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24.05.2022 20:30

OTS: Börsen-Zeitung / Kein Spaziergang, Kommentar zur Lufthansa von Heidi Rohde

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Kein Spaziergang, Kommentar zur Lufthansa von Heidi Rohde

Frankfurt (ots) - Nach Jahren auf der Lauer nähert sich die Lufthansa dem

Einstieg bei der Alitalia-Nachfolgerin ITA. Finanzieller Beistand kommt von der

Großreederei MSC, die durch den Boom in der Containerschifffahrt während der

Pandemie sicher hinreichend tiefe Taschen hat, um den Partnern ein

wettbewerbsfähiges Angebot zu ermöglichen. Indes entscheidet in Rom die Höhe der

Offerte für die restrukturierte und komplett entschuldete Airline sicher nicht

allein über den Zuschlag an einen Bieter. Auch das strategische Konzept dürfte

eine zentrale Rolle spielen, zumal der italienische Staat, der eine Minderheit

behalten will, erneut erhebliche Mittel für Investitionen in Aussicht gestellt

hat.

Lufthansa, die dem Vernehmen nach 20 Prozent an ITA will, während MSC 60 Prozent

anpeilt, beansprucht in jedem Fall die unternehmerische Führung und hat die

Eckpfeiler ihres strategischen Konzepts bereits öffentlich gemacht. Es geht

nicht nur um die Entwicklung der ITA-Langstrecke durch deren Einbindung in das

Geflecht der Netz-Carrier des Aviation-Konzerns, sondern auch um den Anteil am

touristischen Verkehr Italiens sowie die Entwicklung des Frachtgeschäfts. Vor

allem bei den Inlandsverbindungen sowie auf der touristischen Mittelstrecke

tritt ITA gegen den starken Marktführer Ryanair an. Hier werden schlanke

Strukturen und Kostendisziplin entscheidend sein. Darüber muss ein belastbarer

Konsens bestehen, sonst kann die Rechnung der Lufthansa nicht aufgehen.

Welche konkreten strategischen Pläne das konkurrierende Konsortium um Air

France-KLM hat, ist weniger bekannt, jedoch haben die Franzosen bereits

klargemacht, dass sie es auch ernst meinen. Zwar wurde die Lufthansa wiederholt

als bevorzugter Partner bezeichnet, aber eine allzu große unternehmerische

Konsequenz stößt in Italien nicht immer auf Gegenliebe. In jedem Fall dürfte Rom

auch das Angebot von Air France-KLM in Betracht ziehen, zumal wenn es finanziell

nicht hinter dem von Lufthansa und MSC zurückbleibt. Diskussionsbedarf könnte

überdies entstehen, weil alle Bieter bedenken müssen, dass der eher kurzzeitige

Zugang zum Datenraum eine gründliche Prüfung der Bücher erschwert hat.

Die ITA-Vorgängerin Alitalia hat sich stets als Fass ohne Boden entpuppt, auch

für kapitalkräftige Käufer wie einst Etihad. Ein Verkauf von ITA selbst ist

wiederholt gescheitert, weil die Bedingungen am Ende für die interessierten

Erwerber doch nicht annehmbar waren. Ein Spaziergang wird die Übernahme für

Lufthansa auch diesmal nicht.

Pressekontakt:

Börsen-Zeitung

Redaktion

Telefon: 069--2732-0

www.boersen-zeitung.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/30377/5231133

OTS: Börsen-Zeitung

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