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20.03.2019 17:56
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Glyphosat-Streit: Jury entscheidet in US-Prozess gegen Bayer - Aktie über 10 Prozent im Minus

Rückschlag: Glyphosat-Streit: Jury entscheidet in US-Prozess gegen Bayer - Aktie über 10 Prozent im Minus | Nachricht | finanzen.net
Rückschlag
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Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer hat in den USA einen wichtigen Teilprozess um angebliche Krebsrisiken von Produkten der Tochter Monsanto verloren.
Schwerer Rückschlag für Monsanto: Der zum deutschen Bayer-Konzern gehörende US-Saatguthersteller hat einen wichtigen Teilprozess um angebliche Krebsrisiken seines Unkrautvernichters Roundup verloren. Die Jury des zuständigen Bundesbezirksgerichts in San Francisco befand am Dienstag (Ortszeit), dass das Produkt mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat ein wesentlicher Faktor für die Lymphdrüsenkrebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman gewesen ist. Die sechs Geschworenen trafen die Entscheidung einstimmig.

Damit geht der Prozess nun mit der selben Jury in eine zweite Phase, in der die Haftungsfragen geklärt werden sollen. Dabei geht es auch darum, ob Monsanto über Risiken hinwegtäuschte und wie hoch der mögliche Schadenersatz ausfallen könnte. Sollte Monsanto für haftbar befunden werden, könnte dies Bayer viel Geld kosten. Wäre die Jury zu dem Schluss gekommen, dass Roundup nicht für Hardemans Erkrankung mitverantwortlich ist, so hätte es keine zweite Prozessrunde gegeben, was für Monsanto ein Befreiuungsschlag gewesen wäre.

Bayer zeigte sich in einer Stellungnahme enttäuscht von der Entscheidung der Jury. Dennoch sei das Unternehmen weiterhin fest davon überzeugt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachen. Bayer sei zuversichtlich, im zweiten Teil des Prozesses beweisen zu können, dass Monsantos Verhalten angemessen war und das Unternehmen nicht für Hardemans Krebserkrankung haftbar gemacht werden sollte.

Für Bayer dürfte es nun eigentlich nur noch darum gehen, den Schaden zu begrenzen, sagte Analyst Gunther Zechmann von Bernstein Research. Mit Blick auf die zweite Prozessphase sei das Schlimmste zu befürchten.

Der Fall Hardeman sei für das Unternehmen hochbrisant, da es sich um einen richtungsweisenden "Bellwether Case" handelt. Damit ist im US-Recht eine Art Musterfall in einem Massenverfahren gemeint. Mehrere dieser repräsentativen Fälle sind angesetzt. Sie sollen den Streitparteien helfen, das Ausmaß von Schäden und die Höhe denkbarer Vergleichszahlungen besser abschätzen zu können. Insgesamt sind bei dem zuständigen US-Richter Vince Chhabria mehrere Hundert Klagen von Landwirten, Gärtnern und Verbrauchern gebündelt.

Die Klagewelle gegen Bayer war so richtig ins Rollen gekommen, nachdem eine Geschworenenjury dem Krebspatienten Dewayne Johnson in einem anderen Verfahren im August insgesamt 289 Millionen Dollar an Schmerzensgeld und Entschädigung zugesprochen hatte. Die Richterin senkte zwar die Strafe gegen den im vergangenen Jahr von Bayer übernommenen US-Saatgutkonzern Monsanto später auf gut 78 Millionen Dollar (69 Mio Euro), im Grundsatz änderte sie am Urteil aber nichts.

Der Bayer-Aktienkurs war nach dem Urteil im August massiv eingebrochen. Anleger und Analysten warfen die Frage auf, ob die Leverkusener die Risiken des rund 63 Milliarden Dollar (55 Mrd Euro) teuren Monsanto-Kaufs unterschätzt hätten. Das aktuelle Verfahren ist erst der Anfang: Bis Ende Januar wurden Monsanto in den USA glyphosatbezogene Klagen von etwa 11 200 Klägern zugestellt. Am 28. März soll bereits ein weiterer Prozess bei einem Landgericht im kalifornischen Oakland starten, weitere sollen rasch folgen.

Bayer weist die Vorwürfe eines Krebsrisikos von Monsantos Unkrautvernichtern zurück und beruft sich dabei auf zahlreiche Studien. "Wir haben großes Mitgefühl mit Herrn Hardeman und seiner Familie - dennoch stützen umfangreiche wissenschaftliche Erkenntnisse die Schlussfolgerung, dass Roundup nicht die Ursache seiner Krebserkrankung ist", heißt es im Statement des Unternehmens. Bayer stehe hinter diesen Produkten und werde sie entschieden verteidigen.

Der DAX-Konzern gibt sich denn auch betont optimistisch: Bislang sah das Unternehmen keinen Grund, für Schadenersatzzahlungen Vorsorge zu leisten. Viel Geld kosten die Glyphosat-Klagen aber dennoch schon: Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten stiegen im vergangenen Jahr um rund 660 Millionen Euro. "Wir stellen hier im Wesentlichen für drei Jahre Verteidigungskosten zurück", erklärte Finanzchef Wolfgang Nickl während einer Bilanzpressekonferenz Ende Februar.

Bayer-Aktien brechen nach Schlappe in Glyphosat-Prozess ein

Eine schwere Schlappe in einem richtungweisenden Glyphosat-Prozess in den USA hat der zuletzt ein wenig aufgehellten Laune der Bayer-Aktionäre am Mittwoch einen herben Dämpfer versetzt. Die Angst vor Milliardenrisiken kocht wieder hoch - der Druck auf Konzernchef Werner Baumann dürfte wachsen. Der Aktienkurs brach bis zum Mittag um fast 13 Prozent auf 60,77 Euro ein - ein Verlust von rund acht Milliarden Euro an Börsenwert. Daran änderten auch wieder aufgekommene Spekulationen über eine Übernahme nichts. Zu Börsenschluss notierten die Bayer-Papiere noch 9,61 Prozent tiefer bei 63,00 Euro.

Für Bayer dürfte es nun eigentlich nur noch darum gehen, den Schaden zu begrenzen, sagte Analyst Gunther Zechmann von Bernstein Research. Mit Blick auf die zweite Prozessphase sei das Schlimmste zu befürchten.

Der Fall Hardeman ist für Bayer und den unter Druck stehenden Konzernchef Werner Baumann hochbrisant, da es sich um einen richtungsweisenden "Bellwether Case" handelt, also eine Art Musterfall in einem Massenverfahren. Mehrere dieser repräsentativen Fälle sind angesetzt. Sie sollen den Streitparteien helfen, das Ausmaß von Schäden und die Höhe denkbarer Vergleichszahlungen besser abschätzen zu können.

Analyst Michael Leacock vom Investmenthaus Mainfirst stufte die Bayer-Aktien nach der in seinen Augen überraschenden Niederlage von "Outperform" auf "Neutral" ab und strich das Kursziel von 90 auf 60 Euro zusammen. Bayer scheine keine überzeugenden Argumente gehabt zu haben, um die Behauptungen des Klägers zu entkräften, erklärte der Experte. Die Wahrscheinlichkeit steige, dass Bayer und die im Zentrum der Klagen stehende US-Saatguttochter Monsanto eine große Zahl der vielen tausend Glyphosat-Klagen verlieren könnten.

Zudem könnten die Kosten für eine Beilegung der Rechtsstreitigkeiten noch größer sein als er aktuell bei der Bewertung der Aktien berücksichtige, fuhr Leacock fort. Er rechnet aktuell mit rund 11 Milliarden Euro, die auf Bayer zukommen könnten.

So wurden bis Ende Januar Monsanto in den USA glyphosatbezogene Klagen von etwa 11 200 Klägern zugestellt. Bereits Ende März soll ein weiterer Prozess bei einem Landgericht im kalifornischen Oakland starten, weitere sollen rasch folgen.

Bayer zeigte sich in einer ersten Stellungnahme derweil zwar enttäuscht von der Entscheidung, bleibt aber davon überzeugt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachten. Bayer ist zuversichtlich, im zweiten Teil des Prozesses beweisen zu können, dass Monsantos Verhalten angemessen war und das Unternehmen nicht für Hardemans Krebserkrankung haftbar gemacht werden sollte.

Mit den Kursverlusten fielen die Bayer-Aktien am Mittwoch wieder in Richtung ihres Mehrjahrestiefs von 58,34 Euro. Zum Vergleich: Vor einem Jahr kosteten die Aktien noch rund 100 Euro. Nach dem überraschenden Verlust eines ersten Glyphosat-Prozesses im August 2018 ging es dann steil abwärts. Seither muss sich Bayer-Chef Baumann Fragen gefallen lassen, ob er die Risiken beim rund 63 Milliarden Dollar schweren Kauf von Monsanto unterschätzt hat.

Entsprechend harsch dürfte die Kritik auf der Hauptversammlung von Bayer am 26. April ausfallen. So bezeichnete Christian Strenger, Gründungsmitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, den Monsanto-Kauf in einem dem "Manager Magazin" vorliegenden Brief unlängst als "den größten und schnellsten Wertvernichter der DAX-Geschichte". Strenger fordert laut dem "Manager Magazin" die übrigen Aktionäre auf, Bayer-Chef Baumann und seinen Vorstandskollegen die Entlastung zu verweigern.

Druck könnte auch von anderer Seite kommen. So könnte Bayer laut dem Analysten Markus Mayer von der Baader Bank in den Fokus aktivistischer Investoren geraten oder zu einem Übernahmeziel werden. Dieses Szenario sei zwischenzeitlich angesichts des angekündigten Konzernumbaus weniger wahrscheinlich gewesen, was sich aber ändern könnten, sollte der Aktienkurs wieder in Richtung der Tiefstände von 2018 fallen. Aktivistische Investoren versuchen nach dem Kauf größerer Aktienpakete aktiv in die Geschicke des Unternehmens einzugreifen, um den Wert zu steigern.

Der Konzernumbau, in dessen Zuge sich Bayer vom Geschäft mit Tiergesundheit sowie Teilen der Consumer-Sparte trennen will, sowie die mittelfristigen Wachstumsziele hatte die Anleger zuletzt ein wenig versöhnlicher gestimmt. So könnte allein der Verkauf der Tiergesundheitssparte den Leverkusenern bis zu 8 Milliarden Euro einbringen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg jüngst unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet. All das rückte zur Wochenmitte angesichts der Glyphosat-Risiken aber wieder in den Hintergrund.

/hbr/mis/fba

SAN FRANCISO (dpa-AFX)

Bildquellen: JOHN THYS/AFP/Getty Images, Bayer
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