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09.04.2018 13:40
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Deutsche Bank: Neuer Chef, alte Probleme

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Neues Spitzenpersonal, markige Worte des künftigen starken Manns und viel Kritik am Krisenmanagement von Aufsichtsratschef Paul Achleitner: Auch nach der überraschenden Ablösung von John Cryan auf dem Chefsessel der Deutschen Bank durch Christian Sewing kommt das größte heimische Geldhaus nicht zur Ruhe.
Denn der als Befreiungsschlag gedachte Vorstandsumbau löst den seit Jahren tobenden Streit um die richtige Strategie nicht. Auf der Hauptversammlung am 24. Mai in Frankfurt erwartet Achleitner deshalb nach drei Jahren mit Verlusten in Folge - wieder einmal - ein Scherbengericht der Aktionäre.

Verbale Breitseiten kassierte der Oberkontrolleur schon am Montag unter anderem vom mächtigen Aktionärsberater Hermes, auf den zahlreiche große Pensionskassen und andere institutionelle Investoren hören. Dessen Chef Hans-Christoph Hirt nahm sich Achleitner, der seit 2012 an der Spitze des Aufsichtsrats steht, zur Brust. Er sei den Anteilseignern viele Anworten schuldig: "Die Ernennung von Christian Sewing ist der dritte Chefwechsel während seiner sechsjährigen Amtszeit. Warum musste jetzt ein neuer Chef ernannt werden? Was bedeutet der Chefwechsel für die Strategie der Bank, und insbesondere die Investmentbank, und ihre Umsetzung?"

Achleitner hatte am späten Sonntagabend in einer kurzfristig einberufenen Krisensitzung des Aufsichtsrats den seit Mitte 2015 als Vorstandschef amtierenden Briten John Cryan durch Sewing, einen der beiden bisherigen Stellvertreter, ersetzt. In der vierstündigen Telefonschalte soll es, so berichten Teilnehmer, zu heftigen Unmutsäußerungen gekommen sein. Vor allem, dass Achleitner wichtige Anteilseigner erst kurz vor dem Treffen über seinen Plan informiert habe, den 47-jährigen Sewing an die Spitze der Bank zu hieven, sei einigen aufgestoßen.

"JÄGERMENTALITÄT"

Der neue starke Mann - seit Jahrzehnten bei der Bank und im Risikomanagement, der internen Revision und zuletzt als Leiter des Privatkundengeschäfts aktiv - machte am Tag nach seiner Berufung klare Ansagen: In einem Brief an die knapp 100.000 Beschäftigten der Bank forderte er eine neue "Jägermentalität", um der Konkurrenz Kunden abzunehmen und verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Zudem werde er "harte Entscheidungen treffen und umsetzen".

Sewing steht unter enormem Erwartungsdruck - nicht nur von Aktionären und Mitarbeitern, sondern auch von Seiten der Politik und der Regulatoren. So erklärte etwa der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Carsten Schneider: "Christian Sewing ist in der Bank verwurzelt und kennt ihre Stärken und Schwächen. Er hat eine enorme Aufgabe vor sich, die für den Standort Deutschland und unsere exportorientierte Industrie von großer Bedeutung ist." Sewing selbst betonte in seinem Mitarbeiterbrief: "Wir wissen, dass wir uns hinsichtlich der Ertrags-, Kosten- und Kapitalstruktur weiter verändern müssen." Kernfrage ist, wie stark das Kapitalmarktgeschäft - einst Ertragsperle der Bank - künftig noch sein wird. Das Institut hat bereits damit begonnen, diese Aktivitäten im Handel mit Aktien, Anleihen, Devisen und Rohstoffen auf den Prüfstand zu stellen - vor allem in den USA.

Sewings wichtigster Mann auf diesem Weg ist der Südafrikaner Garth Ritchie, der im Zuge des Vorstandsumbaus einer seiner beiden neuen Stellverteter ist und zugleich die Investmentbank künftig alleine leitet. Ritchie ist seit Jahrzehnten bei der Bank und hat als einer der wenigen Händler die Finanzkrise ohne Blessuren überstanden. Der 49-Jährige hatte bislang gemeinsam mit Marcus Schenck das Investmentbanking geleitet, Schenck will die Bank zur Hauptversammlung im Mai verlassen.

"NICHT VERHANDELBAR"

In einem Brief an die Mitarbeiter, der Reuters vorliegt, äußerte sich Ritchie optimistisch zum Geschäft: "Wir sind gut ins Jahr 2018 gestartet, der Trend ist in vielen Geschäftsfeldern positiv. Hierauf können und müssen wir im zweiten Quartal aufbauen." Zuletzt hatte Finanzchef James von Moltke eher vorsichtige Töne angeschlagen. Die Bank veröffentlicht ihre Bilanz des ersten Quartals am 26. April.

Sewing machte klar, dass die gesamte Bank, aber vor allem die Investmentbanker, den Gürtel künftig enger schnallen müssen. Das Führungsteam werde nicht mehr akzeptieren, dass Ziele auf der Kosten- und Ertragsseite verfehlt würden. So sei es "nicht verhandelbar", dass die bereinigten Kosten in diesem Jahr 23 Milliarden Euro nicht übersteigen dürfen. "Rückschläge wie im vierten Quartal 2017 dürfen sich unter keinen Umständen wiederholen." Die Messlatte müsse in allen Geschäftsbereichen höher gelegt werden. "Unser Start in das Jahr war solide, aber 'solide' darf nicht unser Anspruch sein."

An der Börse kamen Sewings Worte gut an: Die Deutsche-Bank-Aktie legte in der Spitze um mehr als vier Prozent zu und war größter DAX-Gewinner. Analysten äußerten sich dennoch skeptisch: Alleine ein Wechsel an der Spitze der Bank könne die Probleme des Instituts nicht lösen. Zwar spreche die Deutsche Bank von einer "neuen Ära", "doch was wirklich zählt, ist, dass die Bank seit mehreren Jahren keine klar definierte Strategie hat und ebenso wenig die Unterstützung aller Parteien für die Richtung, in die das Institut geht", schrieben etwa die Branchenexperten der US-Investmentbank JPMorgan.

Frankfurt (Reuters)

Bildquellen: M DOGAN / Shutterstock.com, Martynova Anna / Shutterstock.com
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