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16.01.2020 12:40
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OTS: MC.B Verlag GmbH / Krankenkassen: Wenn die Reserven schmelzen wie der ...

Krankenkassen: Wenn die Reserven schmelzen wie der Schnee in der

Sonne...

Berlin (ots) - Den meisten bundesdeutschen gesetzlichen Krankenkassen brechen

seit Jahren die Anfang des letzten Jahrzehntes angesammelten Vermögen und

Rücklagen weg. Neben superreichen Kassen, die oft genug im Osten der

Bundesrepublik angesiedelt sind (z.B. die AOK Sachsen-Anhalt), existieren

bereits Körperschaften, die in 2020 der finanziellen Hilfe ihrer Kassenart

bedürfen könnten. Angesichts der aufgelaufenen Defizite sind im

Fünf-Jahres-Vergleich viele Bilanzen tiefrot gefärbt. Die Gefahr höher

steigender Zusatzbeiträge für die Kassenmitglieder rückt daher immer näher. Das

ergaben die Recherchen des führenden Berliner gesundheitspolitischen

Hintergrunddienstes "dfg - Dienst für Gesellschaftspolitik". Der "dfg" wertet

seit Jahren zusammen mit dem führenden gesundheitsökonomischen

Forschungsinstitut, der WIG2 GmbH in Leipzig, die veröffentlichten Bilanzen der

gesetzlichen Krankenkassen aus.

Am 30. November 2019 existierten in Deutschland noch 109 Krankenkassen. Diese

mußten zu diesem Stichtag ihre Bilanzen für 2018 im Bundesanzeiger

veröffentlichen. Einige Ergebnisse sind erschreckend. So wiesen bei den

Beständen der "Gesamtvermögen" z.B. im direkten Vergleich 2017 zu 2018 allein 33

Körperschaften ein negatives Ergebnis aus. Ein Abbau der "Rücklagen" fand im

gleichen Zeitraum bei 15 Kassen statt. Noch tiefroter sehen sogar die

Fünf-Jahres-Vergleiche aus. Von Ende 2014 bis Ende 2018 schmolz bei 49

Körperschaften das Gesamtvermögen, also fast bei jeder zweiten. Und 23 bauten

innerhalb von fünf Jahren ihre aufgebauten Rücklagen ab. Die Mär von den immer

reicheren Krankenkassen trifft also nicht auf alle zu. Da die Große Koalition

seit Jahren den Kassen immer mehr neue Leistungen in Milliarden-EUR-Höhe

aufbürdet, dürften sich die Konten vieler Kassen immer schneller leeren.

Deutschlands reichste Kasse war zum Stichtag 31. Dezember 2018 wieder einmal die

AOK Sachsen-Anhalt. Mit einem pro-Kopf-Gesamtvermögen von 1.200,86 EUR je

Versicherten schoß sie den Vogel ab. Mehr als das Dreizehnfache der "ärmsten"

Kasse, die aus Hessen stammt. Wer den Magdeburgern diese Lizenz zum Gelddrucken

verabreichte, das dürfte wohl nie herauskommen. Eine der kleinsten

Betriebskrankenkassen (BKKen), die BKK Groz-Beckert, in den letzten Jahren stets

Spitzenreiter des Rankings, folgt der Ortskrankenkasse mit 1.199,72 EUR dicht

auf dem Fuße. Auf Platz 3 erscheint erneut die BKK Euregio. Vorgerobbt haben

sich weitere BKKen. Und unter den 25 vermögendsten Körperschaften finden sich

vier weitere AOKen aus Dresden, Hannover, Bremen und dem hessischen Bad Homburg,

die Bochumer Knappschaft (KBS) und mit der Bremer handelskrankenkasse (hkk) nur

eine Ersatzkasse. Eine Innungskrankenkasse (IKK) sucht man auf den vorderen

Plätzen vergeblich.

Unter den 15 ärmsten Kassen finden sich nur mittelgroße BKKen, mit der BIG

direkt gesund eine IKK, dafür aber mit der DAK Gesundheit, der BARMER und der

KKH gleich drei Ersatzkassen. Ein jüngst im Ersatzkassenverband vdek

geschlossener Vertrag über freiwillige Finanzhilfen gem. § 265 b SGB V dürfte

also so seine Berechtigung haben. Schlußlicht ist in diesem Jahr die Melsunger

BKK Wirtschaft & Finanzen mit einem pro-Kopf-Vermögen von mageren 90,66 EUR je

Versicherten.

Neben den Vermögen der Krankenkassen sorgen die gesetzlich vorgeschriebenen

Rücklagen häufig für politischen Zündstoff. Mit mindestens einem Viertel einer

Monatsausgabe soll eine Krankenkasse ausreichend vor finanziell kritischen

Ereignissen abgesichert sein. Andererseits sind die Rücklagen nach oben

gedeckelt. Sie darf nach dem GKV-VEG nur noch eine volle Monatsausgabe betragen,

2018 war es noch das 1,5fache einer Monatsausgabe. Die "reichen" Kassen horten -

sehr zum Unwillen von CDU-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (39) - ein

Mehrfaches. Wie schon beim Gesamtvermögen führt die AOK Sachsen-Anhalt auch

dieses Ranking mit 344,40 EUR je Versicherten an. Neben der AOK PLUS mit 295,53

EUR konnte auch eine weitere AOK-Schwester ihre Rücklagen stark erhöhen: Von

136,65 EUR im Jahr 2017 auf 276,34 EUR je Versicherten 2018 erreichte die AOK

Bremen/ Bremerhaven eine stolze Verdopplung ihrer Rücklagen. In der Liste der 30

Kassen mit den höchsten Rücklagen finden sich neben einigen

Betriebskrankenkassen auch die Knappschaft (KBS) mit leicht zurückgegangenen

239,90 EUR sowie die Handelskrankenkasse (hkk) mit leicht gestiegenen 207,99 EUR

pro Versicherten. Mit 38,30 EUR bildete 2018 die BKK Herkules das untere Ende

des Rankings ab. Die großen Ersatzkassen BARMER und DAK-Gesundheit konnten indes

ihre Rücklagen - wie schon im Jahresvergleich zuvor - weiter stabilisieren.

Anmerkungen und Hinweise:

Dieser Teil II des dfg-GKV-Bilanz-Rankings kann von interessierten Redaktionen

und Journalisten gerne bei der dfg-Redaktion angefordert werden. Es wurde von

der dfg-Redaktion in Zusammenarbeit mit der WIG2GmbH, einem der führenden

gesundheitsökonomischen Forschungsinstitute, erstellt.

Der gesundheitspolitische Hintergrunddienst "dfg - Dienst für

Gesellschaftspolitik" erscheint seit 1962 wöchentlich und wird von der Berliner

MC.B Verlag GmbH herausgegeben (www.mcb-verlag.de). Er ist bekannt geworden

durch seine investigativen Hintergrundberichte und seit 2004 für seine

dfg-Rankings der Mitglieder und Versicherten aller deutschen Krankenkassen (GKV)

und privaten Krankenversicherungsunternehmen (PKV). Die GKV-Rankings erscheinen

vierteljährlich, das PKV-Ranking jährlich. Das erste dfg-GKV-Bilanz-Ranking

erschien 2014.

Kontakte für weitere Informationen:

Chefredakteur Wolfgang G. Lange

Redaktion "dfg - Dienst für Gesellschaftspolitik"

Hannoversche Str. 22

10115 Berlin

Tel: 030 - 275 965 91 oder 0172 - 25 00 324

Martin Blaschka

Institutskommunikation

WIG2 GmbH

Markt 8

04109 Leipzig

Tel. 0341 - 392 940 16

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/50357/4493858

OTS: MC.B Verlag GmbH

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