16.12.2009 15:40

E*Trade verkauft Deutschland-Geschäft

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Der amerikanische Online-Wertpapierhändler E*Trade zieht sich vom deutschen Markt zurück. Die biw Bank wird das Geschäft übernehmen. Für die Kunden soll alles beim Alten bleiben.
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von Peer Leugermann, €uro am Sonntag

Über den Kaufpreis für den besonders von Heavy-Tradern genutzten Anbieter wurde Stillschweigen vereinbart. „Für die Kunden ändert sich gar nichts“, erklärte biw-Vorstand Thomas Schmidt. „Die Transaktion haben wir für E*Trade von vornherein abgewickelt und werden dies auch weiterhin tun. Die Kundebetreuung übernimmt unser langjähriger Partner flatex.“ Der Onlinebroker ist ebenfalls Kunde der Bank und gründet für den Kundenservice die Tochtergesellschaft ViTrade, unter dessen Namen das Geschäft von E*Trade dann ab 2010 weiterlaufen werde. Geschäftsführer wird der ehemalige E*TRADE-Deutschland-Chef Matthias Hach.

Der Onlinebroker nutzte von Anfang an die Banklizenz der biw Bank, um hierzulande als Wertpapierhändler auftreten zu können. Auch der Anbieter flatex nutzt die biw Bank als aufsichtsrechtliche Plattform, um Privatanlegern den Aktiehandel zu Festpreis-Gebühren zu ermöglichen. „Die biw ist die Plattform dieser Anbieter, die damit, ohne selbst Bank zu sein, Finanzdienstleitungen anbieten können“, erläutert Schmidt das Geschäftsmodell des Geldhauses. Den gleichen Service nutzen auch die Bank M, die vor allem Aktienkurse und Liquidität für Nebenwerte bereitstellt, sowie Silvia Quandt Research, deren Geschäft hauptsächlich Börsengänge sind.

Den Bedarf an diesen so genannten White-Label-Dienstleistungen sieht die biw Bank dabei in Zukunft noch steigen. Denn der Wettbewerb unter den Onlinebrokern würde durch Festpreisanbieter wie flatex immer härter. Zum anderen gerate die Zinsmarge der Konkurrenten aktuell unter Druck. Denn zum Geschäftsmodell jeden Brokers gehöre es, die Barmittel die im Kundendepot liegen, zu einem gewissen Anteil in verzinste Anlageklassen zu investieren. Da die Zinsen aktuell aber nur knapp über Null liegen schätzt die biw, dass es besonders kleinen Anbietern immer schwerer fallen dürfte, Gewinn zu machen.

Exakt in solchen Fällen sieht sich die biw Bank als Lösung. Denn die Bank bietet die komplette Abwicklung der Transaktionen, den benötigen rechtlichen Bankenstatus und den Zugang zu allen wichtigen Börsen und außerbörslichen Handelsplattformen. Eigenen Angaben zu folge liegen die Kosten für das Ausführen einer Oder so mindestens um drei Viertel niedriger als etwa bei Anbietern wie der DAB Bank oder comdirect.

Zudem würden etliche weitere Kosten für die Kunden geringer. So seien mit der Einführung der Abgeltungsteuer IT-Investitionen in Hˆhe von mindestens zwei Millionen Euro bei den Banken nötig gewesen. biw-Kunden hätten dafür lediglich 100.000 Euro gezahlt, da die Kosten mit den anderen Kunden geteilt würden. Laut Vorstand Schmidt sind aktuell auch zwei ausländische Finanzanbieter daran interessiert, über die biw Bank den Markteintritt in Deutschland zu wagen.

Lesen Sie auf Seite zwei: Warum Anbieter, die den biw-Service nutzen, eigentlich nur Vermarktungsplattformen sind und welche Ziele das Bankhaus 2010 verfolgt

Für die Dienstleitungen, die von biw bereitsgestellt werden, zahlen die Kunden eine Gebühr. Da die angeschlossenen Finanzdienstleister aber nicht sämtliche rechtlichen Vorraussetzungen erfüllen, um ihr Geschäft in Deutschland zu betreiben, haben alle Kunden, egal ob flatex, E*Trade oder Bank M, ein direktes Konto und damit einen eigenen Vetrag mit der biw Bank. Diese Konstruktion führt im Endeffekt dazu, das die biw den bei ihr angeschlossenen Firmen ihren eigenen Gewinn auszahlt. Denn die durch die Transaktionen der jeweiligen Kunden anfallen Gebühren rechnet die Bank dirket über das Kundenkonto ab. Die Broker und Finanzhäuser, die den biw-Dienst nutzen, sind damit zumindest für Bank selbst reine Vermartungsplattformen, die für neue Kunden sorgen.
Aber die biw ist für die bisherigen Kunden auch so etwas wie ein zentralisiertes Backoffice, das alle Anfallenden orgnisatorischen Bank-Prozesse kostengünstig abwickelt. Denn die angeschlossenen Firmen kommen fast alle aus dem Umfeld der Angermayer, Brumm & Lange Unternehmensgruppe (ABL). Diese ist über ihren Finanzvertrieb Aragon einer der Bankeigentümer.

Doch obwohl das Geldhaus damit quasi die ABL-Hausbank ist wird der Großteil des Geschäfts mit den Onlinebrokern gemacht.
Hier würden rund 85 Prozent der Erträge erzielt. Insgesamt kommt die biw so auf knapp 100.000 Kunden, die aktuell rund 4 Millionen Orders pro Jahr abschließen. Zum Vergleich: Brachenführer comdirect wickelt mit gut 1,2 Millionen Kunden etwa acht Millionen Aktienan- und verkäufe ab. Das Konzept, reinen Abwicklungsservice zu bieten, scheint aufzugehen: Seit der Gründung Ende 2005 konnten pro Quartal durchschnittlich 25 Prozent neue Kunden gewonnen werden. Mittlerweile komme die Bank so auf eine Bilanz von etwa 350 Millionen Euro. Die Bestände in den Wertpapierdepots summieren sich sogar auf 1,8 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalquote soll damit auch 2009 in einem „vernünftigen zweistelligen Bereich liegen“, so Schmidt. Im Vorjahr lag die Eigenkapitalquote über 25 Prozent. Zu den Gewinnen selbst macht die Bank keine Angaben.
Für das kommende Jahr hat sich die Bank indes vorgenommen, einen Kundenzuwachs von mindestens 30 Prozent erzielen. Zudem wolle man mittels E*Trade zur Nummer Eins in der Zielgruppe der Heavy-Trader werden.

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