Microsoft sichert sich Rechenpower: Aktie steigt trotz kritischer Töne von OpenAI

Microsoft baut seine KI-Infrastruktur aggressiv aus und übernimmt ein zentrales OpenAI-Projekt. Gleichzeitig deuten interne Aussagen auf wachsende Spannungen zwischen den Partnern hin.
Werte in diesem Artikel
• Microsoft übernimmt Stargate-Rechenzentrumskapazitäten in Norwegen von OpenAI
• OpenAI kritisiert Einschränkungen durch Microsoft-Partnerschaft
• Aktie setzt Aufwärtstrend fort, Analysten bleiben optimistisch
Microsoft baut KI-Infrastruktur massiv aus
Microsoft treibt den Ausbau seiner KI-Infrastruktur weiter voran und sichert sich zusätzliche Kapazitäten in Europa. Wie Bloomberg berichtet, hat der Konzern Rechenzentrumskapazitäten in Narvik in Norwegen übernommen, die ursprünglich für OpenAI vorgesehen waren. Das Projekt war Teil von OpenAIs ambitionierter "Stargate"-Initiative.
Konkret wird Microsoft rund 30.000 zusätzliche KI-Chips vom Typ Vera Rubin von NVIDIA über den Anbieter Nscale nutzen. Die Vereinbarung baut auf eine bereits bestehende Investitionszusage von 6,2 Milliarden US-Dollar für den Standort auf. Hintergrund ist der enorme Bedarf an Rechenleistung im Zuge des KI-Booms, bei dem Microsoft zuletzt zunehmend unter Kapazitätsengpässen litt.
OpenAI hatte ursprünglich selbst Interesse an den Kapazitäten, konnte jedoch keine Einigung erzielen. Stattdessen greift das Unternehmen nun indirekt über Microsofts Azure-Cloud auf Rechenleistung in Norwegen zu.
Strategiewechsel bei OpenAI sichtbar
Die Entwicklung passt zu einer vorsichtigeren Infrastrukturstrategie von OpenAI. Laut Bloomberg pausierte das Unternehmen zuletzt ein ähnliches Stargate-Projekt in Großbritannien und konkretisierte seine Investitionspläne mit rund 600 Milliarden US-Dollar bis 2030 deutlich nach unten im Vergleich zu früheren Ankündigungen.
Gleichzeitig zeigt sich, dass OpenAI verstärkt auf Partnerschaften setzt, anstatt eigene Kapazitäten aggressiv auszubauen. Neben Microsoft arbeitet das Unternehmen inzwischen auch mit weiteren Cloud-Anbietern zusammen.
Interne Kritik an Microsoft-Partnerschaft
Für zusätzliche Brisanz sorgte zuletzt eine interne Mitteilung von OpenAI. Wie CNBC berichtet, erklärte die neue Umsatzchefin Denise Dresser, dass die Partnerschaft mit Microsoft zwar "zentral für den bisherigen Erfolg" gewesen sei, gleichzeitig aber die Fähigkeit eingeschränkt habe, Unternehmenskunden flexibel zu erreichen.
Viele Firmen würden bevorzugt über Plattformen wie Amazons Bedrock auf KI-Modelle zugreifen. Durch die enge Bindung an Microsoft sei OpenAI hier weniger flexibel gewesen. Entsprechend gewinnt die jüngst ausgebaute Kooperation mit Amazon strategisch an Bedeutung.
Die Aussagen verdeutlichen, dass sich die Beziehung zwischen den beiden Partnern verändert. Microsoft investierte zwar mehr als 13 Milliarden US-Dollar in OpenAI und bleibt ein zentraler Infrastrukturpartner, gleichzeitig treten beide Unternehmen zunehmend auch als Wettbewerber auf.
Aktie zeigt Stärke
An der Börse reagierten Anleger jedenfalls positiv auf die Expansionsstrategie von Microsoft. Die Microsoft-Aktie legte zuletzt 4,61 Prozent auf 411,22 US-Dollar zu, nachdem sie bereits am Vortag um mehr als 2 Prozent gestiegen war. Damit setzt das Papier seinen jüngsten Aufwärtstrend auch am dritten Handelstag in Folge fort.
Seit Jahresbeginn steht allerdings weiterhin ein Minus von rund 16 Prozent zu Buche, was die hohe Volatilität im Technologiesektor unterstreicht. Analysten bleiben dennoch klar optimistisch: Laut TipRanks empfehlen 35 von 38 Analysten die Aktie zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 573,41 US-Dollar. Daraus ergibt sich ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von rund 46 Prozent.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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