochs stehen und der technolgielastige Nasdaq-Index seines bereits erreicht hat, dümpeln die Indizes in Europa bestenfalls seitwärts. "Es spricht ja auch fundamental von den Unternehmensgewinnen, der Steuerreform und selbst bei den Strafzöllen alles für den US-Markt", sagt ein Händler.

Entsprechend halte der Kapitalfluss in Richtung USA ungebremst an. Der DAX werde zunehmend als "Dead Money" empfunden, also in renditelosem Fahrwasser gebundenes Anlagekapital: "Mit einem fallenden Euro wäre dann endgültig Schluss mit seiner Attraktivität, weil entweder Währungsverluste oder Hedging-Kosten die schmalen Renditen noch weiter schmälern würden".

Kursziele im DAX um rund 11.500 Punkten sähen daher durchaus fair aus, heißt es weiter. Denn mit der auslaufenden Berichtssaison gehe auch der stützende Einfluss der Einzelunternehmen aus dem Markt. "Der DAX wird dann wieder zum reinen Spielball von Polit-Aussagen", so ein Börsianer.

Besondere Sorgen machen sich Analysten wie die von CMC Markets zudem mit Blick auf die Bankenbranche. Sie befürchten eine Ansteckungsgefahr vom Devisenmarkt für den DAX. "Vermutlich werden die Reserven der türkischen Banken bald aufgebraucht sein, wenn die Währung weiter in diesem Tempo abwertet. Vor allem spanische und französische Banken hängen mit ihren Engagements in der Türkei drin. Damit kann das Thema auch für die Europäische Zentralbank relevant werden", fürchtet man bei CMC. Im DAX könne dann eine Verkaufswelle drohen, zumal im Umfeld des sommerlich umsatzschwachen Handels.

Fokus auf türkische Schulden bei Spaniens Banken

Im Auge behalten sollten Anleger vor allem die Banken aus Spanien als Krisenindikator. Denn ihre Engagements in der Türkei sind am größten: Wie die aktuellen Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) zeigen, halten Spaniens Institute über 82 Milliarden Dollar an türkischen Schuldtiteln. Danach folgt Frankreich mit 38 Milliarden Dollar. Damit halten sie mehr als doppelt soviel wie die gesamten USA mit nur rund 18 Milliarden Dollar.

Hoffnung für die Aktienmärkte können sich aber aus den jederzeit möglichen Drehungen und Wendungen der Politik ergeben. Anlegern wird nichts anderes übrigbleiben, als sich kommende Woche an die Lippen der Politiker von der Türkei, über Europa bis in die USA zu hängen. Die Spannungen zwischen den USA und der Türkei seien der "unmittelbare Auslöser für die ganz aktuellen Schübe in Richtung einer schwächeren Lira gewesen", unterstreicht Thomas Meißner, Leiter der Strategie bei der Landesbank Baden-Württemberg, in diesem Zusammenhang. Insofern ist nicht auszuschließen, dass irgendwann auch wieder versöhnliche Worte den Markt bewegen könnten.

Nicht zu vergessen sind kommende Woche aber auch wieder Konjunkturdaten wie die Industrieproduktion aus China und das deutsche BIP im zweiten Quartal. Auf negative Überraschungen dürften die Märkte sehr verstimmt reagieren. Dazu wird der Index der ZEW-Konjunkturerwartungen vorgelegt und die Inflation in der Eurozone.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/mod/gos

(END) Dow Jones Newswires

August 10, 2018 07:40 ET (11:40 GMT)

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