Carl Zeiss Meditec-Aktie dreht deutlich ins Plus: Schwaches Halbjahr und bis zu 1.000 Stellen von Abbau betroffen

Carl Zeiss Meditec hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres bei leicht rückläufigen Umsätzen deutlich weniger verdient und will nun mit einem umfangreichen Kostensenkungsprogramm gegensteuern.
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Der Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec will angesichts der Probleme im wichtigen chinesischen Markt seine Kosten senken. Um künftig wieder bessere Ergebnisse liefern zu können, sollen Teile des Geschäfts in kostengünstigere Länder verlagert werden. Von den Maßnahmen könnten binnen drei Jahren bis zu 1.000 Stellen weltweit betroffen sein, teilte das Unternehmen am Dienstag in Jena mit. Für das laufende Jahr stellt sich das Management aber nun auf Umsatz- und Ergebniseinbußen ein, nachdem es seine vormals optimistischeren Prognosen im Januar kassiert hatte. Bereits das erste Halbjahr verlief schwächer, der Gewinn brach ein.
An der Börse drehte die Aktie aber nach ersten Verlusten deutlich ins Plus. Barclays-Experte Jonathon Unwin erklärte, der neue Ergebnisausblick liege zwar unter den Markterwartungen. Allerdings dürfte das angekündigte Kostensparprogramm gut ankommen.
Via XETRA notierte das Papier zuletzt 12,52 Prozent höher bei 28,76 Euro. Allerdings stehen seit Jahresbeginn noch immer fast ein Drittel Kursverlust zu Buche - und sogar um fast 60 Prozent binnen zwölf Monaten. Wegen des Kursverfalls war Carl Zeiss Meditec Ende März vom MDax in den SDAX abgestiegen. Anleger sorgten sich insbesondere um das schwache Chinageschäft.
Der Konzern hatte bereits vor einigen Monaten angekündigt, Verlagerungen zu überprüfen. Carl Zeiss Meditec kämpfte zuletzt immer stärker mit einer schwächelnden Nachfrage und den strengeren Vergaberegeln für Aufträge in der Volksrepublik China. So werden oft einheimische Wettbewerber vorgezogen.
Dies belastete etwa stark das Geschäft mit Premiumlinsen, hier mussten zuletzt Produkte gar verschrottet werden. Ein Rückzug aus dem chinesischen Markt, der für rund ein Viertel des Umsatzes steht und der Größte für den Konzern ist, stand für das Management aber außer Frage, wie Finanzvorstand Justus Felix Wehmer im Gespräch mit dpa-AFX im Februar betonte. Stattdessen müssen man noch präsenter in China sein.
Ein Unternehmenssprecher sagte am Dienstag zu den möglichen Verlagerungen und Stellenstreichungen auf Anfrage: "Konkrete Entscheidungen zu einzelnen Standorten und Funktionen stehen noch aus und werden in Abstimmung mit den relevanten Gremien und Arbeitnehmervertretungen getroffen." Ziel sei aber eine stärkere Produktionspräsenz in China, wo der Konzern bereits in zwei Werken in Suzhou und Guangzhou fertigt, sowie mehr kosteneffiziente Aktivitäten in Asien außerhalb der Volksrepublik.
Zudem prüfe das Unternehme die Verlagerung ausgewählter Forschungs- und Entwicklungsbereiche. Auch seien Maßnahmen geplant, um die Lieferketten im Einkauf zu optimieren, und weniger profitable Produkte sollen aus dem Portfolio verschwinden.
Die Jenaer versprechen sich von ihrem Maßnahmenpaket bis zum Geschäftsjahr 2028/29 eine nachhaltige Ergebnisverbesserung von mehr als 200 Millionen Euro im Vergleich zum laufenden Jahr 2025/26, wie sie am Morgen mitteilten. Das Sparprogramm werde zudem durch "gezielte Maßnahmen" ergänzt, um das Umsatzwachstum zu beschleunigen.
Dadurch sollen die Erlöse bis 2028/29 währungsbereinigt mindestens im mittleren einstelligen Prozentbereich pro Jahr anziehen. Die bereinigte operative Marge - gemessen am bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (Ebita) soll auf mindestens rund 15 Prozent klettern, langfristig gar auf 16 bis 20 Prozent.
Im aktuellen, noch bis Ende September laufenden Geschäftsjahr dürfte die operative Marge aber auf 8 bis 10 Prozent zurückgehen. Zugleich könnte der Erlös mit 2,15 bis 2,2 Milliarden Euro um bis zu 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sinken. Damit traut sich Carl Zeiss Meditec nun weniger zu als mit der ursprünglichen Prognose. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern noch 2,23 Milliarden Euro umgesetzt und eine Marge von 11,6 Prozent erzielt.
Das aktuelle Geschäftsjahr verlief für den Konzern bisher schwach: Zur Halbjahresbilanz lag der Erlös mit 991 Millionen Euro um knapp 6 Prozent unter dem Vorjahr. Deutliche Einbußen gab es neben der Asien-Pazifik-Region auch im amerikanischen Markt. Im zweiten Quartal verfehlte der Konzern zudem die durchschnittlichen Umsatzerwartungen von Analysten leicht.
Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebita) der ersten sechs Monate brach um fast die Hälfte auf 60,5 Millionen Euro ein. Und unter dem Strich blieb mit 13,3 Millionen Euro nur noch gut ein Fünftel des Vorjahresgewinns übrig.
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JENA (dpa-AFX)
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