Strategiewechsel

Allbirds-Aktie explodiert nach radikalem KI-Pivot um 582 Prozent - doch Zweifel bleiben

16.04.26 17:03 Uhr

NASDAQ-Aktie mit Kurssprung von über 580% - Anleger reagieren euphorisch auf KI-Pivot bei Allbirds | finanzen.net

Der einstige Schuhhersteller Allbirds will zur KI-Infrastrukturfirma werden. Anleger reagieren mit einem historischen Kurssprung, doch Zweifel bleiben.

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• Strategiewechsel treibt Aktie zeitweise um über 580 Prozent nach oben
• Fokus künftig auf KI-Compute-Infrastruktur und GPU-as-a-Service
• Experten warnen vor hohen Kosten und möglichem "AI-Washing"

Radikaler Strategiewechsel: Vom Sneaker zur KI-Infrastruktur

Der angeschlagene Schuhhersteller Allbirds sorgt mit einem ungewöhnlichen Strategiewechsel für Aufsehen: Künftig will sich das Unternehmen auf den Aufbau von KI-Infrastruktur konzentrieren. Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, plant die Firma unter dem neuen Namen "NewBird AI" den Einstieg in das Geschäft mit Hochleistungsrechnern und Rechenkapazitäten für künstliche Intelligenz.

Konkret soll Kapital von bis zu 50 Millionen US-Dollar eingesammelt werden, um leistungsstarke Hardware zu erwerben und diese im Rahmen langfristiger Leasingmodelle Kunden bereitzustellen. "Das Unternehmen wird zunächst den Erwerb von leistungsstarker KI-Rechenhardware mit geringer Latenz anstreben", heißt es in der Mitteilung. Ziel sei es, eine Nachfrage zu bedienen, die von klassischen Cloud-Anbietern derzeit nicht ausreichend gedeckt werde.

Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Kerngeschäft massiv geschrumpft ist. Laut CNBC sind die Umsätze zwischen 2022 und 2025 von 298 Millionen auf 152 Millionen US-Dollar gefallen. Bereits zuvor hatte Allbirds zentrale Vermögenswerte für rund 39 Millionen US-Dollar an die American Exchange Group verkauft, die die Marke künftig weiterführen soll.

Kursfeuerwerk an der Börse

Der Strategiewechsel sorgte für ein regelrechtes Kursfeuerwerk an der Börse: Anleger schickten die Allbirds-Aktie am Mittwoch um mehr als 580 Prozent nach oben auf rund 16,99 US-Dollar. Das Unternehmen hatte zuvor lediglich eine Marktkapitalisierung von etwa 21 Millionen US-Dollar - durch den Kurssprung kamen binnen eines Tages rund 127 Millionen US-Dollar an Börsenwert hinzu.

Allerdings folgte bereits am Donnerstag die erste Gegenbewegung: Der Kurs gibt zeitweise 21,93 Prozent auf 13,26 US-Dollar nach.

Die extreme Volatilität unterstreicht die Unsicherheit der Anleger, ob der Pivot tatsächlich tragfähig ist oder lediglich kurzfristige Fantasie befeuert.

Der Schritt reiht sich in eine bekannte Börsenlogik ein: Immer wieder versuchen angeschlagene Unternehmen, durch den Einstieg in Trendthemen wie Blockchain oder KI neues Interesse zu wecken.

Experten warnen: Hohe Hürden im KI-Geschäft

Marktbeobachter sehen den Vorstoß entsprechend kritisch. Laut MarketWatch gibt es zahlreiche Beispiele für ähnliche Strategiewechsel, die langfristig scheiterten. Besonders häufig wird der Fall Long Blockchain genannt - ein Unternehmen, das nach einem kurzfristigen Kurshype letztlich von der Börse verschwand.

Zudem gilt der Einstieg in die KI-Infrastruktur als kapitalintensiv und komplex. "Das erfordert spezielles Fachwissen, ist kostspielig und die Menschen haben hohe Erwartungen", sagte Matt Domo von FifthVantage laut MarketWatch. Zum Vergleich: Branchenplayer investieren zweistellige Milliardenbeträge in den Ausbau ihrer Kapazitäten.

Auch akademische Stimmen äußern Zweifel. Georgetown-Professor Jason Schloetzer bezeichnete die geplanten Investitionen als "ein Klacks im Vergleich zu dem, was tatsächlich nötig ist". Gleichzeitig warnen Experten vor sogenanntem "AI-Washing" - also dem Versuch, sich ohne substanzielles Geschäft als KI-Unternehmen zu positionieren.

Ob der Pivot von Allbirds tatsächlich eine nachhaltige Transformation einleitet oder lediglich ein kurzfristiger Börsenimpuls bleibt, dürfte sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.

Benedict Kurschat, Claudia Stephan, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net

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