finanzen.net
13.06.2019 13:27
Bewerten
(0)

ROUNDUP 2: Massenhaftes Kükentöten ist nur noch übergangsweise zulässig

DRUCKEN

(neu: mehr Details und Hintergrund)

LEIPZIG (dpa-AFX) - Das millionenfache Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht ist nur noch für eine Übergangszeit zulässig. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Donnerstag entschieden (Az.: BVerwG 3 C 28.16 und 3 C 29.16). Mit seinem Urteil wertete das Gericht die Tierschutzbelange auf. Trotzdem darf das Töten vorerst weitergehen - bis den Brutbetrieben praxisreife Verfahren zur Geschlechtsbestimmung schon im Hühnerei zur Verfügung stehen. Die Geflügelbranche begrüßte das Urteil. Tierschützern geht es dagegen nicht weit genug.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) erklärte, Alternativen zu der jahrzehntelang hingenommenen Praxis des Kükentötens gebe es bereits. Sie drängte darauf, das Massentöten männlicher Küken "so schnell wie möglich" zu beenden. Ein Verfahren zur Geschlechtsbestimmung sei auf dem Weg zur Serienreife und werde Brütereien bald flächendeckend zur Verfügung stehen. "Verbände und Unternehmen nehme ich hier in die Pflicht", sagte sie. Sie habe die klare Erwartung, dass diese tätig werden. Zugleich hätten es aber auch die Verbraucher in der Hand, indem sie zu Eiern griffen, die ohne Kükentöten erzeugt wurden.

Aus Sicht der Bundesrichter reichen die von der Geflügelwirtschaft bislang angeführten wirtschaftlichen Gründe als Rechtfertigung für das Töten nicht mehr aus. Laut Tierschutzgesetz darf niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Wirtschaftliche Interessen und der Tierschutz - darum drehte sich der Streit. "Die Belange des Tierschutzes wiegen schwerer als das wirtschaftliche Interesse der Brutbetriebe", erklärte nun das Gericht. Dem Leben der männlichen Küken dürfe nicht von vornherein jeder Eigenwert abgesprochen werden.

Jedes Jahr werden in Deutschland laut Bundesagrarministerium rund 45 Millionen männliche Küken nach dem Schlüpfen getötet. Das Problem: Für die Produktion von Eiern werden Legehennen gezüchtet. Die Rassen sind drauf getrimmt, viele Eier in kurzer Zeit zu legen. Sie setzen kaum Fleisch an, so dass sie sich für die Mast nicht eignen. Männliche Tiere braucht man dagegen nicht. Weil man das Geschlecht mit den bisher gängigen Methoden erst nach dem Schlüpfen erkennen konnte, werden die männlichen Küken vergast.

Das damals rot-grün regierte Land Nordrhein-Westfalen hatte das Kükentöten 2013 per Erlass stoppen wollen. Zwei Brütereien aus NRW klagten dagegen. In den Vorinstanzen setzten sie sich jeweils durch. Auch das Leipziger Urteil wertete der Anwalt der Brütereien, Martin Beckmann, als Erfolg. Die Brutbetriebe hätten immer erklärt, dass sie das Töten beenden wollten - sobald ihnen Alternativverfahren zur Geschlechtsbestimmung zur Verfügung stünden. Die bisherige Praxis werde "mittel- bis langfristig" nicht so weitergehen.

Tierschützer sehen in dem Urteil ebenfalls positive Aspekte, bemängeln es aber zugleich als nicht weitgehend genug. "Die Entscheidung ist ambivalent zu sehen. Es ist damit zu rechnen, dass sie positive Implikationen für den Tierschutz haben wird", sagte Peta-Anwalt Christian Arleth. Er kritisierte jedoch, dass die Bundesrichter die Übergangszeit nicht näher bestimmt haben. "Das Gericht hat den Ball an die Politik zurückgespielt und verlässt sich darauf, dass endlich verbindliche Maßstäbe gesetzt werden."

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat die Forschung an alternativen Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei mit Millionenaufwand gefördert. Zwei Methoden - die endokrinologische und die spektroskopische - funktionieren, sind aber noch nicht im Serieneinsatz. Tierschützer machen sich zudem für das sogenannte Zweinutzungshuhn stark. Das sind Hühner, die sowohl für die Eierproduktion als auch für die Mast gehalten werden können./bz/DP/jha

Technische Marktanalyse

Wie geht's an der Börse weiter? Setzt sich der Zick-Zack-Kurs fort oder geht es demnächst kräftig nach unten? Am Montag ab 18 Uhr analysiert Achim Matzke die Situation bei Dax, Dow und Co. Jetzt kostenlos anmelden!
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die richtige Strategie für die Börsenkrise

Stecken Sie nicht den Sand in den Kopf, sondern kaufen Sie die richtigen Aktien. Erfahren Sie im aktuellen Anlegermagazin mehr über attraktive Qualitätsaktien und zyklische Aktien
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

Börsen in Fernost zurückhaltend -- Lufthansa mit Gewinnwarnung für 2019 -- Fusion von Sprint und T-Mobile dürfte wohl genehmigt werden -- BASF baut 2019 Stellen ab

BVB will offenbar Mats Hummels zurückholen. 420.000 VW-Kunden nehmen an Musterfeststellungsklage teil. Knorr-Bremse sucht neuen Chef extern. Boeing erhält Milliardenauftrag von US Air Force. Kurzfristiges Darlehen für TOM TAILOR. Bitcoin steigt wieder über 9.000 Dollar. Deutsche Bank plant angeblich milliardenschwere Bad Bank.

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Das hat sich geändert
Diese Aktien hat George Soros im Depot
Big-Mac-Index
In welchen Ländern kostet der Big Mac wie viel?
Das verdienen Aufsichtsratschefs in DAX-Konzernen
Deutlich unter Vorstandsgehältern
Die Länder mit den größten Goldreserven 2019
Wer lagert das meiste Gold?
Die zehn größten Kapitalvernichter
Hier wurde am meisten Anlegergeld verbrannt
mehr Top Rankings

Umfrage

Sind Sie an einem Investment in die Cannabis-Branche interessiert?

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG514000
Microsoft Corp.870747
Scout24 AGA12DM8
Wirecard AG747206
Daimler AG710000
Amazon906866
Apple Inc.865985
NEL ASAA0B733
TeslaA1CX3T
Beyond MeatA2N7XQ
Allianz840400
BASFBASF11
Infineon AG623100
BMW AG519000
E.ON SEENAG99