Microsoft unter Druck: OpenAI öffnet die Tore für Google und Amazon

OpenAI und Microsoft haben ihre Partnerschaft neu ausgerichtet und damit zentrale Weichen für die künftige Entwicklung und den Ausbau von Künstlicher Intelligenz gestellt.
Werte in diesem Artikel
• OpenAI und Microsoft erneuern ihre Partnerschaft mit Fokus auf Flexibilität und KI-Ausbau
• Microsoft bleibt zentral, gleichzeitig wird aber die Nutzung weiterer Cloud-Anbieter ermöglicht
• Lizenz- und Finanzregeln werden neu gefasst, bei weiterhin enger Zusammenarbeit an KI-Projekten
OpenAI und Microsoft passen ihre Partnerschaft an
OpenAI hat am 27. April 2026 mitgeteilt, dass das hohe Innovationstempo eine Weiterentwicklung der Partnerschaft mit Microsoft erforderlich mache, um sowohl Kunden als auch beiden Unternehmen einen Mehrwert zu bieten. Vorgestellt wurde eine überarbeitete Vereinbarung, die die Zusammenarbeit vereinfacht und stärker auf Flexibilität, Planungssicherheit und eine breite Verfügbarkeit von KI ausrichtet. Die höhere Vorhersehbarkeit soll die Entwicklung und den Betrieb von KI-Plattformen im großen Maßstab erleichtern und zugleich neue Spielräume für beide Unternehmen schaffen, heißt es.
Microsoft bleibt zentraler Cloud-Partner
Aus der Mitteilung geht zudem hervor, dass Microsoft weiterhin der wichtigste Cloud-Partner von OpenAI bleibt und OpenAI-Produkte vorrangig über Azure bereitgestellt werden - sofern die entsprechenden Ressourcen verfügbar sind oder Microsoft dies vorsieht. Gleichzeitig erhält OpenAI die Möglichkeit, seine Produkte künftig nicht mehr auf einen Anbieter zu beschränken, sondern über sämtliche Cloud-Plattformen hinweg bereitzustellen.
Seit 2019 hat Microsoft rund 13 Milliarden US-Dollar in OpenAI investiert und dessen Aufstieg maßgeblich unterstützt, während zugleich auch Azure deutlich von der Partnerschaft profitierte, wie Reuters berichtet. Zwischen beiden Unternehmen kam es jedoch zunehmend zu Spannungen, da OpenAI mehr Freiheiten bei Cloud-Partnerschaften auch mit Microsofts Wettbewerbern anstrebte, heißt es weiter.
Lizenz- und Finanzrahmen
Microsoft behält laut Mitteilung eine nicht-exklusive Lizenz am geistigen Eigentum von OpenAI für Modelle und Produkte bis 2032. Gleichzeitig wird die bisherige Umsatzbeteiligung von Microsoft an OpenAI beendet. Umgekehrt laufen die Umsatzbeteiligungen von OpenAI an Microsoft bis 2030 weiter: Sie bleiben prozentual unverändert, sind jedoch insgesamt gedeckelt und unabhängig von der weiteren technologischen Entwicklung. Darüber hinaus bleibt Microsoft weiterhin als bedeutender Anteilseigner an OpenAIs Wachstum beteiligt, heißt es weiter.
Weiterentwicklung der Partnerschaft
Die Mitteilung von OpenAI macht zudem deutlich, dass die Zusammenarbeit auch nach den vorgenommenen Anpassungen weiterhin von einem hohen Anspruch geprägt ist: Im Zentrum stehen dabei unverändert gemeinsame Vorhaben wie der Ausbau von Rechenzentrumskapazitäten im Gigawatt-Bereich, die Entwicklung von Silizium der nächsten Generation sowie der gezielte Einsatz von KI zur Stärkung der Cybersicherheit. Insgesamt bleibt das übergeordnete Ziel bestehen, künstliche Intelligenz weltweit weiterzuentwickeln und möglichst breit zugänglich zu machen, so die Mitteilung weiter.
Kartellfragen im Blick
Die Beendigung der Exklusivvereinbarung könnte Microsoft helfen, laufende kartellrechtliche Ermittlungen in Großbritannien, den USA und der Europäischen Union zu entschärfen, berichtet Reuters. Im Fokus der Untersuchungen steht die Frage, ob die Zusammenarbeit mit OpenAI dem Unternehmen einen unzulässigen Wettbewerbsvorteil in Cloud- und Unternehmens-KI-Märkten verschaffe, heißt es weiter.
Öffnung für neue Partner
OpenAI treibt bereits neue Kooperationen voran: Die eigenen Modelle sollen bald direkt über Amazon Web Services verfügbar sein, berichtet Reuters unter Berufung auf einen LinkedIn-Post von Amazon-CEO Andy Jassy. Wie OpenAI bereits am 3. November 2025 mitgeteilt hatte, haben Amazon Web Services (AWS) und OpenAI eine mehrjährige strategische Partnerschaft geschlossen. Künftig wird OpenAI demnach seine zentralen KI-Workloads auf der AWS-Infrastruktur betreiben und skalieren. Die auf sieben Jahre angelegte Vereinbarung mit einem Volumen von 38 Milliarden US-Dollar sichert OpenAI Zugang zu umfangreichen Rechenkapazitäten. Die vollständige Bereitstellung ist bis Ende 2026 vorgesehen, mit der Option auf einen weiteren Ausbau ab 2027, heißt es vom Unternehmen.
Weitere Vereinbarungen hat OpenAI unter anderem mit Oracle und Google im Bereich Cloud und Infrastruktur, mit NVIDIA im Chip-Bereich sowie mit dem Apple-Zulieferer Luxshare in der Fertigung geschlossen, während das Unternehmen zugleich seine Expansion in den Markt für Verbraucherendgeräte vorantreibt, so Reuters.
Svenja Polonyi, Redaktion finanzen.net
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