16.01.2018 17:37
Bewerten
(0)

SWR /Terrorverdächtiger von Karlsruhe hatte Kontakt zu bekannten Islamisten

DRUCKEN
Mainz (ots) - Der Terrorverdächtige Dasbar W., der am 20. Dezember 2017 in Karlsruhe verhaftet wurde, weil er einen Anschlag auf dem Karlsruher Schlossplatz geplant haben soll, hatte Kontakte zu einschlägig bekannten Islamisten. Das geht aus Ermittlungsunterlagen hervor, die dem SWR exklusiv vorliegen.

Demnach hatte er im Juli 2016 an einem zehntägigen Seminar im mittlerweile verbotenen Moschee-Verein "Deutschsprachiger Islamkreis" (DIK) in Hildesheim teilgenommen, das von dem mittlerweile inhaftierten Hassprediger und IS-Kontaktmanns Ahmad Abdulaziz Abdulla A., genannt "Abu Walaa" geleitet wurde. Abu Walaa steht derzeit in Celle vor dem Oberlandesgericht, u. a. weil er von Hildesheim aus mindestens 15 Männer als Kämpfer für den sogenannten Islamischen Staat rekrutiert haben soll. Auch der Berliner-Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri soll sich im Umfeld Abu Walaas aufgehalten haben, ebenso der minderjährige Attentäter, der im April 2016 mit einem Komplizen einen selbst gebauten Sprengsatz vor einem Sikh-Tempel in Essen gezündet hatte.

Dasbar W.'s Anwalt Marc Jüdt bestätigt Dasbar W.'s Teilnahme an dem Seminar. Er sagt dazu im SWR-Interview: "Mein Mandant war seinerzeit noch nicht lange wieder in Deutschland, er hat in Kurdistan gelebt und sein Abitur gemacht. Dann hat er eine Einladung bekommen, kurz vor den Feiertagen, eine Übernachtungsmöglichkeit von fünf Tagen und es gäbe Essen. Nachdem er gemerkt hat, wie es dort zugeht und was das eigentliche Ziel ist, nämlich junge Muslime einzuladen und zu radikalisieren, hat er sich abgewendet. Es gibt keine weiteren Kontakte."

Aber auch im Irak war Dashbar W. im Visier von Ermittlungen. 2016 saß Dasbar W. dort für zwei Monate in Haft, wie das Auswärtige Amt bestätigt. Er soll vor Ort mögliche Anschlagsziele für den sogenannten "IS" ausgespäht haben. Das Auswärtige Amt hatte in dieser Zeit Dasbar W. konsularisch betreut. Nach seiner Entlassung reiste er wieder nach Deutschland ein. Deutsche Ermittler fanden auf seinem Handy ein Video, das ihn bei Schießübungen mit einem Scharfschützengewehr im Irak zeigt.

Ein ehemaliger Vermieter von Dasbar W. berichtet gegenüber dem SWR: "Er hatte gesagt, er wäre zwei Wochen in Stuttgart, aber plötzlich war er wie vom Erdboden verschwunden." Außerdem erzählt er, Dasbar W. habe in seinem Garten Schießübungen mit legalen Waffen absolviert. Einige Monate später seien Beamte des LKA Baden-Württemberg aufgetaucht und hätten dem Vermieter berichtet, Dasbar W. sei im Irak wegen terroristischer Aktivitäten von den örtlichen Behörden verhaftet worden.

Über eine islamistische Prägung von Dasbar W. berichteten auch zwei ehemalige Mitbewohner, wie der SWR erfuhr. Im Juni 2016 hätten sie das Verhalten von Dasbar W., der sich selbst damals "Abdullah" nannte, als auffällig empfunden. Angeblich habe ihr Mitbewohner eine islamistisch geprägte Weltanschauung vertreten und ihnen islamistisch geprägte Lieder - sogenannte Naschids - auf YouTube vorgespielt. Als Dasbar W. kurz vor der Fußball EM in Frankreich in Erwägung zog, französisch zu lernen und nach Frankreich zu gehen, beschlossen die beiden Austauschstudenten zur Polizei zu gehen, da sie hinsichtlich der möglichen Planung eines Terroranschlags besorgt waren.

Zum ersten Mal war Dasbar W. im Oktober 2014 ins Visier der Sicherheitsbehörden geraten. Damals hatte er in Freiburg an der Koranverteilaktion "Lies" teilgenommen und laut Ermittlung Kontakt zu "staatsschutzrelevanten" Personen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war Dasbar W. unter permanenter Polizeiüberwachung. Trotz seines großen Misstrauens gelang es dem LKA Baden-Württemberg aber im September einen V-Mann an ihn heranzuführen, der von dem mutmaßlichen Anschlagsplan in Karlsruhe berichtete.

Marc Jüdt, Dasbar W.'s Anwalt, zweifelt an der Glaubwürdigkeit dieses V-Mannes: "Mein Mandant ist ein sehr verschlossener Mensch, der ausgerechnet einem Menschen, den er noch nie vorher gesehen hat, am ersten Tag Geheimnisse anvertraut, die er sonst niemandem anvertraut. Aber dieser Vertrauensperson soll er sofort sein Herz geöffnet haben. Warum? Hat er das einfach erfunden? Ich gehe davon aus, dass jeder, der die Akte liest, versteht, dass die VP nicht vertrauenswürdig ist."

Demgegenüber bekräftigt die Pressesprecherin des Generalbundesanwalts, Frauke Köhler, im Interview mit dem SWR noch einmal den dringenden Tatverdacht gegen Dasbar W., den IS unterstützt und einen Anschlag geplant zu haben. Dasbar W. sitzt weiter in Untersuchungshaft.

Zitate gegen Quellenangabe frei. Rückfragen bitte an die SWR-Redaktion Recherche Unit unter Tel. 06131/929 3 3202

OTS: SWR - Das Erste newsroom: http://www.presseportal.de/nr/75892 newsroom via RSS: http://www.presseportal.de/rss/pm_75892.rss2

Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Fünf deutsche Internet-Aktien, die Sie kennen sollten!

Das Gute liegt oft so nah. Heimische Internet-Unternehmen rollen den Markt auf. Im neuen Anlegermagazin erwartet Sie ein Special über deutsche Internet-Aktien, die Sie kennen sollten.
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX geht leichter ins Wochenende -- US-Börsen im Plus --Tesla auch bei Problemen rund um Model 3 im Visier der SEC -- Trump droht Türkei mit weiteren Sanktionen -- Rheinmetall, Bayer, Henkel im Fokus

Swiss Re bei Brückeneinsturz in Genua in der Pflicht. S&P senkt Ausblick für K+S auf negativ. Tesla-Chef kann womöglich auf Milde der Börsenaufsicht hoffen. Mehrere VW-Mitarbeiter im Abgas-Skandal möglicherweise vor Entlassung. Novo Nordisk kauft britischen Diabetes-Spezialisten.

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Die wertvollsten Marken der Welt
Welche Marke macht das Rennen?
Die teuersten Städte für Expats 2018
Hier ist das Leben für ausländische Fachkräfte besonders teuer
Der Financial Secrecy Index 2018
Die größten Schattenfinanzzentren der Welt
Die bestbezahlten Promis der Welt 2018
Bis zu 285 Millionen US-Dollar Verdienst
In diesen Berufen bekommt man das höchste Gehalt
Mit welchem Job verdient man am meisten?
mehr Top Rankings

Umfrage

Welche Kryptowährung hat das größte Zukunftspotenzial?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Saint-Gobain S.A. (Compagnie de Saint-Gobain)872087
Deutsche Bank AG514000
Apple Inc.865985
Daimler AG710000
TeslaA1CX3T
Scout24 AGA12DM8
Amazon906866
BayerBAY001
Steinhoff International N.V.A14XB9
Wirecard AG747206
Allianz840400
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
E.ON SEENAG99
BMW AG519000
Facebook Inc.A1JWVX