28.10.2021 13:21

Studie: Rund 8,6 Millionen verdienen weniger als 12 Euro/Stunde

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Von Andreas Kißler

DÜSSELDORF/BERLIN (Dow Jones)--Beschäftigte in etwa 8,6 Millionen Arbeitsverhältnissen verdienen aktuell weniger als 12 Euro brutto pro Stunde. Das ist das Ergebnis einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Etwa zwei Drittel der Menschen, die dementsprechend direkt von einer Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro profitieren würden, sind demnach Frauen.

Die Mehrzahl der Berufsgruppen, in denen aktuell weniger als 12 Euro bezahlt werden, erfordere eine abgeschlossene Ausbildung. Durch die Anhebung des Mindestlohns würde vor allem die Entlohnung von Beschäftigten ohne Tarifvertrag verbessert, denn diese seien derzeit rund dreimal so häufig von Löhnen unter 12 Euro betroffen wie Beschäftigte, die nach Tarif bezahlt werden, so die Stiftung.

"Ein Mindestlohn von 12 Euro findet nicht nur breite Zustimmung, er würde auch für viele Beschäftigte spürbare Lohnsteigerungen bedeuten", schreibt WSI-Arbeitsmarktexperte Toralf Pusch. In seiner Untersuchung hat er die neuesten verfügbaren Daten des sozio-oekonomischen Panels (SOEP) von 2019 und des Statistischen Bundesamts ausgewertet und für das Jahr 2021 fortgeschrieben.

Damit könne der WSI-Forscher unter anderem zur Gesamtzahl der Beschäftigten, die aktuell für weniger als 12 Euro arbeiten, erstmals eine verlässliche Hochrechnung für das laufende Jahr vorlegen. Die Analyse zeige, dass die große Mehrheit der Arbeitsverhältnisse, in denen der höhere Mindestlohn direkt zu einer Lohnanhebung führen müsste, für die jeweiligen Beschäftigten der Hauptjob sei. Das gelte 2021 für 7,3 Millionen, etwa 1,3 Millionen seien Nebentätigkeiten. Von den Hauptjobs seien rund 3 Millionen Vollzeit- und knapp 4,3 Millionen Teilzeitstellen.

Auch für die Verbreitung von Löhnen unter 12 Euro in Jobs mit und ohne Tarifvertrag hat Pusch den Angaben zufolge aktuelle Näherungsdaten errechnet. Sie zeigten große Unterschiede: Rund 30 Prozent der Beschäftigten, die in ihrem Hauptjob nicht nach einem Tarifvertrag bezahlt werden, arbeiten demnach aktuell für weniger als 12 Euro pro Stunde. Mit Tarifvertrag seien es lediglich 9,5 Prozent.

Eine Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro würde dementsprechend in der Gesamtgruppe der Beschäftigten, die nach Tarifvertrag bezahlt werden, eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 1,0 Prozent bewirken. Unter den Beschäftigten ohne Tarif stiegen die Löhne hingegen um durchschnittlich 4,1 Prozent. Die Zahlen zeigten, dass der höhere Mindestlohn "keinen tiefen Eingriff in die Tarifautonomie" bedeute. Er wäre "vor allem eine wirksame Stütze zur Stabilisierung der Löhne von Beschäftigten ohne Tarifvertrag".

Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

DJG/ank/smh

(END) Dow Jones Newswires

October 28, 2021 07:22 ET (11:22 GMT)

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