07.09.2017 16:46
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Studie - Deutschland verfehlt Klimaziel 2020 drastisch

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Berlin (Reuters) - Deutschland wird sein Klimaziel für 2020 einer Studie zufolge viel stärker verfehlen als bislang gedacht.

Statt den Treibhausgas-Ausstoß bis dahin wie geplant um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, werde nur rund 30 Prozent erreicht, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Instituts Agora-Energiewende. Die Bundesregierung hatte zwar bereits eingeräumt, das 40-Prozent-Ziel sei ohne zusätzliche CO2-Einsparungen nicht zu erreichen. Allerdings geht man nur von einer Lücke von etwa fünf Prozentpunkten aus. Das Bundesumweltministerium erklärte, man teile die neue Agora-Einschätzung nicht. Unbestritten sei aber, dass nachgesteuert werden müsse. Das Thema Kohlenutzung müsse zügig angegangen und die Elektrifizierung des Verkehrs ebenso vorangetrieben werden wie ein schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien.

Agora zufolge ist der Grund für die neue Berechnung der Lücke, dass die Wirtschaft stärker als erwartet zulege und die Bevölkerung wegen der Zuwanderung kräftig gewachsen sei. Die neue Regierung müsse schnell nachlegen, um wenigstens noch in die Nähe der 40 Prozent zu kommen, sagte Agora-Direktor Patrick Graichen. "Nur 30 Prozent statt 40 Prozent weniger CO2 ist nicht ein bisschen daneben, das wäre eine krachende Verfehlung des Klimaziels für 2020."

Die Denkfabrik Agora wurde gegründet, um die Energiewende zu begleiten und um Wege in eine treibhausgasfreie Gesellschaft zu finden. Sie wird von einer Stiftung finanziert. Zentrales Gremium ist der Rat der Agora, der unter andrem aus Vertretern von Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Klimaexperten besteht.

Die scheidende Bundesregierung hatte schon ein Paket beschlossen, das unter anderem die praktische Stilllegung einer Reihe von Kohlekraftwerken auf Kosten der Stromkunden vorsieht. Auch der Verkehrssektor sollte mehr Einsparungen liefern, was bisher aber noch nicht bemerkbar ist. Dort wird immer noch genauso viel CO2 produziert wie 1990. Das Umweltministerium erklärte, es gehe aber davon aus, dass die beschlossenen Instrumente jetzt zu wirken begännen, so dass die Lücke nicht größer als bisher vermutet ausfalle.

Gut zwei Wochen vor der Bundestagswahl warf die Opposition der Regierung komplettes Versagen vor: "Die Klimaschutzpolitik der Bundeskanzlerin zerplatzt wie eine Seifenblase. Im Wahljahr stößt Deutschland fast genauso viel Klimagase in die Luft wie 2009, das nationale Klimaschutzziel wird krachend verfehlt", sagte Linken-Expertin Eva Bulling-Schröter. Grünen-Parteichef Cem Özdemir verlangte einen schnellen Kohle-Ausstieg: "Mich macht es wütend, dass die Bundesregierung in Sachen Klima- und Umweltschutz ein vereinbartes Ziel nach dem anderen verfehlt."

Eine neue Regierungskoalition hat bis 2020 nur wenig Zeit, weitere Vereinbarungen zu treffen, zumal vor neuen Einschnitten bei der Kohleverstromung zunächst eine Kommission ab 2018 tagen soll. Koalitionsverhandlungen werden aber auch unter dem Eindruck der Weltklimakonferenz stehen, die im November in Bonn stattfindet. Deutschland übernimmt hier die Gastgeberrolle für die Fidschi-Inseln, die besonders vom Klimawandel bedroht sind und die Präsidentschaft haben.

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