Nahost

Shell kassiert Förderprognose für Gas ein - Aktien von Exxon, Chevron, BP & Co. im Fokus

08.04.26 22:13 Uhr

Gas-Prognose gekappt: Shell-Aktie unter Druck - Auch NYSE-Wert Exxon, BP & Co. im Blick | finanzen.net

Wegen des Nahostkonflikts hat Shell seine Annahmen für die Erdgasförderung im ersten Quartal nach unten korrigiert.

Der britische Energiekonzern Shell teilte am Mittwoch mit, dass er für das erste Quartal eine Förderung in seinem Geschäftsbereich Integrated Gas von 880.000 bis 920.000 Barrel Öläquivalent pro Tag erwartet, verglichen mit der bisherigen Prognose von 920.000 bis 980.000 Barrel Öläquivalent pro Tag. Die gesenkte Fördererwartung spiegele die Auswirkungen des Nahostkonflikts auf die Fördermengen aus Katar wider, hieß es.

Der Krieg im Nahen Osten hat zu starken Schwankungen an den Energiemärkten geführt und einige der größten Investitionsziele der Öl- und Gasindustrie in den Fokus des Konflikts gerückt. Darunter ist auch eine der Kronjuwelen des britischen Unternehmens - die Pearl-Gas-to-Liquids-Anlage im katarischen Ras Laffan. Diese wurde am 19. März bei einem iranischen Luftschlag beschädigt.

Kriegsverlierer gefragt nach Waffenruhe - Ölwerte unter Druck

Europäische Ölaktien haben am Mittwoch einen Teil ihrer kräftigen Gewinne seit Beginn des Iran-Kriegs abgegeben. Die Ankündigung einer zweiwöchigen Feuerpause zwischen den USA und dem Iran sorgte für einen deutlichen Rückgang der seit Ende Februar stark gestiegenen Ölpreise.

Shell hatte am Morgen ein laut Jefferies stark verlaufenes Raffinerie- und Handelsgeschäft gemeldet. Von RBC hieß es, dass Shells deutlicher Aufbau des Betriebskapitals "das derzeit beispiellose Umfeld widerspiegelt".

Das half im aktuellen Umfeld jedoch nur wenig, zumal die europäische Öl- und Gasbranche, der Stoxx Europe 600 Oil & Gas seit dem Kriegsbeginn in Nahost um rund 15 Prozent zugelegt hatte. Die Aktienmärkte insgesamt hatten dagegen im selben Zeitraum in dem von hohen Unsicherheiten geprägten geopolitischen Umfeld deutlich nachgegeben.

Entsprechend deutlich büßten auch andere Ölwerte in Europa ein.

Der Preis für ein Fass (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni war am Morgen um bis zu 16 Prozent auf 91,70 US-Dollar gefallen. Zuletzt lag er mit etwas über 95 Dollar noch rund 13 Prozent unter dem Niveau vom Vortag.

Grund ist, dass sich die USA und der Iran kurz vor dem Ablauf des jüngsten Ultimatums von US-Präsident Donald Trump auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt hatten. Dazu gehört auch die Öffnung der Straße von Hormus, die von zentraler Bedeutung für den weltweiten Öl- und Gashandel ist.

Die Blockade dieser Meeresenge und die damit einhergehende Verknappung hatte die Ölpreise im vergangenen Monat in die Höhe schießen lassen - und dadurch auch die Aktienkurse der Öl-Konzerne. "Die OPEC-Staaten haben im März so wenig Öl in einem Monat gefördert wie zuletzt im August des Jahres 1990. Das war während des Golfkrieges", kommentiert etwa Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners.

An diesem Mittwoch nun sei der Rohölpreis nicht nur gesunken, "er ist regelrecht abgestürzt, als die Risikoprämie wieder herausgerechnet wurde", schrieb Marktexperte Stephen Innes. Denn nachdem Washington durch den zweiwöchigen Waffenstillstand die drohende Eskalation nun entschärft hat, habe der Ölpreis "seine Funktion als Instrument globaler Angst" vorerst wieder verloren.

Exxon sieht Produktionseinbußen durch Krieg im Nahen Osten

Der Krieg im Iran hat beim US-Ölkonzern Exxon zu deutlichen Einbußen geführt. So seien im ersten Quartal sechs Prozent seiner weltweiten Produktion ausgefallen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Spring (Texas) mit. Der Krieg hat weite Teile der Energiewirtschaft am Persischen Golf lahmgelegt. Die Hälfte dieser Ausfälle konzentriere sich auf einen Flüssiggaskomplex in Katar, an dem Exxon beteiligt ist, hieß es. Zwei Produktionslinien für Flüssiggas seien beschädigt worden.

"Öffentliche Berichte deuten darauf hin, dass die Reparatur der Schäden einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen wird", erklärte Exxon laut Mitteilung. Bis zur Begutachtung vor Ort könnten keine Angaben dazu gemacht werden, wie lange es dauern werde, bis die beiden Produktionslinien wieder normal in Betrieb genommen werden könnten.

Exxon gehört zu den ersten internationalen Ölkonzernen, welche die Auswirkungen des Krieges auf ihre Anlagen im und um den Golf beziffern. Normalerweise entfällt etwa ein Fünftel der weltweiten Produktion des texanischen Unternehmens auf diese Region. Der britische Konkurrent Shell hatte am Morgen bereits über die Beeinträchtigung seines Gas-Geschäftes berichtet.

Wie Exxon weiter mitteilte, werden die Ergebnisse des ersten Quartals in der Energiesparte, die Raffinerie und Handel umfasst, aufgrund von Preisschwankungen und dem Zeitpunkt der Lieferungen um rund 3,7 Milliarden US-Dollar (rund 3,2 Mrd Euro) niedriger ausfallen als im Vorquartal. Bereinigt um die zeitlichen Effekte war der Gewinn je Aktie den Angaben zufolge höher als im Vorquartal.

Exxon erwartet im ersten Quartal Gewinne von im Mittel rund 2,1 Milliarden Dollar beziehungsweise 400 Millionen US-Dollar aus höheren Rohöl- und Erdgaspreisen. Konzernchef Darren Woods hat die Produktion in den vergangenen drei Jahren durch Akquisitionen und Wachstumsprojekte um mehr als 30 Prozent auf fast 5 Millionen Barrel pro Tag gesteigert.

Detaillierte Quartalszahlen legt Exxon am 1. Mai vor.

Im US-Handel zeigten sich die Papiere von Energieaktien mit erheblichen Verlusten: Die ExxonMobil-Aktie verlor im NYSE-Handel letztlich 4,7 Prozent auf 156,21 US-Dollar, während Chevron-Papiere um 4,34 Prozent auf 192,79 US-Dollar fielen.
Die europäischen Vertreter wie Shell und BP tendierten an der London Stock Exchange letztlich 4,68 Prozent tiefer bei 34,01 Pfund bzw. 5,82 Prozent schwächer bei 5,63 Pfund.
Im EUROSTOXX sackten TotalEnergies und Eni an das Ende des Leitindexes der Euroregion. Die französische Ölaktie gab zum Handelsschluss um 3,09 Prozent auf 76,81 Euro nach, die italienische sank derweil um 5,57 Prozent auf 23,50 Euro. In Oslo sackten Equinor sogar um 12,12 Prozent ab auf 361,90 NOK.

DJG/DJN/rio/cbr

DOW JONES/FRANKFURT/PARIS/LONDON (dpa-AFX) / SPRING (dpa-AFX)

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