12.08.2022 05:35

RWI-Chef hält nichts von 'Übergewinnsteuer' - die DGB-Chefin schon

Folgen
Werbung

ESSEN (dpa-AFX) - Der Präsident des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung, Christoph Schmidt, hält nichts von der Idee einer sogenannte Übergewinnsteuer für Konzern. "Zum einen ist es schwierig, so etwas wie "Übergewinne" überhaupt intellektuell sauber zu definieren, und praktisch kaum möglich, sie steuerlich zu bemessen", sagte er der "Rheinischen Post" (Freitag). "Zum anderen wird eine solche Steuer schnell zum willkürlichen Instrument."

Die NRW-Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Anja Weber, sieht das anders: "Während viele unter den steigenden Preisen straucheln, füllen sich die Konten einiger Unternehmen immer mehr - bedingt durch übermäßige Krisengewinne", sagte sie der "Rheinischen Post". "Diese übermäßigen und krisenbedingten Gewinne gehören abgeschöpft, um damit weitere Entlastungen für die Menschen zu bezahlen." Es brauche ein Entlastungspaket, das auch Studierende und Rentnerinnen und Rentner mit einbeziehe. Helfen könne ein Strom- und Gaspreisdeckel.

"Warum sollte man beispielsweise neben Energiekonzernen nicht auch Pharmaunternehmen mit einer "Übergewinnsteuer" belasten, die in der Corona-Pandemie durch die von uns allen heiß ersehnten Impfstoffe hohe Gewinne erwirtschaftet haben?", fragte der RWI-Chef Schmidt. Eine solche Steuer verunsichere Unternehmen - die bei höheren Gewinnen ja ohnehin auch mehr Steuern zahlten.

Viele Politiker der SPD und der Grünen fordern eine "Übergewinnsteuer" für Unternehmen mit krisenbedingt hohen Gewinnen. Die FDP lehnt sie ab. Einer Umfrage von Infratest dimap für den ARD-"Deutschlandtrend" ergab Anfang August, dass mehr als drei Viertel der Deutschen eine Sondersteuer auf hohe Zusatzgewinne während des Krieges für richtig hielten.

Mit einer "Übergewinnsteuer" wollen deren Befürworter übermäßige Krisengewinne von Unternehmen abschöpfen. Kritiker sehen diese Abgabe dagegen als willkürlichen Eingriff, der Unternehmen von Innovationen abhalten könnte. Länder wie Großbritannien oder Italien haben ähnliche Steuern für Öl- und Gaskonzerne beziehungsweise Energiekonzerne zuletzt beschlossen - teils auch befristet./gba/DP/zb

Werbung
Werbung
Werbung
Neue Funktionen als Erstes nutzen
Sie nutzen finanzen.net regelmäßig? Dann nutzen Sie jetzt neue Funktionen als Erstes!
Hier informieren!
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub
Werbung

Heute im Fokus

Stabilisierungsversuch: DAX geht fester ins Wochenende -- US-Börsen schließen tiefrot -- United Internet hebt Gewinnprognose an -- Euroraum-Inflation, Nike, Fresenius, FMC, Gaspreis im Fokus

Sixt erwartet "im Großen und Ganzen stabile Entwicklung". Nord Stream-Pipelines: Gas-Austritt lässt nach. EZB-Ratsmitglied Visco warnt vor zu großen Zinsschritten. Zuckerberg will bei Meta sparen. Commerzbank-Aktie: Weitere 50 Filialen werden geschlossen. Bisheriger Investmentchef wird offenbar Société Générale-Chef.

Umfrage

Sollte Deutschland Kampfpanzer und weitere schwere Waffen an die Ukraine zu liefern

finanzen.net zero
finanzen.net zero

Oskar

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln