Hoffnung auf Kriegsende: Ölaktien wie Shell, Exxon & Co. geraten unter die Räder - jetzt umschichten?

Die mögliche Annäherung zwischen den USA und dem Iran hat Ölpreise und Energiewerte unter Druck gesetzt. Anleger setzen bei einer Entspannung auf zusätzliche Ölmengen auf dem Weltmarkt.
Werte in diesem Artikel
• Bericht über mögliches US-Iran-Abkommen belastet Ölmarkt
• BP, Shell, Exxon & Chevron deutlich im Minus
• Hoffnung auf Entspannung in der Straße von Hormus drückt Risikoprämie
Die Aussicht auf eine diplomatische Sensation hat am Mittwoch die globalen Energiemärkte in Aufruhr versetzt und eine massive Verkaufswelle bei Öl- und Gaswerten ausgelöst. Auch der Ölpreis sackte zweistellig ab, Brent kostete zeitweise noch 101,51 US-Dollar je Barrel, für WTI wurde ein Preis von 95,02 US-Dollar aufgerufen.
Hintergrund der plötzlichen Neubewertung ist ein Bericht des Portals Axios, wonach die USA und der Iran kurz vor der Unterzeichnung einer wegweisenden Absichtserklärung stehen, die den aktuellen Kriegszustand in der Region beenden könnte. Ein 14 Punkte umfassendes Memorandum of Understanding, das maßgeblich von den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner ausgehandelt wurde, sieht ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen sowie eine 30-tägige Verhandlungsphase für ein umfassendes Atomabkommen vor. Da die Vereinbarung auch die schrittweise Aufhebung der Blockaden in der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus beinhaltet, schwindet die geopolitische Risikoprämie, die den Ölpreis über Monate gestützt hatte, in rasantem Tempo.
Kurssturz bei den europäischen Energieriesen
An den europäischen Handelsplätzen reagierten die Anleger prompt und schickten die Branchengrößen auf Talfahrt. Besonders hart traf es die britischen Schwergewichte in London, wo die Aktie von BP um deutliche 4,07 Prozent auf 5,49 GBP einknickte. Auch der Branchenprimus Shell konnte sich dem Abwärtssog nicht entziehen und verlor 3,25 Prozent an Wert, womit das Papier bei 32,05 GBP notierte. In Paris gerieten die Anteilscheine von TotalEnergies massiv unter Druck und verzeichneten ein Minus von 3,35 Prozent bei einem Kurs von 76,64 Euro. Da die geplante Einigung auch ein Moratorium für die iranische Urananreicherung im Tausch gegen die Freigabe von eingefrorenen Milliardenbeträgen vorsieht, preisen Marktteilnehmer nun eine Rückkehr iranischer Ölmengen auf den Weltmarkt ein, was die Margenerwartungen der großen Konzerne unmittelbar belastet.
Auch US-Ölwerte massiv unter Verkaufsdruck
Die Schockwellen der drohenden Deeskalation erreichten auch die Wall Street und sorgen dort für zweistellige Milliardenverluste an Marktkapitalisierung. Die Exxon-Aktie gab an der NYSE 4,00 Prozent auf 148,69 US-Dollar nach, während der Konkurrent Chevron einen Abschlag von 3,88 Prozent auf 185,16 US-Dollar hinnehmen musste. Besonders drastisch zeigten sich die Verluste bei Occidental Petroleum, wo die Notierungen um 7,12 Prozent auf 55,12 US-Dollar einbrachen.
Investoren im Ölsektor müssen sich nun auf eine volatile Phase einstellen. Die kommenden 48 Stunden, in denen eine offizielle Antwort aus Teheran erwartet wird, dürften darüber entscheiden, ob die geopolitische Sonderkonjunktur für Ölaktien endgültig Geschichte ist.
Das müssen Anleger wissen
Für Anleger erfordert das aktuelle Szenario ein hohes Maß an Agilität, um zwischen kurzfristiger Volatilität und langfristigen Trends zu differenzieren. Wer von einer nachhaltigen Entspannung im Nahen Osten überzeugt ist, könnte die Kursrücksetzer bei energieintensiven Titeln aus dem Industrie- oder Transportsektor als Einstiegschance nutzen, da sinkende Rohölpreise dort direkt die Margen entlasten. Im Gegensatz dazu sollten Investoren im Ölsektor prüfen, ob sie Klumpenrisiken reduzieren, da die Sondergewinne aus geopolitischen Spannungen wegzubrechen drohen. Experten empfehlen hier defensivere Strategien wie das Schreiben von Covered Calls, um in einer möglichen Seitwärtsphase Zusatzerträge zu generieren, oder den Fokus auf Konzerne mit besonders niedrigen Förderkosten zu legen, die auch bei einem niedrigeren Ölpreisniveau profitabel bleiben. Gleichzeitig bietet die Umschichtung von Energie- in Technologiewerte, die strukturelle Wachstumsthemen besetzen, eine Möglichkeit, das Portfolio breiter aufzustellen und von der aktuellen "Risk-On"-Stimmung an den Weltmärkten zu profitieren.
Claudia Stephan, Svenja Polonyi, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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