27.07.2018 12:38
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ROUNDUP 2: Öl-und Gasgeschäft hilft BASF - Anleger enttäuscht

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(Neu: Aussagen aus der Telefonkonferenz, Analystenstimme, Aktienkurs)

LUDWIGSHAFEN/MANNHEIM (dpa-AFX) - Gut laufende Geschäfte im Öl- und Gasbereich haben den Chemiekonzern BASF im zweiten Quartal vor einem schwächeren Ergebnis gerettet. Denn ohne die Tochter Wintershall wäre der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) rückläufig gewesen. Vor allem höhere Rohstoffkosten, die BASF nicht zeitnah an die Kunden weitergeben konnte, drückten auf die Ergebnisse der Chemiegeschäfte. Zudem gab es erneut Gegenwind von der Währungsseite, der starke Euro zehrte einen Teil der Zuwächse auf. Am Markt enttäuschten die Zahlen.

Die Aktie verbilligte sich im Mittagshandel um 2,49 Prozent auf 82,55 Euro. Insgesamt hat der Kurs der Aktie seit Jahresanfang trotz eines Jahreshochs Mitte Januar bei 97,67 Euro nur leicht zugelegt. Ein Händler monierte, dass fast alle Sparten in ihrer Geschäftsentwicklung hinter den Erwartungen am Markt zurückgeblieben seien.

Auch JPMorgan-Analyst Alberto Lopez Rueda sprach von "leicht unter den Erwartungen" liegenden Zahlen und verwies vor allem auf die Ergebnisseite. Die aktuellen Markterwartungen für 2018 setzten nun eine deutliche Beschleunigung des Gewinnwachstums im zweiten Halbjahr voraus. Dies dürfte in Zweifel gezogen werden, auch wenn der Gegenwind von der Währungsseite nachlassen sollte.

Der neue BASF-Chef Martin Brudermüller bestätigte zwar seine Ziele für das laufende Jahr, warnte aber: "Im Verlauf des ersten Halbjahres haben sich die weltwirtschaftlichen Risiken deutlich erhöht." Dabei verwies er auf geopolitische Entwicklungen und die Handelskonflikte zwischen den USA und China sowie den USA und Europa. BASF beobachte dies und mögliche Auswirkungen auf das eigene Geschäft sehr sorgfältig. 2018 soll der operative Gewinn um bis zu zehn Prozent über dem Vorjahreswert von 8,3 Milliarden Euro liegen.

In den Monaten April bis Juni erzielte der Dax-Konzern einen Umsatz von knapp 16,8 Milliarden Euro und damit drei Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie er am Freitag in Ludwigshafen mitteilte. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte um fünf Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zu. Nach Steuern und Anteilen Dritter verdiente BASF knapp 1,5 Milliarden Euro. Das war fast genauso viel wie im Vorjahreszeitraum.

Dem Konzern bereitet momentan vor allem das Öl- und Gasgeschäft wieder Freude, das BASF mit der früheren RWE-Sparte (RWE) Dea verschmelzen und später an die Börse bringen will. BASF und der Dea-Eigner LetterOne führen schon seit längerem Gespräche. Die kräftig gestiegenen Öl- und Gaspreise und höhere Verkaufsmengen sorgten dafür, dass sich das operative Quartalsergebnis bei der Kasseler Tochter Wintershall im Jahresvergleich mehr als verdoppelte.

Für das Gesamtjahr rechnet BASF nun im Schnitt mit einem höheren Ölpreis als zuvor. Die erneut verhängten US-Sanktionen gegen den Iran und die Kürzungen des Opec-Kartells hatten den Ölpreis im zweiten Quartal auf neue Höhen getrieben. Im Schnitt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 74 Dollar.

Der Sparte Functional Materials & Solutions machten hingegen gestiegene Rohstoffpreise und höhere Fixkosten wie etwa das Hochfahren von neuen Anlagen zu schaffen. Zu dem Geschäftsbereich gehören Katalysatoren, Bauchemikalien und Fahrzeuglacke. Für einen leichten Ergebnisrückgang sorgte die Abschaltung von Anlagen im Geschäft mit Basischemikalien. Im Agrochemiegeschäft verdiente BASF dank besserer Margen wieder etwas mehr.

Diesen Bereich wollen die Ludwigshafener durch einen Milliarden-Deal kräftig ausbauen. BASF wird von dem Rivalen Bayer bestimmte Pflanzenschutzmittel, verschiedene Saatgut-Arten und das Digital-Farming-Geschäft übernehmen. Bei Digital Farming geht es etwa um das computergesteuerte Ausbringen von Saatgut- und Pflanzenschutzmitteln. Bayer muss diese Geschäfte im Zuge der Mega-Übernahme von Monsanto abgeben. BASF will die Übernahme der Bayer-Geschäftsteile im August abschließen.

Unterdessen dauert der geplante Zukauf des weltweiten Nylon-Geschäfts der belgischen Solvay-Gruppe durch BASF an. "Solvay gestaltet sich etwas schwieriger", sagte Brudermüller. Die EU-Kommission hat Bedenken gegen die Übernahme und leitete eine vertiefte Prüfung ein. Insbesondere befürchtet sie höhere Preise in der Produktionskette für Alltagsgegenstände wie Kleidung, Sportschuhe oder Teppiche, aber auch für die Industrie. Brudermüller räumte ein, dass möglicherweise Verkäufe notwendig sein könnten.

Auch sonst ist bei BASF viel in Bewegung. So plant Brudermüller nach Pekings jüngsten Reformen eine Milliardeninvestition in China. Anders als früher dürfen ausländische Unternehmen Großprojekte nun auch in Eigenregie bauen und betreiben. Die Ludwigshafener schätzen die Investitionssumme bis zum Abschluss des neuen Verbundstandorts um das Jahr 2030 auf bis zu zehn Milliarden US-Dollar (rund 8,5 Mrd Euro). Es wäre die größte Investition in der Firmengeschichte./mne/tav/fba

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