finanzen.net
10.11.2019 19:54
Bewerten
(0)

ROUNDUP 2: Durchbruch bei Grundrente - Bis zu 1,5 Millionen profitieren

(neu: mehr Details und Hintergrund)

BERLIN (dpa-AFX) - Einigung nach monatelangem Koalitionsstreit: Hunderttausende Bezieher kleiner Renten sollen ab 2021 eine Grundrente bekommen. Zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Menschen sollen den Rentenaufschlag erhalten, wie die SPD-Interimschefin Malu Dreyer am Sonntag nach einer Sitzung des Koalitionsausschusses in Berlin sagte. Zudem sollen Investitionen in Digitalisierung und Klimaschutz stärker gefördert werden. Darauf einigten sich die Spitzen der Koalition am Sonntag nach mehr als sechsstündigen Verhandlungen im Kanzleramt.

Vorangegangen war ein monatelanger Streit um die Grundrente. Im Koalitionsvertrag war festgehalten, dass die Menschen ab 35 Beitragsjahren mit dem Zuschlag nach einer Bedürftigkeitsprüfung zehn Prozent über der Grundsicherung liegen sollten. Hiervon weicht der Kompromiss nun ab: Stattfinden soll eine umfassende Einkommensprüfung. Dabei soll ein Freibetrag gelten. Gezahlt werden soll die Grundrente bis zu einem Einkommen zuzüglich Rente und Kapitalerträgen von 1250 Euro bei Alleinstehenden und 1950 Euro bei Paaren. Die Einkommensprüfung soll "automatisiert und bürgerfreundlich" durch einen Datenaustausch zwischen Rentenversicherung und Finanzämtern erfolgen.

Den Zuschlag bekommt, wer 35 Jahre mit Beiträgen aus Arbeit, Pflege oder Erziehung aufweist, aber nur wenig verdient hat. Der SPD war wichtig, dass möglichst viele Menschen niedrige Bezüge mit der Grundrente aufbessern. Für die Union war zentral, dass sie nicht nach dem Gießkannenprinzip ausgeschüttet wird. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte ursprünglich ein Konzept vorgelegt, nach dem das Projekt bis zu 4,8 Milliarden Euro kosten und drei Millionen Menschen zugutekommen sollte. Nun sollen die Kosten laut CSU-Chef Markus Söder bei 1 bis 1,5 Milliarden Euro liegen. Finanziert werden soll dies ausschließlich aus Steuermitteln - etwa durch die geplante Finanztransaktionssteuer.

Mit der Grundrente werden die Entgeltpunkte aufgewertet. Über die Entgeltpunkte wird die Rente errechnet - ein Durchschnittsverdiener bekommt pro Jahr einen Punkt. Für jeden Punkt gibt es derzeit im Westen 33,05 Euro Rente und im Osten 31,89 Euro. Wenn die Entgeltpunkte im Schnitt der 35 Jahre nur zwischen 0,4 und 0,8 liegen, werden diese mit der Grundrente nun auf maximal 0,8 erhöht.

Zu dem Modell gehört auch, dass Rentner mit Grundsicherung ab 35 Beitragsjahren einen Freibetrag für die Rente von 100 Euro plus 30 Prozent der darüberliegenden Rentenansprüche bis zu einer bestimmten Grenze erhalten. Flankierend zur Grundrente will die Koalition zudem einen Freibetrag beim Wohngeld im Volumen von etwa 80 Millionen Euro einführen: Die Verbesserung in der Rente soll nicht durch eine Kürzung des Wohngeldes aufgefressen wird.

Das Paket umfasst zudem eine vorübergehende Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung: Er soll befristet bis Ende 2022 von 2,5 auf 2,4 Prozent sinken. Bereits beschlossen war aber, dass er danach wieder auf 2,6 Prozent steigt.

Vorgesehen sind auch Verbesserungen bei der betrieblichen Altersversorgung. Bei Geringverdienern mit einem Monatseinkommen bis 2200 Euro brutto soll der Förderbetrag von maximal 144 Euro auf 288 Euro verdoppelt werden. Betriebsrentner sollen zudem in Höhe von insgesamt 1,2 Milliarden Euro bei den Krankenkassenbeiträgen entlastet werden. Um die Attraktivität von Mitarbeiter-Kapitalbeteiligungen zur Vermögensbildung zu erhöhen, wollen Union und SPD auch den steuerfreien Höchstbetrag in diesem Bereich von 360 Euro auf 720 Euro anheben.

Zur Ankurbelung von Investitionen soll bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau einen Beteiligungsfonds für Zukunftstechnologien von bis zu 10 Milliarden Euro aufgelegt werden - insbesondere in den Bereichen Digitalisierung und Klimatechnologien.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach von einem wichtigen Beitrag im Kampf gegen Altersarmut. Man habe nach langen Verhandlungen einen dicken Knoten durchgeschlagen. "Es ist ein gutes, ein vertretbares Ergebnis", sagte sie. Söder mahnte: "Damit ist aus meiner Sicht auch die Halbzeitbilanz der GroKo abgerundet, und zwar perfekt abgerundet. Aus meiner Sicht gibt es jetzt auch keinen Grund mehr, über den Fortbestand zu diskutieren." Dreyer sprach von einem "sozialpolitischen Meilenstein". Die Lebensleistung der Menschen werde honoriert. Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Deutschland bekommt eine Grundrente, sozial und gerecht."

Die Opposition kritisierte die geplante Grundrente: Der FDP-Rentenexperte Johannes Vogel sagte, sie gehe "voll zu Lasten der Jüngeren". Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt verlangte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe Nachbesserungen. So sollte die Grundrente schon nach 30 Beitragsjahren gezahlt werden. Linksfraktionschef Dietmar Bartsch sagte den Zeitungen, viel weniger Menschen würden profitieren, als von Heil ursprünglich vorgesehen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Gewerkschaft Verdi und der Sozialverband VdK begrüßten die Einigung hingegen./bw/rm/bk/had/DP/jha

Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die richtige Strategie für die Börsenkrise

Stecken Sie nicht den Sand in den Kopf, sondern kaufen Sie die richtigen Aktien. Erfahren Sie im aktuellen Anlegermagazin mehr über attraktive Qualitätsaktien und zyklische Aktien
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX stabil -- QIAGEN erhält Interessenbekundungen -- Volkswagen bekräftigt Renditeziele 2020 und 2025 -- Grand City mit Ergebnisrückgang -- Nordex, BME, adidas im Fokus

Bayer meldet Studienerfolg mit Vericiguat. Air Arabia bestellt 120 Airbus-Flugzeuge fest. Größter Börsengang der Geschichte: Bei Aramco-IPO Billionen-Börsenwert angestrebt. Hillhouse Capital bietet offenbar für thyssenkrupp-Aufzugssparte. People's Bank of China senkt siebentägige Reverse-Repurchase-Rate.

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Hohe Ausgaben
Die beliebtesten Weihnachtsgeschenke 2019
Das Schwarzbuch 2019
Wo 2019 sinnlos Steuern verbrannt wurden
Die wertvollsten Marken der Welt 2019
Diese Unternehmen sind vorne mit dabei
Die beliebtesten Arbeitgeber in Deutschland
Hier arbeiten die Deutschen am liebsten
Die Performance der TecDAX-Werte im Oktober 2019.
Welche Aktie macht das Rennen?
mehr Top Rankings

Umfrage

Wo sehen Sie den Bitcoin-Kurs Ende 2019?

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Wirecard AG747206
AramcoARCO11
Daimler AG710000
Deutsche Bank AG514000
Ballard Power Inc.A0RENB
NEL ASAA0B733
Microsoft Corp.870747
EVOTEC SE566480
Apple Inc.865985
Amazon906866
TeslaA1CX3T
Allianz840400
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
BASFBASF11
Infineon AG623100