Optimierung

Vodafone-Aktie fester: Telekommunikationskonzern möchte Fußballfans bei WM frühzeitig jubeln lassen

19.05.26 15:07 Uhr

Nie wieder Nachbarschafts-Spoiler? Vodafone kämpft gegen TV-Verzögerung - Aktie legt zu | finanzen.net

Knapp einen Monat vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft verbessert der Fernsehanbieter Vodafone seine Technik, um Verzögerungen bei Live-Übertragungen zu reduzieren.

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Eine entsprechende Optimierung gab das Unternehmen am Rande der Breitband-Messe Anga Com in Köln bekannt.

Wenn ein Fußballspiel über Satelliten-TV übertragen wird, kommen die Bilder mit einem Vorsprung vor anderen Übertragungstechnologien auf dem Fernseher an. Dadurch jubelt der Satelliten-TV-Nutzer in der Nachbarwohnung in der Regel früher als der Nutzer von Fernsehkabel-TV, also der von Vodafone Group genutzten Technologie. Künftig sollen aber die Live-Bilder von Vodafone rund zwei Sekunden früher im Wohnzimmer ankommen als vor der Umstellung und dürften dann in etwa gleich schnell sein wie Satelliten-TV.

Ganz neu ist das nicht: Vodafone hatte diese Optimierung schon 2024 bei der damaligen Fußball-Europameisterschaft praktiziert, danach aber wieder deaktiviert. Eine dauerhafte Implementierung sei bislang als technisch zu aufwendig befunden worden, sagt ein Firmensprecher. Der Zusatznutzen wäre nur bei sportlichen Großereignissen gegeben. Es geht ohnehin nur um die Sender ARD und ZDF.

Bei der Handball-WM und den Olympischen Spielen im ersten Jahresquartal nutzte Vodafone die verbesserte Technik nicht. Fußball erreiche mit Abstand die größte Reichweite und spreche deutlich mehr Menschen an als andere Sportarten, so der Vodafone-Sprecher. Der Mehrwert der aufwendigen Optimierung sei daher nur bei Fußball-Übertragungen wirklich relevant. Vodafone prüfe aber, ob man die Technik zukünftig fest implementiere.

Woran die Verzögerungen liegen

Fernsehen kann man über Satelliten, Antennen, Fernsehkabel oder das Internet empfangen. Die Fernsehbilder werden auf ihrem Weg von der Entstehung bis ins Wohnzimmer aufwendig verarbeitet, was je nach Technologie und je nach Endgerät - also Internet-Browser, App oder Receiver - unterschiedlich lang dauert. Die Rohdaten aus dem Stadion sind viel zu groß, als dass sie direkt verschickt werden könnten. Nun verzichtet Vodafone eigenen Angaben zufolge auf bestimmte Aufbereitungsschritte und gewinnt dadurch etwas an Tempo bei der Übertragung.

Zeitversetzten Jubel und zeitversetzte Frust-Bekundungen über vergebene Chancen dürfte es aber auch in dieser Fußball-WM geben in Deutschlands Straßen. Denn wer Fußball über das Internet schaut - über "IP-TV", der ist ohnehin benachteiligt und wird auch bei der diesjährigen Fußball-WM etwas später sehen, ob der Ball im Tor landet oder nicht. Die Verzögerung kann eine Sekundenzahl im zweistelligen Bereich betragen. Der Betroffene kann nur darauf hoffen, dass seine Nachbarn nicht allzu laut jubeln oder stöhnen und dadurch den Ausgang einer Torchance frühzeitig preisgeben.

Wie Wettbewerberin Telekom mitmischt

Die Konkurrentin Deutsche Telekom überträgt ebenfalls Fernsehen, dies über das Internet - also über Telefonleitungen (DSL/VDSL) oder Glasfaser (Fiber to the Home/FTTH). "Die Übertragung von TV-Signalen über Internet hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt", sagt ein Telekom-Sprecher. Bei Live-Übertragungen sei das Thema Latenz - also die Reaktionsgeschwindigkeit innerhalb eines Netzwerkes - aber durchaus relevant, sagt er und deutet damit an, dass es technische Grenzen gibt. "Wir arbeiten stets daran und sind zuversichtlich, dass sich diese Aktivitäten positiv auf die Latenz auswirken."

Im Fernsehgeschäft ist die Deutsche Telekom seit einigen Jahren etwas im Aufwind, während Vodafone etwa vier Millionen TV-Kunden verloren hat. Das liegt an einer 2024 greifenden Gesetzesreform, die einen strukturellen Vorteil Vodafones am Markt kippte und sich positiv auf die Rolle der Konkurrenten auswirkte, die zuvor jahrzehntelang einen schweren Stand hatten.

Telekom-Konkurrenten fordern rasches Ende von DSL-Internet

Um den Glasfaser-Ausbau zu beschleunigen, fordert Vodafone-Deutschlandchef Marcel de Groot eine möglichst baldige Abschaltung von DSL, also von Internet über Telefonleitungen. "Lasst uns 2028 damit beginnen", sagte der Manager bei der Breitband-Messe Anga Com in Köln. Dann könnte man 2035 damit fertig sein und dann eine bislang unverbindliche Vorgabe der EU-Kommission erfüllt haben.

Die Verbraucher sollten auf schnelles Internet umsteigen, so de Groot. Damit meinte er nicht nur Glasfaser-Internet, sondern auch Fernsehkabel-Internet - bei dieser Technologie hat Vodafone eine starke Position, sie ist schneller als DSL, aber nicht so stabil wie Glasfaser (FTTH, Fiber to the Home).

Zügiger Ausbau, aber nur langsam wachsendes Interesse

Deutschlands Internetbranche investiert Milliarden in den Glasfaser-Ausbau, doch viele Verbraucher sind zurückhaltend - die Glasfaser liegt vor der Tür, sie unterschreiben aber keinen Vertrag. Laut einer Marktstudie des Branchenverbandes VATM wird es am Jahresende in Deutschland 21,8 Millionen aktivierte DSL-Anschlüsse geben, also Anschlüsse über dünne Telefonleitungen. Dem stehen der Studie zufolge 7,8 Millionen aktive Glasfaser-Anschlüsse und 8,5 Millionen Fernsehkabel-Anschlüsse gegenüber.

Die DSL-Technologie bietet nur eine relativ geringe Bandbreite, im Digitalzeitalter mit seinem rasant wachsenden Datenbedarf gilt sie als Auslaufmodell. Doch vielen Haushalten reicht die alte Technologie - sie bleiben beim Alten, anstatt bei der neuen und besseren Technologie zuzugreifen.

Diese Zurückhaltung führt dazu, dass sich Investitionen in Glasfaser bislang nicht lohnen. "Das Thema Glasfaserausbau ist in Deutschland für Finanzierende fast schon toxisch geworden", sagte der Chef der Deutschen Glasfaser, Andreas Pfisterer. Die Firma hat ihre Ausbauziele abgesenkt.

Der Chef des kommunalen Kölner Internet-Unternehmens Netcologne, Timo von Lepel, forderte ebenfalls staatlichen Druck, damit die Telekom ihre DSL-Anschlüsse schrittweise abschaltet. "Wir sollten so früh wie möglich das Startsignal für die Kuper-Glas-Migration geben, das schafft Investitionswillen."

Reaktion der Telekom

Die Telekom ist als DSL-Platzhirsch in der Zwickmühle: Einerseits investiert sie selbst Milliarden in den Glasfaser-Ausbau und ist wenig erfreut über die Zurückhaltung vieler Verbraucher. Andererseits möchte sie ihre langjährigen DSL-Kunden auch nicht verschrecken, indem sie die DSL-Leitung abstellt und zur Nutzung von Glasfaser zwingt - gut möglich, dass der langjährige Kunde dann beleidigt reagiert und zur Konkurrenz wechselt.

"Eine Abschaltung des Kupfernetzes dürfe erst erfolgen, wenn flächendeckend gleichwertige Glasfaseranschlüsse verfügbar sind", sagte eine Telekom-Sprecherin. "Andernfalls drohen Versorgungslücken und ein Ausbau, der sich nur auf wirtschaftlich attraktive Regionen konzentriert." Die Jahreszahl 2028 wirke "völlig aus der Luft gegriffen". "Ein erzwungener Anbieterwechsel durch eine Abschaltung wäre ein erheblicher Eingriff in die Wahlfreiheit der Verbraucher, den wir klar ablehnen."

Es sei zudem "irritierend", dass Vodafone seine kupferbasierten Fernsehkabel-Netze aus der Debatte heraushalten will. "Gerade dort, wo Kabelnetze vorhanden sind, ist die Nachfrage nach Glasfaser besonders gering." Mit aggressiver Preispolitik und überzogenen "Gigabit"-Versprechen werde der Wechsel auf echte Glasfaser unattraktiv gemacht, so die Telekom.

Digitalminister äußert sich moderat

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) trat bei der Anga Com ebenfalls auf. Er merkte an, dass alle Marktteilnehmer ihrer Verantwortung gerecht werden müssten. "Dazu gehört auch eine angemessene und marktgerechte Bepreisung der verschiedenen Produkte, damit der Markt an Dynamik gewinnt und sich nachhaltig entwickeln kann." Ein Datum, um den Abschaltprozess einzuleiten, nannte er nicht. "Das geht nicht mit der Brechstange." Es müsse gute Alternativen geben, bevor man diesen Schritt gehe, so Wildberger.

Die Vodafone-Aktie gewinnt an der Börse in London zeitweise 1,07 Prozent auf 113 Pence.

DÜSSELDORF (dpa-AFX)

Bildquellen: Tupungato / Shutterstock.com, ChameleonsEye / Shutterstock.com

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