ROUNDUP: Thyssenkrupp Steel will Kapazität kappen - Arbeitsplatzabbau

12.04.24 11:31 Uhr

Werte in diesem Artikel
Aktien

4,74 EUR -0,06 EUR -1,19%

DUISBURG (dpa-AFX) - Deutschlands größter Stahlhersteller thyssenkrupp Steel will seine Produktionskapazität in Duisburg deutlich verkleinern. Damit werde "auch ein noch nicht bezifferbarer Abbau von Arbeitsplätzen verbunden sein", teilte die Stahlsparte des Industriekonzerns am Donnerstagabend in Duisburg mit. Dieser werde auch nachgelagerte Weiterverarbeitungsstufen sowie die Verwaltungs- und Dienstleistungsbereiche betreffen.

Die im MDAX notierte Thyssenkrupp-Aktie gewann am Freitagvormittag zuletzt fast vier Prozent und kostete 5,092 Euro. Baader-Analyst Christian Obst nannte eine Senkung der Kapazität sinnvoll. Jedoch gebe es noch viele offene Fragen. So gebe es keine Informationen über den Zeitplan oder mit der Restrukturierung verbundene Kosten. Auch die Hauptfrage, ob das Stahlgeschäft Bestandteil von Thyssenkrupp bleibe oder nicht, stehe weiter im Raum.

In der Sparte arbeiten derzeit rund 27 000 Menschen, davon 13 000 in Duisburg. Bis Ende März 2026 gilt eine Beschäftigungsgarantie. "Es ist das erklärte Ziel, betriebsbedingte Kündigungen auch weiterhin zu vermeiden", teilte die Stahlsparte weiter mit.

"Die vorgesehenen Maßnahmen sind zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit zwingend notwendig, um die Stahlproduktion am Standort Duisburg in eine gesicherte Zukunft zu führen", erklärte das Unternehmen. Auch würden damit hochwertige Arbeitsplätze langfristig gesichert und die Grundversorgung mit Stahl für die industrielle Wertschöpfung in Deutschland widerstandsfähig aufgestellt. Mit dem Umbau will die Stahlsparte von Thyssenkrupp ihre Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität "signifikant" steigern.

Ziel sei es, Thyssenkrupp Steel unter anhaltend herausfordernden Marktbedingungen zukunftsfähig aufzustellen. Kern werde eine Reduzierung der installierten Produktionskapazitäten auf etwa 9 bis 9,5 Millionen Tonnen pro Jahr sein. Dies entspreche etwa dem Niveau der vergangenen drei Jahre. "Die heutige Produktionskapazität ist dagegen auf rund 11,5 Millionen Tonnen ausgelegt." In den 11,5 Millionen Tonnen sind auch die vom Duisburger Unternehmen HKM produzierten Stahlmengen enthalten, an dem Thyssenkrupp Steel zu 50 Prozent beteiligt ist.

Mit der geplanten Neuaufstellung reagiert das Unternehmen nach eigenen Angaben einerseits auf die anhaltend schwache Konjunktur, aber vor allem auf mittel- und langfristig strukturelle Veränderungen auf dem europäischen Stahlmarkt und in entscheidenden Kunden- und Zielmärkten. Dazu gehörten vor allem in Deutschland die hohen und durch klimapolitische Zielsetzungen weiter steigenden Energiekosten sowie ein ungebremst steigender Importdruck, überwiegend aus Asien.

Analyst Obst schrieb, dass das Stahlgeschäft in den vergangenen Jahren äußerst volatil gewesen sei. In den letzten zehn Jahren habe die Sparte ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern von im Schnitt mehr als 300 Millionen Euro geliefert. Jedoch reiche die Spanne von einem Verlust von 820 Millionen Euro zu Corona-Zeiten bis zu einem Gewinn von 1,2 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2021/22, als die Stahlpreise durch die Decke gegangen waren.

Thyssenkrupp will die Pläne der Neuaufstellung nun weiter konkretisieren. Anschließend will das Unternehmen sie mit der Mitbestimmung sowie den zuständigen Gremien des Stahlbereichs beraten.

Am Umbau der Produktion in Richtung klimaneutrale Stahlerzeugung hält Thyssenkrupp fest. "Der Bau der ersten Direktreduktionsanlage am Standort Duisburg wird weiter wie geplant umgesetzt, mit Unterstützung durch die dafür von Bund und Land freigegebenen Fördermittel." Auch die Zielsetzung, bis spätestens 2045 vollständig klimaneutral zu produzieren, bleibe uneingeschränkt bestehen.

Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) äußerte sich am Freitag kritisch zu den Plänen. "Die Ankündigung der unternehmerischen Entscheidung Thyssenkrupps, in Duisburg Überkapazitäten und damit wohl Arbeitsplätze abzubauen, ist eine enttäuschende Nachricht - für den Stahlstandort Deutschland und Nordrhein-Westfalen, in erster Linie aber für die vielen Beschäftigten", sagte Neubaur am Freitag in Düsseldorf.

Der Konzern stehe vor der großen Herausforderung, gemeinsam mit den Sozialpartnern für die Betroffenen faire und tragfähige Lösungen zu finden. Dies gelte umso mehr, da Thyssenkrupp in den vergangenen Jahren staatliche Unterstützung in Milliardenhöhe erhalten habe.

Global gebe es seit Jahren eine deutliche Überproduktion von Stahl, sagte Neubaur. Diese sei jetzt auch noch gepaart mit einem Nachfragerückgang aufgrund der weltweit eingetrübten Wirtschaftslage infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. "Um sich vor dem Hintergrund dieser schwierigen globalen Wettbewerbssituation zukunftsfähig aufzustellen, muss das Unternehmen die klimaneutrale Transformation seiner Produktionsprozesse jetzt weiter konsequent vorantreiben", forderte die Ministerin./tob/DP/he/nas/stw/stk

Ausgewählte Hebelprodukte auf thyssenkrupp

Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf thyssenkrupp

NameHebelKOEmittent
NameHebelKOEmittent
Werbung

Nachrichten zu thyssenkrupp AG

Analysen zu thyssenkrupp AG

DatumRatingAnalyst
17.05.2024thyssenkrupp HaltenDZ BANK
15.05.2024thyssenkrupp NeutralJP Morgan Chase & Co.
15.05.2024thyssenkrupp BuyBaader Bank
26.04.2024thyssenkrupp NeutralJP Morgan Chase & Co.
26.04.2024thyssenkrupp BuyBaader Bank
DatumRatingAnalyst
15.05.2024thyssenkrupp BuyBaader Bank
26.04.2024thyssenkrupp BuyBaader Bank
12.04.2024thyssenkrupp BuyBaader Bank
03.04.2024thyssenkrupp BuyBaader Bank
14.02.2024thyssenkrupp BuyBaader Bank
DatumRatingAnalyst
17.05.2024thyssenkrupp HaltenDZ BANK
15.05.2024thyssenkrupp NeutralJP Morgan Chase & Co.
26.04.2024thyssenkrupp NeutralJP Morgan Chase & Co.
23.04.2024thyssenkrupp HoldDeutsche Bank AG
16.04.2024thyssenkrupp NeutralJP Morgan Chase & Co.
DatumRatingAnalyst
19.04.2024thyssenkrupp UnderweightBarclays Capital
14.02.2024thyssenkrupp UnderweightBarclays Capital
12.01.2024thyssenkrupp UnderweightBarclays Capital
28.11.2023thyssenkrupp UnderweightBarclays Capital
22.11.2023thyssenkrupp UnderweightBarclays Capital

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für thyssenkrupp AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"