Starkes Zahlenwerk

Zahlen beflügeln adidas-Aktie: Starkes Wachstum übertrifft Erwartungen - Ausblick bestätigt

29.04.26 19:33 Uhr

Zahlen beflügeln adidas-Aktie: Gewinnsprung trotz Währungs- und Zollbelastung | finanzen.net

Der Sportartikelhersteller adidas hat im ersten Quartal dem Gegenwind durch Zölle und dem starken Euro getrotzt und besser abgeschnitten als erwartet.

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Der Nike-Konkurrent legte bei Umsatz und Gewinn deutlich zu und bestätigte seine Prognose. Der Krieg im Nahen Osten hat aktuell noch wenig direkte Auswirkungen auf das Geschäft - die hohen Ölpreise und die wieder aufkommenden Inflationssorgen lassen die Verbraucher speziell in Europa jedoch etwas zurückhaltender agieren.

Währungsbereinigt erzielte adidas ein Wachstum von 14 Prozent. Der starke Euro belastete den Umsatz mit rund 350 Millionen Euro. Währungsbereinigt legte adidas in allen Regionen prozentual zweistellig zu - mit Ausnahme von Europa, wo ein Plus von 6 Prozent verbucht wurde. adidas bewege sich weiter in einem volatilen Umfeld, sagte Konzernchef Björn Gulden. In Europa gebe es die meiste Unsicherheit bei den Verbrauchern. Dort werde derzeit auch am stärksten mit Rabatten gearbeitet, um die Produkte loszuschlagen.

CEO Analysten lobten die Zahlen. adidas profitiere von einer gesunden Dynamik bei Marke und Umsatz, was in einem herausfordernden und sich fragmentierenden Sportbekleidungsmarkt zunehmend selten sei, notierte Analyst Piral Dadhania von der kanadischen Bank RBC.

Eine robuste Nachfrage verzeichnete das Unternehmen insbesondere in seinen eigenen Verkaufskanälen. Dagegen fiel das Plus im Großhandel schwächer aus - da der Einzelhandel derzeit wegen des unsicheren Konsumumfeldes verstärkt auf Rabatte setzt, verkauft adidas eigenen Angaben zufolge aktuell keine "übermäßigen Mengen" an seine Partner, um die Preisnachlässe unter Kontrolle zu behalten. Dies gilt speziell für das Lifestyle-Segment. "Wir hoffen natürlich, dass sich das Umfeld stabilisiert und sich die Rabatte normalisieren, aber das liegt leider nicht in unserer Hand", erklärte Konzernchef Gulden.

Das Betriebsergebnis stieg trotz Gegenwind durch Währungseffekte und Zöllen um 15,5 Prozent auf 705 Millionen Euro. Analysten hatten sowohl bei Umsatz als auch operativem Ergebnis mit weniger gerechnet. Der auf die Anteilseigner entfallende Gewinn verbesserte sich um 12,6 Prozent auf 482 Millionen Euro.

An seiner Prognose hielt adidas angesichts des unsicheren Umfelds fest. Im laufenden Jahr soll der Umsatz währungsbereinigt im hohen einstelligen Prozentbereich steigen. In absoluten Zahlen wäre dies ein Plus von rund 2 Milliarden Euro. 2025 waren die Erlöse der Marke adidas währungsbereinigt um 13 Prozent auf 24,8 Milliarden Euro gestiegen. Das Betriebsergebnis soll sich von knapp 2,1 Milliarden auf rund 2,3 Milliarden Euro verbessern. Allerdings dürften Zölle und Währungseffekte den Gewinn mit 400 Millionen Euro belasten.

Der Krieg im Nahen Osten hat derzeit noch geringfügige Auswirkungen auf adidas. Direkt betroffen sei aktuell das Geschäft in der Region, wie etwa durch Ladenschließungen. Auch gebe es Probleme, Ware dorthin zu bekommen. Insgesamt könnten in den nächsten sechs bis zwölf Monaten jedoch stark steigende Transport- sowie Materialkosten ein Thema werden, so Gulden.

Rückenwind erhofft sich adidas von der Fußballweltmeisterschaft der Männer in den USA, Kanada und Mexiko in diesem Sommer. "Trotz vieler Liefer- und Transportprobleme haben wir den Großteil der Produkte in den Märkten und freuen uns auf ein fantastisches Event, das für uns großartig werden wird", so Gulden.

adidas-Aktie hebt ab

adidas-Aktien reagierten am Mittwoch positiv auf die Ergebnisse des ersten Quartals. Auf XETRA zogen die Titel des Sportartikelherstellers letztlich um 8,35 Prozent auf 149,30 Euro an.

Allgemein aber sieht es für adidas weiterhin eher mau aus. Mit Blick auf den Jahresbeginn steht immer noch ein Minus von fast 13 Prozent zu Buche. Seit Beginn des Abwärtstrends Mitte Februar 2025 beläuft sich der Verlust auf 44 Prozent.

Analyst Richard Edwards von der US-Bank Goldman Sachs rechnet angesichts der nur bestätigten Jahresziele zwar nicht mit Änderungen an den Marktschätzungen, lobte aber überraschend starke operative Ergebnis von adidas im ersten Quartal. Dieses sei durch das währungsbereinigte Umsatzwachstum noch zusätzlich untermauert worden.

Allerdings, so schränkte Piral Dadhania von der kanadischen Bank RBC ein, sei das Erlöswachstum ungleich verteilt gewesen und gerade im Schuhbereich nur gering ausgefallen. Während die Umsätze in dieser Kategorie auf vergleichbarer Basis nur um 4 Prozent gestiegen seien, habe der Anstieg im Bereich Bekleidung etwa bei 31 Prozent gelegen. Dort hätten prozentual zweistelligen Zuwachsraten in den Bereichen Fußball, Laufen, Training, Motorsport und Originals die Erlöse angetrieben.

Womöglich könnte sich nach dem starken ersten Quartal die Debatte zu adidas unter den Investoren nun in eine konstruktivere Richtung verschieben, schrieb Jefferies-Analyst James Grzinic, der das Papier mit "Buy" und einem Kursziel von 190 Euro bewertet.

Positiv hob er vor allem die Robustheit des Unternehmens hervor, die belegt werde durch die Wachstumsdynamik, die Widerstandsfähigkeit der Bruttomarge trotz hoher Zölle und Wechselkursbelastungen sowie durch die Kostenkontrolle.

"Wir müssen aber möglicherweise bis zum dritten Quartal warten, um einen klareren, nicht Event-getriebenen Eindruck von der Markenbeliebtheit von adidas zu erhalten", schränkte er ein. Zuvor könnte sich aber bereits deutlicher abzeichnen, inwieweit die jüngsten Neuheiten, insbesondere die Laufschuhe Hyperboost und Adizero Adios Pro Evo 3, das Risiko der fortschreitenden Marktreife des Terrace-Segments mindern können.

Skeptiker könnten indes einen Teil der starken Geschäftsentwicklung aber auch auf vorübergehende Verkaufseffekte wegen der in diesem Jahr anstehenden Fußball-WM zurückführen, ist sich Grzinic bewusst. Außerdem dürfte auch der weitere Aufbau der Lagerbestände genauer unter die Lupe genommen werden, obwohl die Lieferketten-Unsicherheiten ihm zufolge eine frühzeitige Beschaffung von Produkten rechtfertigen.

adidas-CEO: Materialkosten könnten steigen, falls Ölpreis hoch bleibt

adidas verspürt CEO Björn Gulden zufolge durch den Nahostkrieg kurzfristig noch keine "Disruptionen" in seinem Geschäft. "Natürlich ist es schwierig, Ware in den Nahen Osten zu bekommen", sagte Gulden in der Medientelefonkonferenz. Und die Läden seien geschlossen, in Gegenden, die unter Raketenbeschuss stehen.

Die "explodierenden" höheren Preise für Öl und Logistik spüre der Sportartikelhersteller akut noch nicht. Bei den Materialkosten, insbesondere für stark erdölabhängige Materialien wie Polyester, spüre das Unternehmen kurzfristig keine negativen Auswirkungen auf die aktuell eintreffenden Produkte. Grund seien die langen Vorlaufzeiten in der Beschaffung, die entsprechenden Materialien und Komponenten seien bereits deutlich früher gekauft worden, als der Ölpreis noch auf einem anderen Niveau lag

Allerdings könnten die Materialkosten im zweiten Halbjahr und bis 2027 hinein steigen, sollte der Ölpreis hoch bleiben. Zumindest in den kommenden 6 bis 12 Monaten könnten die Materialkosten steigen, so Gulden. Wie stark sich dies letztendlich auswirkt, lasse sich derzeit noch nicht messen, da es stark vom jeweiligen Produkt und Markt abhänge und ein Prozess laufender Verhandlungen im Zuge der weltweiten Entwicklungen sei.

adidas "sehr sichtbar" beim World Cup - früh "gesunde" Vorräte aufgebaut

adidas rechnet als Ausrüster mit "hoher Visibilität" beim FIFA World Cup, der im Juni/Juli in den USA, Kanada und Mexiko stattfinden wird. CEO Björn Gulden zufolge werden 14 Nationalmannschaften in adidas-Outfits spielen, etwa ein Drittel der Spieler in adidas-Produkten, und der offizielle Spielball werde auch durch adidas beigesteuert. "Wir werden also sehr sehr sichtbar sein", sagte Gulden in der Medientelefonkonferenz nach den Erstquartalsergebnissen. adidas habe im Vorfeld des Turniers frühzeitig und beschleunigt Warenbestände aufgebaut, um für mögliche Komplikationen und "Disruptionen" präpariert zu sein, sagte Gulden.

CFO Harm Ohlmeyer verwies darauf, dass deshalb die Lagerbestände im Quartal um 14 Prozent gestiegen seien. Zum einen sei dies auch entscheidend für das Wachstum im ersten Quartal gewesen. Wichtig sei, "dass es sich um gesunde Lagerbestände handelt, denn 90 Prozent sind entweder für die aktuelle oder für zukünftige Saisons", so der CFO. "Wir sind sehr zufrieden damit." Das Management gehe davon aus, dass sich die Lagerbestände zur zweiten Jahreshälfte hin normalisieren werden. Ende März betrugen sie 5,8 Milliarden Euro.

HERZOGENAURACH (dpa-AFX) / Dow Jones Newswires

Bildquellen: TonyV3112 / Shutterstock.com, Photoman29 / Shutterstock.com

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