22.09.2021 16:01

ROUNDUP/Flut-Prognose: Meteorologen für mehr Kooperation mit Hydrologen

Folgen
Werbung

HAMBURG (dpa-AFX) - Die Vorhersagen zu den Niederschlägen vor der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands waren nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sehr gut. Die Herausforderung habe darin bestanden vorherzusagen, wo die Wassermengen genau abfließen werden, sagte der Vorstand Klima und Umwelt beim Deutschen Wetterdienst, Tobias Fuchs, am Mittwoch auf dem Extremwetterkongress in Hamburg. Die Meteorologen müssten ihre Modelle mehr mit denen der Hydrologen verzahnen, forderte Fuchs. Mitte Juli hatte die Flutkatastrophe ganze Landstriche in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen verwüstet. Bislang wurden rund 190 Tote gezählt, mehrere Menschen gelten noch immer als vermisst.

Ähnliche Niederschlagsmengen könnten sich im Flachland ganz anders auswirken als im Bergland, erklärte der Meteorologe und Wettermoderator Sven Plöger. Ende Juni habe es sehr stark in der Uckermark (Brandenburg) geregnet. Die Schäden seien aber vergleichsweise gering gewesen, weil der "Düseneffekt" wie im Ahrtal gefehlt habe. In den Alpen könnten bei starken Niederschlägen Muren abgehen, im Hügelland steige die Fließgeschwindigkeit der Flüsse, im Flachland stehe das Wasser längere Zeit. Das Schadensbild sei jeweils unterschiedlich.

Anhand der langjährigen flächendeckenden Daten von 51 Wetterstationen könne der DWD keine klare Veränderung bei den Starkregenereignissen in Deutschland feststellen, sagte Fuchs. Die Anzahl von Tagen mit mehr als 20 Litern Niederschlag je Quadratmeter habe sich zwischen 1951 und 2020 nur unwesentlich verändert. Leichte Indizien für eine Zunahme lieferten jedoch die radarbasierten Auswertungen. Aus diesen lasse sich für einige Regionen ableiten, dass sich eine steigende Häufigkeit von Starkniederschlägen andeute. Seit 2001 gebe es ein flächendeckendes Wetterradarnetz. 20 Jahre seien aber zu kurz, um aus den Daten klimatologisch robuste Trends ableiten zu können.

Anfang August sei ein internationales Forscherteam unter Koordinierung des DWD zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die Wahrscheinlichkeit solcher Katastrophen durch den Klimawandel um den Faktor 1,2 bis 9 erhöht habe, sagte Fuchs. Die Intensität der Niederschläge sei in den untersuchten Regionen um 3 bis 19 Prozent gestiegen. Das Team hatte Frankreich, Westdeutschland, den östlichen Teil von Belgien, die Niederlande, Luxemburg und den Norden der Schweiz betrachtet. "Wir sehen also, der Klimawandel hatte seine Finger bei den Starkniederschlägen in diesem Jahr im Spiel", sagte der Meteorologe.

Einige Forscher hatten bereits darauf verwiesen, dass Wetterlagen aufgrund des Klimawandels länger in einer Region verharrten und so mehr Schäden anrichten könnten. "Das Problem ist gar nicht die Wetterlage an sich, sondern dass sie über lange Zeit bestehen bleibt", sagte Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung kürzlich.

Die Wissenschaft wisse schon seit 30 bis 40 Jahren über den Klimawandel Bescheid, erklärte Plöger. Trotzdem negiere ein Teil der Bevölkerung diese Entwicklung. Viele Menschen hätten zwar große Angst vor den Folgen des Klimawandels, wollten ihr Verhalten aber nicht ändern. Zweifel an der Klimaforschung würden daher gerne aufgegriffen werden. Plöger riet seinen Kollegen, positiver zu kommunizieren und weniger von einer drohenden Apokalypse zur reden.

Der Wunsch nach Normalität sei gerade nach der Corona-Pandemie sehr stark. Gleichzeitig entferne sich die Wirklichkeit beim Klima immer weiter von der Normalität. Die Politik müsse den Mut aufbringen, die Rahmenbedingungen für Veränderungen zu setzen, forderte Plöger und beklagte: "Wir haben einen Zustand auf der Welt, wo derjenige, der die Umwelt verschmutzt, reicher werden kann, als die Person, die sie sauber hält."

Der Klimaforscher und Präsident des Club of Rome Germany, Mojib Latif, erklärte: "Die Juli-Flut hat gezeigt: Der Klimawandel ist gefährlich." Die Menschen hätten das aber noch immer nicht verstanden. Latif verwies auch auf die Sommertemperaturen von bis zu 50 Grad in Nordamerika und auf die Waldbrände: "Das sind Auswirkungen des Klimawandels."

Die Gesellschaft könne sich zwar an den Wandel anpassen, aber die Anpassung habe auch eine Grenze. Wie bei der Corona-Pandemie gebe es beim Klimawandel ein exponentielles Wachstum. Der Gehalt an Wasserdampf in der Luft steige mit der Temperatur exponentiell. "Wir sind dabei, den klimatischen Wohlfühlbereich zu verlassen", warnte Latif. Eine um drei oder vier Grad wärmere Welt wäre lebensfeindlich.

Der Extremwetterkongress will die Öffentlichkeit über den Stand der Klimaforschung informieren und auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam machen. Er wird von dem Hamburger Meteorologen Frank Böttcher veranstaltet./bsp/DP/ngu

Nachrichten zu Allianz

  • Relevant
    1
  • Alle
    3
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Allianz

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
14.10.2021Allianz BuyJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
12.10.2021Allianz BuyUBS AG
01.10.2021Allianz BuyJefferies & Company Inc.
01.10.2021Allianz BuyJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
23.09.2021Allianz HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
14.10.2021Allianz BuyJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
12.10.2021Allianz BuyUBS AG
01.10.2021Allianz BuyJefferies & Company Inc.
01.10.2021Allianz BuyJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
06.09.2021Allianz OverweightJP Morgan Chase & Co.
23.09.2021Allianz HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
13.09.2021Allianz HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
10.09.2021Allianz Equal WeightBarclays Capital
10.08.2021Allianz HaltenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
06.08.2021Allianz Equal WeightBarclays Capital
06.08.2021Allianz UnderperformRBC Capital Markets
02.08.2021Allianz UnderperformRBC Capital Markets
21.04.2021Allianz UnderperformRBC Capital Markets
19.02.2021Allianz UnderperformRBC Capital Markets
27.01.2021Allianz UnderperformRBC Capital Markets

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Allianz nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen

Jetzt kostenlos anmelden!

Im Online-Seminar jetzt live gibt Markus Koch zusammen mit dem Aktienexperten Sebastian Hasenack von DJE Kapital einen Ausblick auf die kommenden Börsenwochen. Warum sich die Balken der Wall Street biegen und worauf Anleger jetzt achten sollten - diese und weitere spannende Fragen stehen heute Abend im Mittelpunkt.
Jetzt kostenlos anmelden!
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub
Werbung

Heute im Fokus

DAX letztlich wenig bewegt -- Bitcoin steigt erstmals über 66.000 US-Dollar -- Facebook vor Namensänderung? -- Sartorius steigert Erlöse -- Evergrande, ASML, Deutsche Börse, Sixt, Netflix im Fokus

Pinterest legt sich Videos im TikTok-Format zu. Bundesbank-Präsident Weidmann tritt zum Jahresende zurück. Erstflug von Boeing-Raumschiff Starliner verzögert sich weiter. United Airlines erholt sich langsam von Corona-Krise. Verizon erhöht Gewinnprognose für 2021. VINCI erhöht Umsatz und rechnet mit starken Ergebnisanstieg 2021.

Umfrage

Wo steht der DAX zum Jahresende?

finanzen.net zero
finanzen.net zero

Oskar

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln