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19.12.2013 13:34
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US-Notenbank Fed drosselt Anleihekäufe

Die US-Notenbank Fed macht Ernst: Die geldpolitische Wende ist eingeleitet, erste Abstriche am extrem lockeren Kurs wurden beschlossen.
Das Volumen der monatlichen Anleihekäufe zum Ankurbeln der Wirtschaft sinkt von 85 auf 75 Milliarden US-Dollar. Das teilte die Fed am Mittwochabend nach ihrer zweitägigen Ratssitzung in Washington mit. Die Käufe von Staatsanleihen werden von 45 Milliarden auf 40 Milliarden Dollar reduziert, die Käufe von Immobilienpapieren von 40 auf 35 Milliarden Dollar.

Präsidenten der US-Notenbank

Janet Yellen

Janet Yellen, von Präsident Obama im Oktober 2013 als neue Fed-Chefin nominiert, steht der US-Notenbank seit Februar 2014 vor und ist damit die erste Frau an deren Spitze. Bereits seit 2010 hatte sie das Amt der Fed-Vizechefin inne und war damit Stellvertreterin des letzten Fed-Chefs Ben Bernanke, den sie beispielsweise bereits beim Notenbankertreffen in Jackson Hole im August 2013 vertreten hatte. Zuvor leitete sie die Federal Reserve Bank of San Francisco. Yellen gilt als Befürworterin einer lockeren Geldpolitik zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.

Ben Bernanke

Die Amtszeit von Ben Bernanke als Chef der amerikanischen Notenbank endete im Januar 2014. Er stand der Fed acht Jahre vor. Bevor er an die Spitze der Fed vorrückte, war Bernanke 2005 unter Präsident George W. Bush Vorsitzender des Rates der Wirtschaftsberater des Präsdienten. Ben Bernanke gilt als äußerst pragmatischer Ökonom und verfolgte über die sogenannte Quantitative Lockerung (Quantitative Easing) eine Politik des billigen Geldes. Er bekam von Kritikern daher auch den Spitznamen "Helikopter-Ben" verpasst, der ausdrücken soll, dass Bernanke im Falle einer Deflation sogar mit dem Hubschrauber Dollarscheine abwerfen würde.

Alan Greenspan

Alan Greenspan stand der US-Notenbank von August 1987 bis Januar 2006 vor. Der Sohn eines Börsenmaklers wollte eigentlich Musiker werden und entschied sich erst relativ spät für eine Laufbahn im Wirtschaftsbereich. 1974 wurde er vom Präsident Nixon zum Chef des Rates der Wirtschaftsberater ernannt. Ronald Reagan berief ihn dann schließlich 1987 zum Fed-Chef. Diesen Posten hatte Greenspan dann fast 10 Jahre unter vier verschiedenen US-Präsidenten inne, was zeigt, dass er ein hohes Ansehen genoss. Als Fed-Chef verfolgte er hauptsächlich eine Politik niedriger Zinssätze, war aber gegen feste Regeln für die Geldpolitik. Von Kritikern wurde während seiner Amtszeit oft bemängelt, dass Greenspan sich absichtlich unverständlich ausdrücken würde und dadurch die Märkte verwirre.

Paul Volcker

Paul Volcker war zunächst Vorsitzender der Federal Reserve Bank of New York, bevor er im August 1997 zum Fed-Chef berufen wurde. Er behielt dieses Amt bis August 1987. Seine Amtszeit lag in einer Periode der hohen Inflation - diese lag zeitweise bei 15 Prozent - der Volcker mit einem hohen Leitzins begegnete. Zeitweise hob er diesen auf über 20 Prozent an. Seine Maßnahmen brachten ihm mehrere Protestaktionen ein, zeigten aber Wirkung. Daneben arbeitete Volcker auch maßgeblich an der Aufgabe des Goldstandards nach dem Bretton-Woods-System mit. Paul Volcker gehört auch heute noch zum wirtschaftsplitischen Beraterstab von Präsident Barack Obama.

George William Miller

Die Ambitionen von George William Miller reichten weit über das Amt des Vorsitzenden der US-Notenbank hinaus. Daher war seine Amtszeit als Fed-Chef auch recht kurz: Sie reicht gerade einmal von März 1978 bis August 1979. Als Miller das Amt des Fed-Chefs antrat, war die US-Wirtschaft in einer schlechten Verfassung und litt unter einer hohen Inflation. Die von Miller durchgeführten Maßnahmen blieben jedoch ohne Erfolg. Im August 1979 wurde George Miller von Präsident Carter zum Finanzminister ernannt - ein Amt, auf das er bekanntermaßen hohe Ambitionen hatte. Doch auch als Finanzminister schlug seine Politik zur Bekämpfung der Inflation fehl.

Arthur Burns

Arthur Burns, Fed-Chef von 1970 bis 1978, wurde nicht in den USA sondern in Österreich-Ungarn geboren, seine Eltern wanderten mit ihm jedoch 1910 in die USA aus. Dort schaffte er es unter Präsident Eisenhower zum Vorsitzender des Rates der Wirtschaftsberater des Präsidenten und wurde 1970 von Präsident Nixon zum Fed-Chef ernannt. Auch in Deutschland war Arthur Burns hoch angesehen: Nach Ende seiner Amtszeit ware er bis 1985 Botschafter der Vereinigten Staaten in Bonn und erhielt für seine Verdienste um die deutsch-amerikanischen Beziehungen das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband.

William McChesney Martin

Wililam McChensney Martin war der am längsten amtierende Präsident der US-Notenbank. Er stand ihr von April 1951 bis Januar 1970 vor. Bereits sein Vater war an der Entwicklung des US-Reservesystems beteiligt und auch McChensney Martin interessiert sich bereits früh für geldpolitische Themen. Bevor er von Präsident Truman zum Fed-Chef berufen wurde, war er beispielsweise der Vertreter der USA in der Weltbank. Als Chef der amerikanischen Notenbank bemühte sich William McChesney Martin vor allem um eine niedrige Inflationsquote und die Dollarstabilität.

Und dies dürfte erst der Anfang sein: Weitere Schritte bei der Rückführung der Anleihekäufe seien möglich, betonte die Fed. Ein vorbestimmtes Tempo gebe es dabei nicht. Der Ende Januar scheidende Notenbankchef Ben Bernanke nannte bei der Pressekonferenz allerdings eine monatliche Kürzung um zehn Milliarden Dollar als Option. Sollte diese Tempo so umgesetzt werden, dann würden die Anleihekäufe Ende 2014 auslaufen. Finanzanalysten hatten mehrheitlich erst im nächsten Jahr mit dem Beschluss einer Drosselung gerechnet. Allerdings war eine knappe Entscheidung im geldpolitischen Rat der Notenbank erwartet worden.

GELDPOLITIK DÜRFTE NOCH LANGE LOCKER BLEIBEN

Zugleich betonten die Währungshüter, dass die Geldpolitik noch lange locker bleibt. Die erste Zinserhöhung stellen sie erst 2015 in Aussicht. Ihren Arbeitsmarktausblick hob die Fed leicht an: Die Erwerbslosenquote dürfte demnach Ende 2014 zwischen 6,6 und 6,3 Prozent liegen. Im September hatte die Notenbank noch eine Quote zwischen 6,8 und 6,4 Prozent prognostiziert. Die deutlich verbesserte Lage am Arbeitsmarkt sei der Hauptgrund dafür, die Anleihekäufe zu reduzieren, sagte Bernanke. Er verwies zudem auf verbesserte US-Konjunkturdaten. Aber auch international habe sich die wirtschaftliche Lage gebessert.

Die Fed bekräftigte ihr Versprechen, die Zinsen frühestens anzuheben, wenn die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist. Eine Zinserhöhung werde aber auch erst nach einiger Zeit, nachdem die Quote unter diese Marke gefallen ist, erfolgen, sagte Bernanke. Derzeit liegt sie bei 7,0 Prozent - dem tiefsten Stand seit fünf Jahren. Bernanke betonte aber, dass für eine Zinsanhebung auch die anderen Daten stimmen müssten. Als eine Gefahr für die Wirtschaft werde die niedrige Inflation unter 2,0 Prozent betrachtet. Der Leitzins, zu dem sich Banken bei der Fed frisches Geld besorgen können, wurde zwischen null und 0,25 Prozent bestätigt. Auf diesem Rekordtief liegt er seit Ende 2008, als sich die schwere Finanzkrise ausbreitete.

SCHOCK AN FINANZMÄRKTEN BLEIBT AUS

An den Finanzmärkten blieb der befürchtete Schock nach den Fed-Entscheidungen weitgehend aus. Am stärksten war die Reaktion am Devisenmarkt. Nach einer kleinen Berg- und Talfahrt geriet der Euro unter merklich Druck. Er sank unter die Marke von 1,37 US-Dollar und fiel auf ein Tagestief von 1,3675 Dollar. Vor den Entscheidungen hatte er noch bei 1,3760 Dollar notiert.

Die US-Aktienmärkte haben sogar mit deutlichen Gewinnen auf die geldpolitischen Entscheidungen der Notenbank Fed reagiert. Der Dow Jones Industrial (Dow Jones) zog nach einem zuvor weitgehend richtungslosen Handel merklich an und ging mit plus 1,84 Prozent bei 16 167,97 Punkten aus dem New Yorker Handel. Marktstratege Craig Erlam vom Broker Alpari UK sagte, mit der Entscheidung habe man rechnen können - die Konjunkturdaten hätten kleine Abstriche an den Anleihekäufen klar unterstützt. Die Kurse von länger laufenden US-Staatsanleihen gerieten unter Druck.

EXPERTE: DROSSELUNG KEIN 'HÄSSLICHES GESCHENK'

Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research sagte, die geldpolitische Drosselung komme dennoch nicht als "hässliches Geschenk" unter den Weihnachtsbaum, "da die Maßnahmen sehr sanft bleiben". Dies sollte die Finanzmärkte und besonders Aktieninvestoren stressfrei ins neue Jahr entlassen.

Bis zuletzt hatte die Fed Monat für Monat Milliarden Dollar aus der Notenpresse gezogen, um sie über Käufe von Staats- und Immobilienpapieren in den Finanzsektor zu pumpen und damit die Konjunktur anzukurbeln. Die Liquiditätsflut soll die Zinsen niedrig halten und so Anreize für Kreditvergabe und Investitionen setzen.

ROBUSTE KONJUNKTUR UND JOB-AUFSCHWUNG

Die wirtschaftliche Erholung lässt jedoch einen Abbau der konjunkturellen Stützen zu: Das US-Wachstum hat wieder deutlich Fahrt aufgenommen, im dritten Quartal legte die Wirtschaftsleistung auf das Jahr hochgerechnet um satte 3,6 Prozent zu.

Auch an der Job-Front hat sich die Lage in den vergangenen Monaten erheblich entspannt. Die Notenbank richtet ihre Geldpolitik stark am Arbeitsmarkt aus, anders als beispielsweise die EZB muss die Fed nicht nur für stabile Preise sorgen, sondern auch für Vollbeschäftigung. "Wir sind mit dem doppelten Mandat gut gefahren", sagte Bernanke. Derzeit würden aber beide Seiten des Mandat für eine weiterhin lockere Geldpolitik sprechen.

BEIGELEGTER HAUSHALTSSTREIT NIMMT DRUCK VON DER FED

Wegen der fortschreitenden Erholung der US-Wirtschaft hatten bereits im September viele Ökonomen erwartet, dass die Fed den Anfang vom Ende ihrer Politik des ultrabilligen Geldes einläutet. Damals scheuten die Währungshüter jedoch davor zurück, weil die Folgen des erbitterten Budgetkonflikts im US-Senat nicht abzusehen waren. Durch den Kompromiss zwischen Demokraten und Republikanern wurde dieses Hindernis aber aus dem Weg geräumt. Die Risiken durch die von Streit geprägte Haushaltspolitik in den USA seien zurückgegangen, sagte Bernanke. "Es war nett diese Einigung zu sehen." Die Haushaltspolitik sei eine große Belastung für das Wirtschaftswachstum gewesen.

Der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik gilt als eine extrem schwierige Aufgabe. Das Risiko dabei ist, dass die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft mit Nervosität reagieren und die Konjunktur einen Rückschlag erleidet.

YELLEN UNTERSTÜTZT ENTSCHEIDUNG

Die Fed-Entscheidungen kommen kurz vor dem Ende von Bernankes Amtszeit als Notenbankchef. Ab Februar 2014 soll seine designierte Nachfolgerin Janet Yellen die Zügel in der Hand halten. Die 67-Jährige war bislang Vize-Chefin der Zentralbank. Bernanke betonte, dass die Entscheidungen nichts mit dem anstehenden Wechsel an der Spitze der Notenbank zu tun habe. Yellen habe die Entscheidungen umfänglich mitgetragen. Gegen die Entscheidung hatte nur Eric Rosengreen gestimmt, der sich für eine unverminderte Fortsetzung der Anleihekäufe aussprach./hbr/jsl/men/mcm/she

WASHINGTON/FRANKFURT (dpa-AFX)

Platz 7: William McChesney Martin

Wililam McChensney Martin war der am längsten amtierende Präsident der US-Notenbank. Er stand ihr von April 1951 bis Januar 1970 vor. Bereits sein Vater war an der Entwicklung des US-Reservesystems beteiligt und auch McChensney Martin interessiert sich bereits früh für geldpolitische Themen. Bevor er von Präsident Truman zum Fed-Chef berufen wurde, war er beispielsweise der Vertreter der USA in der Weltbank. Als Chef der amerikanischen Notenbank bemühte sich William McChesney Martin vor allem um eine niedrige Inflationsquote und die Dollarstabilität.

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