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02.01.2005 00:32
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Todeswelle: Die Flut und das Geld (EusramS)

Die Katastrophe in Südostasien hat unermeßliches Leid verursacht. Die Folgen für die Volkswirtschaften der betroffenen Länder jedoch sind begrenzt. Es mag zynisch klingen: Aber die Börsen in Indien oder Indonesien steigen weiter.

von Stephan Bauer

Zertrümmerte Hotels, verzweifelte Menschen, Leichenberge. Was die Killerwelle an den Küsten des Indischen Ozeans anrichtete, ist auch nach den Worten von Bundeskanzler Gerhard Schröder die "schlimmste Naturkatastrophe seit Menschengedenken". Die gemeldeten Opferzahlen steigen an wie die Wasserwand, die vom offenen Meer auf Strände von Sumatra bis nach Afrika zurollte: Zunächst war von 2000, später von 20000 Toten die Rede. Die offiziellen Schätzungen der betroffenen Staaten wie Indien, Sri Lanka, Somalia, Thailand oder Indonesien summieren sich zuletzt auf über 120000 Menschen, die in Wassermassen und Trümmern starben. Auch zahlreiche Deutsche sind darunter. Über 1000 werden bis dato vermißt. "Wir müssen mit einer dreistelligen Zahl von Toten rechnen", sagt Kanzler Schröder.

Das Grauen ist damit noch nicht vorüber. Schon warnt die Weltgesundheitsorganisation vor dem Ausbruch von Seuchen. Es wird wohl kein Trost für die Betroffenen sein: Die wirtschaftlichen Folgen dieser Naturkatastrophe halten sich trotz des unermeßlichen Leids in recht engen Grenzen. Erste Zahlen gibt es etwa aus Indonesien: Die Regierung beziffert den Schaden im Land auf 750 Millionen Euro. Thailand spricht von einer Milliarde. Der weltgrößte Rückversicherer, die Münchener Rück, wagte die erste zusammenfassende Prognose. Demnach werden die volkswirtschaftlichen Schäden der Todeswelle die Marke von zehn Milliarden Dollar übersteigen.

Verglichen mit anderen großen Naturkatastrophen ist dies nicht besonders viel. Im August und September 2004 richteten die Hurrikane Charley, Ivan und Frances in den Volkswirtschaften der USA und den betroffenen Karibik-staaten Schäden in Höhe von rund 50 Milliarden Dollar an. Doch zum Glück kosteten die verheerenden Stürme nicht mehr als 200 Menschenleben. "Hier sehen wir eine menschliche Tragödie, weniger eine für die Wirtschaft", beschreibt Asien-Experte Grant Yun Cheng von der Fondsgesellschaft DIT die Lage in Südostasien. Verwüstet sind im wesentlichen schmale Küstensäume in den Anrainerstaaten des Ozeans. "Es wurden keine industriellen Kerne betroffen", sagt Cheng.

Wirtschaftlich traf die Todeswelle vornehmlich "Fischerei und Touristenzentren. "Am schlimmsten sind die Malediven dran", sagt Maria Lanzeni, Analystin für Schwellenländer bei der Deutschen Bank. Die Volkswirtschaft des Urlaubsparadieses schöpft ein Drittel ihrer Leistung aus dem Tourismus. Viele Ressorts sind total zerstört. Die Atolle der Inselgruppe liegen meist nur einige Meter über dem Meeresspiegel. Ähnlich schlimm ist die Situation in Sri Lanka. Das Land ist arm, die Wirtschaft schwach und in hohem Maße abhängig vom Fremdenverkehr. "Der Tourismus trägt hier etwa ein Fünftel der Wirtschaft", sagt DIT-Experte Cheng. An der Börse in Colombo schlug die Flut denn auch vergleichsweise hohe Wellen: Der Leitindex Aspi fiel um bislang rund vier Prozent. Recht überraschend ist dagegen die moderate Reaktion der Börse in Bangkok. Thailands Seti verharrte nach dem Seebeben auf seinem Niveau. Und das, obwohl immerhin rund fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus dem Tourismus stammen. Doch trotz der grausamen Meldungen etwa aus Khao Lak, wo vermutlich Hunderte deutscher Touristen starben, bei weitem nicht die gesamte Tourismus-Industrie des Landes ist beschädigt. "Phuket und die Westküste der darüberliegenden Halbinsel tragen nicht mehr als 40 Prozent der Fremdenverkehrseinkünfte des Landes", sagt Deutsche-Bank-Analystin Lanzeni.

Hinzu kommt: Die Wirtschaft des Landes brummt. "Wir rechnen mit 5,2 Prozent Wachstum in diesem Jahr", sagt DIT-Experte Cheng. Die Schäden durch die Flut sollten den Boom nicht entscheidend beeinträchtigen. "Etwa 0,5 Prozentpunkte Wachstum könnte die Katastrophe kosten", schätzt Cheng. Und die Chancen für eine Wiederwahl der wirtschaftsfreundlichen Regierung sind laut Cheng nach der Katastrophe gestiegen. "Das hat man bereits nach der Oderflut in Deutschland gesehen. Naturkatastrophen steigern die Wahrscheinlichkeit einer Bestätigung der Regierung", sagt Cheng. Das wäre wohl positiv für den Seti.

In Indien sahen Anleger nach der Flut sogar steigende Kurse. Börsianer schauen eben nach vorne. Und in der Zukunft sind offensichtlich keine größeren Schäden für die indische Volkswirtschaft zu erkennen. "Die Wirtschaft in Indien ist stark wie die Thailands. Die Länder werden sich rasch wieder erholen", sagt Elke Schöppl, Asien-Expertin bei Union Investment. Der Kontrast zwischen Emotionen und nüchternem Kalkül ist nirgends so groß wie in Indonesien. Allein auf der dem Epizentrum des Bebens nächstgelegenen Insel Sumatra sind Zehntausende getötet worden. Das Land weist mit unfaßlichen 80000 Toten die höchsten Verluste aus. Umso drastischer wirkt die Reaktion der Börse in Jakarta: Der Index legte nach dem Beben um zwei Prozent zu. "Die Wirtschaft ist eben kaum betroffen", stellt Experte Cheng fest. Mit bis zu einem Jahr für den Wiederaufbau der zerstörten Gebäude und der Infrastruktur in der Katastrophenregion rechnet Deutsche-Bank-Analystin Lanzeni. Die Sachschäden werden also recht schnell behoben sein. Zudem sollten die Investitionen die Flutfolgen mildern. "Die Schäden werden durch Ausgaben für Wiederaufbau und die vermutlich rasche Rückkehr der Touristen gedämpft", sagt Ping Chew, Analyst der Ratingagentur Standard & Poor's.

Unbeeindruckt von der Flut zeigten sich auch die Versicherer im DAX. Die Kurse von Unternehmen wie Allianz oder Münchener Rück reagierten kaum. Der Grund: Das Gros der Schäden ist gar nicht versichert. Die Versicherer treffen deshalb wohl nur verhältnismäßig geringe Belastungen. Auf unter 100 Millionen Euro beziffert etwa die Münchener Rück ihre Schäden durch die Katastrophe. Dies senkt nach Schätzung der Bank Merck Finck den Nettogewinn 2004 um maximal vier Prozent. Am heftigsten hat es im Dax mit einem Wochenminus von rund drei Prozent die Aktie der TUI erwischt. Der Reisekonzern hat rund 2000 Touristen in der Krisenregion. "Wir sehen Schäden im niedrigen einstelligen Millionenbereich", sagt eine Sprecherin. "Dies sollte aber keine nachhaltigen Kurseffekte haben", beruhigt Analyst Robert Heberger von Merck Finck. Stärker noch als die TUI ist Thomas Cook betroffen. Der zu KarstadtQuelle und zur Lufthansa gehörende Reisekonzern verlor zahlreiche Hotels an den Stränden von Phuket und Khao Lak. Rund 3000 Kunden urlaubten in den betroffenen Gebieten. Seit Montag flogen die Düsseldorfer bereits über 2000 Gäste zurück. Kostenschätzungen von Thomas Cook gab es noch nicht. Auch hier blieb eine Reaktion der Börse bislang aus: Die Papiere von Lufthansa und Karstadt reagierten kaum.

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