Trotz Nahost-Konflikt: Analysten bleiben optimistisch für DAX, S&P 500 und Co.

Trotz Waffenruhe hat der Iran-Konflikt die Aktienmärkte erschüttert. Warum die DZ Bank trotzdem optimistisch auf den weiteren Jahresverlauf blickt.
• Waffenruhe sorgt für Entspannung - Unsicherheit bleibt jedoch bestehen
• DZ Bank erwartet zunächst Seitwärtsphase, später deutliche Erholung
• UBS bestätigt Potenzial, warnt aber vor Inflations- und Zinsrisiken
Waffenruhe bringt Erleichterung - doch Risiken bleiben präsent
Die vereinbarte Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran sorgt an den Finanzmärkten zunächst für Erleichterung. Anleger hoffen auf eine nachhaltige Entspannung im Nahen Osten, die insbesondere die Energiepreise stabilisieren könnte. Die Feuerpause gilt jedoch zunächst nur für zwei Wochen und ist von politischen Bedingungen abhängig, etwa der Öffnung der Straße von Hormus.
Gleichzeitig bleibt die Lage fragil. Iran droht bereits mit einem möglichen Ausstieg aus der Vereinbarung, während militärische Spannungen in der Region weiterhin bestehen. Für die Märkte bedeutet das: Die kurzfristige Entspannung ist real, strukturelle Unsicherheiten bleiben jedoch bestehen und könnten jederzeit wieder für Volatilität sorgen.
DZ Bank: Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte
Aus einer Prognose der DZ Bank geht hervor, dass der Iran-Konflikt die Aktienmärkte zuletzt vor allem über steigende Energiepreise und gedämpfte Konjunkturerwartungen belastet hat. Besonders der DAX reagierte empfindlich, da viele seiner Unternehmen stark von energieintensiven Industrien und Exporten abhängen. Der S&P 500 zeigte sich hingegen robuster, was auf die Rolle der USA als Netto-Energieexporteur zurückgeführt wird.
Die Analysten gehen kurzfristig von einer volatilen Seitwärtsbewegung aus. Bis zur Jahresmitte könnten sich die großen Indizes laut DZ Bank auf niedrigerem Niveau stabilisieren. Aktuell notiert der DAX bei rund 23.807 Punkten, der S&P 500 bei 6.825 Zählern und der EURO STOXX 50 bei etwa 5.896 Punkten. Damit liegen die Indizes aktuell höher, als die DZ Bank für diese Phase vermuten würde - allerdings ist dies insbesondere aufgrund der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten lediglich eine Bestandsaufnahme.
Für die zweite Jahreshälfte zeichnet die DZ Bank jedoch ein deutlich optimistischeres Bild. Eine politische Deeskalation könne die Grundlage für eine nachhaltige Erholung bilden. "Die Aktienmärkte dürften dann eine wirtschaftliche Belebung einpreisen", heißt es in der Analyse. Bis Jahresende sehen die Experten den DAX bei 25.000 Punkten, den S&P 500 bei 7.300 und den EURO STOXX 50 bei 6.000 Zählern.
UBS etwas vorsichtiger - aber ebenfalls mit Aufwärtspotenzial
Auch andere Analysehäuser bleiben grundsätzlich konstruktiv, wenngleich mit vorsichtigerem Ton. Laut Reuters hat UBS ihr Kursziel für den S&P 500 leicht gesenkt und verweist dabei auf anhaltend hohe Ölpreise infolge des Nahost-Konflikts. Diese könnten das Wirtschaftswachstum belasten und den Inflationsdruck erhöhen.
In der Folge dürfte sich auch die Geldpolitik verzögern. UBS erwartet Zinssenkungen der US-Notenbank nun später als zuvor prognostiziert. Dennoch bleibt der grundsätzliche Ausblick positiv. "Trotz der Belastungen erwarten wir, dass Aktien von solidem Gewinnwachstum und der fortschreitenden Monetarisierung von KI profitieren", heißt es in der Einschätzung. Das neue Kursziel von 7.500 Punkten impliziert weiterhin ein deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Niveau.
Märkte zwischen Hoffnung und Unsicherheit
Insgesamt zeigt sich damit ein differenziertes Bild. Die Waffenruhe liefert kurzfristig Rückenwind und hat zur jüngsten Erholung an den Aktienmärkten beigetragen. Gleichzeitig machen sowohl die DZ Bank als auch UBS deutlich, dass geopolitische Risiken, Energiepreise und geldpolitische Unsicherheiten weiterhin eine zentrale Rolle spielen.
Für Anleger ergibt sich daraus ein Spannungsfeld: Während die Märkte bereits einen Teil der erwarteten Erholung vorweggenommen haben, sehen viele Analysten weiterhin Spielraum nach oben. Entscheidend dürfte nun sein, ob die politische Entspannung im Nahen Osten Bestand hat und sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechend stabilisieren.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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