Aktienneulinge per SPAC mit Comeback: Quantencomputing-Unternehmen streben in Scharen an die Börse

Der Trend per SPAC an die Börse zu gehen, feiert ein Comeback. Besonders auffällig ist dabei die hohe Rate an Quantencomputing-Unternehmen, die diesen Weg gehen.
Werte in diesem Artikel
• SPACs feiern Comeback
• Quantencomputing-Unternehmen profitieren
• Investment in Quanten-SPAC bleibt risikoreich
Börsengänge per SPAC erleben ein Comeback. Bei einem SPAC, kurz für Special-Purpose Acquisition Company, handelt es sich um ein Unternehmen, das im Grunde eine leere Börsenhülle ist. Der einzige Zweck besteht darin, an der Börse zu sein und Investorengeld zu sammeln, um damit bei Bedarf mit einem anderen bestehenden Unternehmen zu fusionieren oder dieses zu übernehmen und diesem damit quasi durch die Hintertür aufs Börsenparkett zu verhelfen.
Nachdem sich diese Möglichkeit eines Börsengangs vor einigen Jahren noch großer Beliebtheit erfreute, hatte sich der Trend dann schnell wieder abgekühlt. In 2026 feiert der SPAC-Börsengang jedoch ein Comeback, erklärt Finanzprofessor Jay Ritter von der University of Florida laut Barron’s. Er spricht dabei von rund 20 SPAC-IPOs im Monat, die vollzogen werden würden.
Quantencomputing-Unternehmen besonders häufig mit SPAC-Börsengang
Dabei gibt es insbesondere einen Unternehmenssektor, bei dem ein SPAC auf große Beliebtheit trifft: der Sektor des Quantencomputings. So haben die Branchengrößen D-Wave Quantum, Rigetti Computing sowie IonQ innerhalb der letzten fünf Jahre allesamt den Sprung aufs Börsenparkett per SPAC gewagt.
In 2026 haben sich bereits drei neue Quanten-Unternehmen dem SPAC-Trend angeschlossen: Im Februar gelang Infleqtion das Börsendebüt über die Abkürzung, gefolgt von Horizon Quantum im März. Ende desselben Monats folgte dann noch Xanadu Quantum Technologies.
Derweil ist in diesem Jahr noch mindestens ein weiteres Quanten-SPAC geplant. So strebt IQM aufs Börsenparkett mittels Fusion mit dem Börsenmantel Real Asset Acquisition, wie das Unternehmen im April bekannt gab.
Keinen SPAC-Börsengang, sondern ein traditionelles IPO peilt derweil Quantinuum an, eine Tochter von Honeywell International und eines britischen Startups. Wie Barron’s mit Verweis auf Insider schreibt, könnte auch dieser Börsengang noch in 2026 erfolgen.
Warum jetzt?
Angesichts der Tatsache, dass es letztes Jahr nicht einen einzigen SPAC-Börsengang im Quantencomputing-Bereich gab, stellt sich die Frage, warum es in 2026 zu einem regelrechten Boom kommt. Eine mögliche Antwort liegt in dem Hype, den Quanten-Aktien insbesondere im letzten Jahr erfahren haben. So versuchen Quantentechnologie-Spezialisten diese Begeisterung nun für sich zu nutzen, auch wenn der Höhepunkt der Euphorie möglicherweise bereits überschritten wurde.
Das suggeriert ein Blick in die Kursentwicklung der D-Wave Quantum-Aktie: Im Jahr 2025 konnte sich die D-Wave Quantum-Aktie im Wert mehr als verdreifachen. Seit Jahresstart 2026 ging es derweil an der NYSE mehr als 30 Prozent auf zuletzt 18,27 US-Dollar nach unten (Schlusskurs vom 29.4.2026).
Zugang zu Kapital
Dass es häufig Quantencomputing-Unternehmen sind, die einen SPAC-Börsengang für ihr Debüt wählen dürfte an der Tatsache legen, dass sich viele von ihnen noch in den Anfängen der Kommerzialisierung befinden. So meint Xandau-CEO Christian Weedbrook gegenüber Barron’s: "Das bedeutet Zugang zu Kapital" und weiter "der öffentliche Markt ist weitaus größer als der private Markt, und man bräuchte keinen Zugang zu diesem umfangreichen Kapital, wenn man nicht bereit wäre, zu skalieren."
Auch Wasiq Bokhari vom Quantenunternehmen Pasqal meint, dass die bevorstehende SPAC-Fusion des Unternehmens und der anschließende Börsengang der erste Schritt auf dem Weg zu einer wirklich globalen Präsenz seien. "Was den Zugang zu Kapital und die Kapitaltiefe angeht, sind die US-Märkte die führenden Märkte", so Bokhari laut Barron’s. "Ich denke, das ist allgemein bekannt."
Gleichzeitig könnte auch der Erfolg bereits börsennotierter Quantenunternehmen ein Grund dafür sein, auch andere Branchenvertreter zum Börsengang zu ermutigen. So hat es IonQ im Jahr 2025 als erstes "reines" Quantenunternehmen geschafft, einen GAAP-Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen US-Dollar zu generieren, was für eine konkrete Kundennachfrage spricht.
Risikoreiche Investments
Trotzdem bleibt ein Investment in Quantenaktien aufgrund ihrer Volatilität risikoreich, wie sich auch an der Aktienentwicklung von IonQ zeigt: In den letzten 52 Wochen weist der Anteilsschein an der NYSE eine Spanne zwischen 25,89 US-Dollar und 84,64 US-Dollar auf. Zuletzt notierte das Papier bei 42,11 US-Dollar (Schlusskurs vom 29.4.2026).
Immerhin: Die Börsenneulinge Xanadu und Infleqtion haben jüngst positive Analystenratings bekommen, wie Barron’s schreibt. So stuft Citi Research Infleqtion mit "Buy" ein, während Northland Capital Markets Xanadu mit "Outperform" bewertet.
Wer die Chance nutzen und bei einem SPAC investieren will, sollte sich des Risikos bewusst sein. Wie Ritter gegenüber Barron’s verlautet, würden die meisten SPACs "nach der Fusion massive Rücknahmen und starke Kursverluste" erleben. Anleger würden jedoch "aufgrund der hohen Rücknahmequoten am öffentlichen Markt in der Regel nicht viel Geld" verlieren.
Konkret hat der Experte Daten von SPACs aus den letzten fünf Jahren zusammengetragen, die zeigen, dass die fusionierten börsennotierten Unternehmen in den zwölf Monaten nach der Fusion im Schnitt 60 Prozent an Wert verloren hätten. Hinzu kommt im speziellen Bereich des Quantencomputings, dass diese Branche generell schwer vorhersehbar sei, da keines der bereits börsennotieren Quantenunternehmen bisher profitabel ist. Auch die kommerziellen Anwendungsmöglichkeiten der Technologie sind noch begrenzt, es zeichnet sich aber eine Tendenz nach oben ab. Dennoch bleibt ein Quanten-Investment vorrangig spekulativ, argumentiert Barron’s.
Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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