Analysten werden für SAP und ServiceNow optimistischer - Aktien uneins

Nach einer Phase deutlicher Kursschwäche im Softwaresektor profitiert die SAP-Aktie nun von einer wieder positiveren Einschätzung der Analystenseite.
Werte in diesem Artikel
• Deutsche Bank Research sieht SAP weiterhin positiv
• Softwarebranche zuletzt von KI-Sorgen belastet
• Rückenwind auch durch Analystenlob für ServiceNow
Für Software- und Cloudtitel verlief das Börsenjahr bislang schwach. Hintergrund waren vor allem Sorgen über mögliche Disruptionen durch künstliche Intelligenz sowie der Wandel von nutzungs- zu volumenbasierten Geschäftsmodellen. Dabei wurden auch große Wachstumswerte wie SAP und ServiceNow deutlich abverkauft.
Ganz anders der Hardware-Sektor, in dem vor allem die Halbleiterhersteller enorm von der mit KI verbundenen Euphorie profitierten. Doch angesichts der fulminanten Kurs-Rally könnten Investoren nun vorsichtiger werden - und sich wieder den deutlich niedriger bewerteten Software-Aktien zuwenden. Zumal am Mittwoch der Chip-Gigant NVIDIA die Quartalsbilanz vorlegt und Prognosen veröffentlicht. "Wenn NVIDIA enttäuscht, könnte es ungemütlich werden", sagte Marktexperte Maximilian Wienke vom Broker Etoro. "Die Erwartungen sind wieder einmal extrem hoch", so Wienke laut dpa-AFX. Sollte der Chipdesigner diese Erwartungen enttäuschen, dürften die Anleger Luft aus den Kursen lassen - und könnten sich innerhalb der Technologiewelt wieder den Software-Unternehmen zuwenden.
SAP mit bestätigtem Kaufvotum und Kursziel 200 Euro
Tatsächlich scheint sich die Stimmung gegenüber Software-Aktien inzwischen schon wieder aufzuhellen. Wie Deutsche Bank Research mitteilt, bleibt die Einstufung für SAP bei "Buy", verbunden mit einem Kursziel von 200 Euro. Analyst Johannes Schaller hebt dabei insbesondere die Präsentation zur KI-Strategie sowie den Innovationsfahrplan hervor, die im Rahmen der Hausmesse Sapphire und einer Analystenkonferenz vorgestellt wurden.
Nach Angaben von Schaller stellt dieser Ansatz einen großen Schritt in die richtige Richtung dar, der sowohl für Kunden Mehrwert liefere als auch durch niedrige Anpassungsbarrieren überzeugend sei. Damit wird SAP im Analystenkommentar klar in einem strategisch fortschrittlichen Transformationsprozess verortet.
ServiceNow als zusätzlicher Stimmungsfaktor
Für zusätzliche Impulse sorgten neue Analystenkommentare zu ServiceNow. Laut MarketWatch hat die Bank of America die Beobachtung wieder aufgenommen und die Aktie direkt mit "Kaufen" sowie einem Kursziel von 130 US-Dollar eingestuft.
Analyst Tal Liani argumentiert dabei, dass KI nicht als Ersatz, sondern als zusätzlicher Wachstumstreiber für ServiceNow zu verstehen sei. Insbesondere der Einsatz von KI-Agenten dürfte nach seiner Einschätzung die Nutzung von Workflow-Software eher erhöhen als reduzieren.
Zudem verweist Liani auf die starke Kundenbindung sowie auf hohe Wechselkosten, die eine stabile Beibehaltungsquote unterstützen. Ergänzend hebt er die KI-Strategie des Unternehmens sowie Produkte positiv hervor.
Auch Cognizant-Aktie im Fokus
Zusätzlich Rückenwind lieferte auch der IT- und Digitalexperte Cognizant. Das US-Unternehmen verdoppelte das Volumen eines Aktienrückkaufpakets auf zwei Milliarden US-Dollar.
Einordnung für Privatanleger
Für Privatanleger zeigt sich derzeit ein differenziertes Bild im Softwaresektor. Einerseits belasten strukturelle Unsicherheiten rund um KI und Geschäftsmodellumstellungen weiterhin die Bewertung vieler Titel. Andererseits deuten neue Analystenstudien darauf hin, dass etablierte Anbieter wie SAP und ServiceNow ihre Position im KI-Umfeld ausbauen können.
Entscheidend bleibt für Anleger, wie sich die angekündigten KI-Strategien in konkrete Umsatz- und Ergebnisbeiträge übersetzen. Kurzfristig dürfte der Sektor weiter von Analystenstimmen und Erwartungen geprägt bleiben, während mittelfristig die operative Umsetzung im Vordergrund steht.
So reagieren die Aktien von SAP und ServiceNow
Via XETRA kletterte die SAP-Aktie letztlich um kräftige 5,99 Prozent auf 156,72 Euro. Für die an der NYSE gelistete ServiceNow-Aktie ging es um 1,54 Prozent auf 101,83 Dollar abwärts.
Thomas Zoller, Martina Köhler, Alexandra Hesse, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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