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14.02.2020 09:02

OTS: Deutsche Umwelthilfe e.V. / KfW-Förderung muss reformiert werden: Für ...

KfW-Förderung muss reformiert werden: Für sozialgerechten Klimaschutz

im Gebäudesektor

Berlin (ots) - Staatliche Förderung unterläuft Klimaziele im Gebäudebereich -

Fördervolumen muss drastisch aufgestockt werden, Bürokratieaufwand muss sinken -

KfW-Bank muss Klimaschutz und sozialgerechtes Bauen und Wohnen stärker

zusammendenken - "Graue Energie" muss Berücksichtigung bei der Förderung finden

Die öffentliche Förderung von energetischer Sanierung durch KfW-Programme ist zu

kompliziert und unterfinanziert. Die fehlende Flexibilität der Programme

verhindert ambitionierten Klimaschutz am Gebäude und lässt soziale Aspekte

unberücksichtigt. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert deshalb eine

grundsätzliche Reform und Anhebung der öffentlichen Förderung im Gebäudesektor.

Aktuell wird der Gebäudebereich mit rund 3 Milliarden Euro Jährlich gefördert.

Für einen klimaneutralen Gebäudebestand 2050 sind hingegen bis zu 25 Milliarden

Euro notwendig.

Dazu erklärt Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH:

"Die Bundesregierung vernachlässigt den Gebäudesektor sträflich. Er ist in der

Klimadebatte bestenfalls eine Randnotiz - trotz des unglaublichen Potentials für

weniger CO2. Die jetzt im Klimaschutzgesetz verankerte Förderstrategie liegt

bereits seit 2017 in der Schublade und hätte längst auf den Weg gebracht werden

müssen. Stattdessen wurde die Umsetzung wesentlicher Teile der Förderstrategie

ins Wahljahr 2021 verschoben. Dadurch bleibt die Antragstellung für Fördergelder

weiterhin extrem aufwändig und behindert energetische Sanierungen und

klimafreundliches Bauen. Leider hat es die Bundesregierung zudem nicht

geschafft, im Gebäudeenergiegesetz die notwendigen Standards für den Neubau und

Bestand vorzuschreiben. Ziel bei Vollsanierungen muss der

KfW-Effizienzhausstandard 55 sein, im Neubau noch effizienter mit mindestens

KfW-Effizienzhausstandard 40. Umso wichtiger ist es jetzt, klimafreundliches

Bauen und Sanieren über die öffentliche Förderung attraktiv zu gestalten. Sonst

werden heute Gebäude auf einen Standard errichtet oder saniert, der nicht

klimazielkompatibel ist."

Bereits im April 2018 hatten sich die Förderbedingungen der Kreditanstalt für

Wiederaufbau (KfW) wesentlich verschlechtert. Der Wegfall kostenloser

Sondertilgungsrechte und kürzere Zinsbindungszeiten führten unter anderem zu

einem Rückgang der Förderanträge im Neubau von 79.989 auf 65.352 Wohneinheiten

im Jahr 2019. Trotz der zum 24. Januar 2020 erhöhten Tilgungs- und

Investitionszuschüssen sowie Kreditbeträgen ist keine Kehrtwende in Sicht.

Die Förderprogramme für Klimaschutz und sozialen Wohnungsbau lassen sich

außerdem viel zu selten kombinieren. Dazu Bernhard Bihler, Bauherr vom Bodensee:

"Aktuell müssen sich Bau- und Sanierungswillige oft zwischen verschiedenen

Fördertöpfen entscheiden. Ich möchte sozialgerecht und energieeffizient bauen,

doch die aktuelle Förderpraxis legt mir hier Steine in den Weg. Damit die

Energieeffizienz der Gebäude nicht auf der Strecke bleibt und Klimaschutz und

Soziales Hand in Hand gehen kann, müssen die Förderprogramme einfacher und

flexibler werden. Außerdem müssen Immobilieneigentümer grundsätzlich immer die

Wahl zwischen Darlehen, Zuschüssen oder steuerlicher Abschreibung haben. Aktuell

muss ich als Bauwilliger für eine Zuschussförderung einen Kredit aufzunehmen,

obwohl der vielleicht gar nicht benötigt wird. Das macht die Förderung für mich

unattraktiv."

Private Bauwillige und gewerbliche Vermieter schöpfen aufgrund des hohen

bürokratischen Aufwands und unflexibler Kreditbedingungen die ohnehin zu

niedrigen Fördermittel nicht vollständig aus. Die DUH fordert deshalb einen

einzigen Antrag für alle Programme und Begleitmaßnahmen sowie Wahlfreiheit für

Antragsteller zwischen Kredit- und Zuschussförderung.

Zudem ist es zwingend notwendig, dass die KfW-Förderung in ihrer Bewertung nicht

nur die Nutzungsphase eines Gebäudes, sondern den gesamten Lebenszyklus in den

Blick nimmt. Mit steigender Energieeffizienz nimmt die Bedeutung der Energie für

Herstellung, Errichtung und Entsorgung ("Graue Energie") von Gebäuden und der

verwendeten Bauprodukte zu. Diese verursacht etwa 8 Prozent der

Treibhausgasemissionen in Deutschland. Um eine erweiterte Betrachtung der

Umweltwirkungen von Bauwerken zu etablieren, sollte die "Graue Energie" von

Bauprodukten in der KfW-Förderung, z.B. in Form eines Tilgungszuschusses,

berücksichtig werden.

Link:

- 10-Punkte-Sofortprogramm für sozialverträgliche Gestaltung der

energetischen Sanierung und mehr Klimaschutz in Gebäuden:

http://l.duh.de/p200123

- Mehr zur "Grauen Energie": http://l.duh.de/1c0vj

- Ein ausführliches Interview mit Bernhard Bihler zur

KfW-Förderung: http://ots.de/0UsxYb

Pressekontakt:

Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin DUH

030 2400867-74, 0170 7686923, metz@duh.de

Bernhard Bihler, Bauherr

07732 939 1111, bb@riz.de

DUH-Pressestelle:

Ann-Kathrin Marggraf, Marlen Bachmann, Thomas Grafe

030 2400867-20, presse@duh.de

www.duh.de, www.twitter.com/umwelthilfe, www.facebook.com/umwelthilfe,

www.instagram.com/umwelthilfe

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/22521/4520116

OTS: Deutsche Umwelthilfe e.V.

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