Rüstungssektor im Fokus

Wieso JPMorgan Kaufchancen bei Aktien von Rheinmetall und RENK sieht

29.04.26 19:01 Uhr

Rüstungswerte vor Turnaround? JPMorgan setzt weiterhin auf Aktien von Rheinmetall und RENK | finanzen.net

Nach den deutlichen Kursverlusten im deutschen Verteidigungssektor identifiziert die US-Bank JPMorgan attraktive Einstiegsgelegenheiten.

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• JPMorgan-Analyst David Perry bestätigt positive Einstufung für führende deutsche Rüstungswerte
• Mögliche Steigerung des deutschen Verteidigungsbudgets für 2027 um 21 Prozent als Kurstreiber
• Marktsorgen über Waffenstillstand und neue Drohnendoktrinen werden als überzogen eingestuft

Analysten-Votum: Kaufgelegenheit nach deutlichem Abverkauf

Die US-Investmentbank JPMorgan hat die hiesigen Verteidigungswerte einer detaillierten Neubewertung unterzogen. In einer aktuellen Branchenstudie bekräftigte Analyst David Perry am Mittwochmorgen seine Einstufung "Overweight" für die Papiere von Rheinmetall sowie den Getriebeproduzenten RENK. Für den Sensorenspezialisten HENSOLDT behielt das Analystenteam hingegen das Votum "Neutral" bei. Hintergrund dieser Einschätzung ist die signifikante Kurskorrektur, welche die Branche seit Oktober 2025 durchlaufen hat und die laut Perry nun eine technisch wie fundamental attraktive Konstellation für Investoren bietet.

In seinem Kommentar an die Kunden der Bank betonte David Perry laut dpa-Analyser, dass die aktuellen Sorgen der Marktteilnehmer zwar valide seien, jedoch in ihrem Ausmaß zu hoch gehängt würden. Insbesondere die Befürchtungen hinsichtlich eines potenziellen Waffenstillstands im Ukraine-Krieg und die damit verbundenen Unwägbarkeiten für die Auftragsbücher haben die Kurse zuletzt belastet. Hinzu kommen Bedenken über eine grundlegende Änderung in der Militärdoktrin durch den verstärkten Einsatz von Drohnen, was klassische Landsysteme entwerten könnte. JPMorgan sieht hierin jedoch eher eine Evolution als eine Disruption der bestehenden Geschäftsmodelle.

Fiskalische Impulse: Wehretat 2027 als potenzieller Katalysator

Ein wesentlicher Faktor für die optimistische Haltung der US-Bank ist die Erwartung an die deutsche Finanzpolitik. David Perry prognostiziert für den heutigen Mittwoch die Bekanntgabe eines deutschen Wehretats für das Jahr 2027, der eine Steigerung von rund 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr aufweisen dürfte. Diese deutliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben würde die langfristige Planungssicherheit für Unternehmen wie Rheinmetall massiv stärken. Der Analyst geht davon aus, dass dieser fiskalische Impuls die Skepsis bezüglich einer sinkenden Nachfrage nach konventioneller Rüstungstechnik effektiv kontern wird.

Zusätzlich zur Budgetausweitung verwies die Studie auf die anhaltenden Umsetzungsrisiken bei Großprojekten, die vom Markt bereits in hohem Maße eingepreist seien. Da die Bundeswehr und andere NATO-Partner weiterhin auf schwere Waffensysteme und gepanzerte Fahrzeuge angewiesen sind, bleibt die fundamentale Nachfragekurve trotz moderner Kriegsführungstechnologien steil. Das Kursziel für die Aktie von Rheinmetall bezifferte die Bank auf 2.130 Euro, während für RENK ein Ziel von 75 Euro und für HENSOLDT ein Fair Value von 85 Euro veranschlagt wird.

Aktuelle Kursreaktion am deutschen Parkett

Im frühen Handel am Mittwoch zeigten sich die betroffenen Titel als Reaktion auf die Studie bereits gut unterstützt und notierten teilweise deutlich über der Nulllinie. Die Aktie von Rheinmetall verschlechterte sich via XETRA nach anfänglichen Gewinnen letztlich um 0,39 Prozent auf 1.338,00 Euro. Die Anteilsscheine von RENK legten um 0,96 Prozent zu und standen schließlich bei 53,77 Euro. HENSOLDT bewegte sich mit einem Plus von 1,59 Prozent bei 75,26 Euro ebenfalls im positiven Bereich, und profitierte damit stärker von der Branchenstimmung als die Top-Picks der US-Bank.

Fazit für Anleger

Die aktuelle Analyse von JPMorgan verdeutlicht, dass die drastische Neubewertung des Rüstungssektors eine Übertreibung nach unten markiert haben könnte. Sollte die Bundesregierung die prognostizierte Budgeterhöhung tatsächlich in diesem Umfang bestätigen, dürfte dies die fundamentale Story der Branche untermauern. Anleger könnten die aktuelle Schwächephase daher als Opportunität begreifen, wobei insbesondere Titel mit hoher Preissetzungsmacht und vollen Orderbüchern im Vorteil sein dürften. Dennoch sollten Investoren die geopolitischen Entwicklungen sowie die Volatilität, die durch Berichte über Friedensverhandlungen ausgelöst werden könnte, weiterhin aufmerksam beobachten.

Alexandra Hesse, Claudia Stephan, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net

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