Ist die Kursrally der Infineon-Aktie jetzt vorbei? - und warum steigt Intel?

Die Infineon-Aktie legt am Mittwoch den Rückwärtsgang ein und beendet damit vorerst eine außergewöhnlich starke Aufwärtsbewegung.
Werte in diesem Artikel
• Nach der Rally der Infineon-Aktie folgt eine Verschnaufpause
• Auf Wochen- und Monatssicht starke Kurszuwächse
• Analysten von Jefferies und Deutsche Bank haben Kursziele angehoben
Die Infineon-Aktie gab im Mittwochshandel zeitweise deutlich nach, zum XETRA-Handelsschluss arbeitete sie sich aber auf das Niveau des Vortages heran und ging unverändert bei 88 Euro in den Feierabend. Damit zollt sie ihrer jüngsten Rally Tribut, schließlich konnte das Papier auf Wochensicht deutlich um 13 Prozent zulegen.
Auch davor hatte sich die Aktie des Halbleiterkonzern gut entwickelt. So kletterte sie auf Monatssicht um rund 50 Prozent und in den letzten zwölf Monaten sogar um beachtliche 150 Prozent.
Vor diesem Hintergrund wirkt der aktuelle Rücksetzer zunächst wie eine Gegenbewegung nach einer außergewöhnlich starken Rally.
Analysten werden noch optimistischer für Infineon
Unterstützung erhielt die Aktie zuletzt von mehreren positiven Analystenstimmen. So hat das Analysehaus Jefferies das Kursziel für Infineon erst vor zwei Tagen von 75 auf 96 Euro angehoben und die Einstufung "Buy" bestätigt. Als Begründung verwies Analyst Janardan Menon laut Jefferies auf die Entwicklung im Geschäft mit KI-bezogenen Power-Management-Lösungen. Demnach profitiere das Unternehmen von steigender Nachfrage, höheren Kapazitäten und verbesserten Preisen in den Geschäftsjahren 2026/2027. Zudem sehe Jefferies eine stärkere Erholung in den Bereichen Automobil und Industrie.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Einschätzung des Analysten, wonach seine Ergebnisschätzungen für die Geschäftsjahre 2026/2027 und 2027/2028 rund elf Prozent über dem Marktkonsens liegen.
Deutsche Bank hebt Kursziel deutlich an
Auch die Deutsche Bank zeigte sich vor einer Woche optimistisch. Das Institut erhöhte sein Kursziel für die Infineon-Aktie von 70 auf 90 Euro und bestätigte ebenfalls die Kaufempfehlung "Buy". Nach Angaben der Deutschen Bank vermittelte das Management auf der Investorenveranstaltung "dbAccess European Champions Conference" positive Signale für die weitere Geschäftsentwicklung.
Laut Analyst Johannes Schaller spiegelt das neue Kursziel insbesondere das starke Engagement im Bereich Künstliche Intelligenz, das Potenzial für steigende Margen sowie weitere Marktanteilsgewinne im Automobilgeschäft und anderen Produktbereichen wider.
Infineon-Aktienkurs nähert sich Analystenzielen
Nach dem kräftigen Kursanstieg der letzten Zeit hat sich die Ausgangslage allerdings verändert. Mit dem derzeitigen Kursniveau liegt die Aktie inzwischen nur noch knapp unter dem jüngsten Kursziel der Deutschen Bank von 90 Euro. Zum von Jefferies genannten Ziel von 96 Euro besteht dagegen weiterhin etwas Spielraum.
Der aktuelle Rücksetzer erfolgt damit nach einer Phase, in der die Aktie innerhalb kurzer Zeit erhebliche Kursgewinne verbuchen konnte.
Halbleiterbranche profitiert von KI-Fantasie
Die starke Entwicklung der Infineon-Aktie vollzieht sich vor dem Hintergrund eines insgesamt freundlichen Marktumfelds für Halbleiterwerte. So kletterte die Intel-Aktie im NASDAQ-Handel letztlich um 4,41 Prozent auf 112,69 Dollar.
Sie erholte sich damit kräftig, nachdem CEO Lip-Bu Tan auf der Computex 2026 in Taipeh eine vielversprechende Keynote gehalten hat. Darin skizzierte er die Roadmap des Unternehmens für KI-Chips und Infrastrukturen der nächsten Generation. Auf der Veranstaltung wurde auch der neue Intel-Prozessor "Xeon 6 Plus" offiziell vorgestellt. Dieser wird auf dem fortschrittlichen 18A-Prozessknoten des Unternehmens gefertigt und verfügt über bis zu 288 E-Kerne. Der Chip zielt auf rechenintensive Inferenz- und "Agentic AI"-Workloads in Rechenzentren ab - ein Marktsegment, von dem Intel erwartet, dass es einen neuen Wachstumszyklus bei der CPU-Nachfrage auslösen wird.
Die heutige Kurserholung spiegelt auch eine technische Gegenbewegung zum Vortag wider. Dort war die Intel-Aktie (INTC) stark eingebrochen, nachdem NVIDIA auf derselben Computex-Messe seine konkurrierende "Vera CPU" und den "RTX Spark"-Laptop-Chip vorgestellt hatte, was Intel unter Druck gesetzt hatte.
Was das für Anleger bedeutet
Der heutige Kursverlust ändert zunächst nichts daran, dass die Infineon-Aktie auf Wochen-, Monats- und Jahressicht eine außergewöhnlich starke Entwicklung hinter sich hat. Gleichzeitig zeigt die jüngste Kursbewegung, dass nach einer Rally auch Gewinnmitnahmen einsetzen können.
Für Anleger rücken nun vor allem die weitere operative Entwicklung sowie die Faktoren in den Fokus, auf die die Analysten verweisen: das Geschäft rund um Künstliche Intelligenz, die Nachfrage nach Power-Management-Lösungen sowie die Entwicklung der Automobil- und Industriesparte. Zudem dürfte entscheidend sein, ob Infineon die hohen Erwartungen, die inzwischen in der Aktie eingepreist sind, in den kommenden Quartalen erfüllen kann.
Thomas Zoller, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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