Lufthansa-Aktie etwas leichter: Neues Stopover-Programm und Tarif-Update - steckt hier mehr Potenzial?

Die Lufthansa bringt neue Angebote an den Start und schaltet ihre Tarifstruktur live. Doch die Aktie reagiert bislang kaum - unterschätzt der Markt den strategischen Hebel?
Werte in diesem Artikel
• Neues Stopover-Programm erweitert Erlösquellen über den Flug hinaus
• Tarifstruktur jetzt live: stärkere Preisdifferenzierung und Upselling-Potenzial
• Aktie tritt auf der Stelle - Analysten sehen dennoch moderates Aufwärtspotenzial
Lufthansa baut Zusatzgeschäft aus
Die Deutsche Lufthansa AG geht den nächsten Schritt in Richtung Plattform-Ökonomie. Wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung mitteilt, können Passagiere auf USA- und Singapur-Verbindungen ihren Zwischenstopp in München künftig auf bis zu sieben Tage ausdehnen.
Der entscheidende Punkt liegt im Detail: Zusatzleistungen wie Hotels, Mietwagen oder Freizeitangebote lassen sich direkt im Buchungsprozess integrieren. Lufthansa verschiebt sich damit stärker in Richtung margenstärkerer Nebenumsätze.
Heiko Reitz, Bereichsvorstand Lufthansa Airlines, formuliert es klar: "Mit unserem neuen Stopover-Programm machen wir den Umstieg in München zu einem echten Mehrwert für unsere Gäste." Für Investoren dürfte das vor allem eines bedeuten: mehr Kontrolle über die Wertschöpfungskette. Noch ist das Programm auf München und ausgewählte Strecken begrenzt. Die geplante Ausweitung auf weitere Drehkreuze deutet jedoch auf Skalierungspotenzial hin.
Neue Tarifstruktur jetzt sichtbar
Parallel dazu hat Lufthansa ihre überarbeitete Tarifstruktur inzwischen vollständig in die Buchungssysteme integriert. Einem Bericht von "meilenoptimieren.com" zufolge sind die neuen Tarife seit dem 28. April sichtbar und gelten für Reisen ab dem 19. Mai.
Kern der Anpassung ist ein neuer Economy Basic-Tarif ohne großes Handgepäck, während bestehende Tarife umbenannt und in ihren Leistungen angepasst wurden. Insgesamt wird das System damit kleinteiliger und stärker entbündelt.
Für Kunden sinken die Einstiegspreise auf den ersten Blick. Gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Zusatzleistungen kostenpflichtig hinzugebucht werden. Die Lufthansa dürfte damit ein Ziel verfolgen: höhere Durchschnittserlöse pro Passagier trotz scheinbar günstiger Tickets.
Verhandlungen mit Gewerkschaft Ufo wieder aufgenommen
Zudem haben Lufthansa und die Kabinengewerkschaft Ufo den Gesprächsfaden nach dem großen Streik wieder aufgenommen. Das Unternehmen bestätigte Informationen der Spartengewerkschaft, dass man in einen "extern moderierten Prozess" eingestiegen sei. Dort sollen laut Ufo-Mitteilung Fragen der Zusammenarbeit und des Umgangs miteinander diskutiert werden.
Der Prozess diene explizit nicht der Klärung tariflicher Fragen, heißt es in einer Mitteilung an die Ufo-Mitglieder. "Wir knüpfen einen gewissen Glauben daran, dass die Klärung scheinbarer Nebensächlichkeiten Verhärtungen lösen kann und daraus möglicherweise Impulse für die nachfolgende inhaltliche Auseinandersetzung entstehen", schreibt die UFO-Führung. Diese Chance wolle man sich nicht entgehen lassen, obwohl es auch "sehr gut vorstellbar" sei, dass der Versuch krachend scheitere.
Wechsel-Streik mit den Piloten
Die Ufo hatte im Wechsel mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit die Kerngesellschaft Lufthansa sowie die Regionaltochter Cityline bestreikt. Die Ufo-Mitglieder hatten dabei im April drei Tage lang die Arbeit niedergelegt und ihren Protest auch auf die 100-Jahr-Feier der Lufthansa getragen. Tariflich ging es um Arbeitsbedingungen nach dem Manteltarif und um einen Sozialplan für die vor der Einstellung stehende Cityline.
An allen drei Streiktagen sind hunderte Flüge ausgefallen, und zehntausende Passagiere mussten auf anderen Wegen zum Ziel kommen. Der Konzern hatte noch vor dem letzten Streiktag die Cityline überraschend geschlossen und deren Flüge aus dem Lufthansa-Flugplan genommen.
Aktie reagiert verhalten - Analysten zögerlich
An der Börse verpuffen die operativen Anpassungen bislang. Die Lufthansa-Aktie zeigt sich im XETRA-Handel zeitweise 0,62 Prozent tiefer 7,10 Euro.
Auch das Analystenbild bleibt abwartend: Von zehn via TipRanks erfassten Einschätzungen entfallen zwei auf "Buy", sieben auf "Hold" und eine auf "Sell". Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 7,95 Euro und signalisiert ein moderates Aufwärtspotenzial von rund 11 Prozent zum letzten Schlusskurs.
Der Markt scheint daher die Maßnahmen aktuell eher als inkrementelle Optimierung denn als strukturellen Wendepunkt einzuordnen.
Was bedeuten die Maßnahmen für Anleger?
Strategisch könnten beide Initiativen in eine ähnliche Richtung zielen: eine stärkere Monetarisierung pro Kunde bei zugleich flexiblerer Preisgestaltung.
Das Stopover-Programm würde zusätzliche Erlösquellen jenseits des Flugtickets eröffnen, während die neue Tarifstruktur die Zahlungsbereitschaft differenzierter abschöpfen könnte. Beides gilt grundsätzlich als potenzieller Hebel zur Margenverbesserung im Airline-Geschäft.
Entscheidend dürfte sein, ob sich diese Ansätze tatsächlich in höheren Erlösen pro Passagier niederschlagen. Andernfalls könnten die Maßnahmen eher als begrenzte Optimierungen wahrgenommen werden.
Benedict Kurschat, Claudia Stephan, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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