14.02.2018 12:51
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Totgesagte leben länger - Stahl lässt Thyssen glänzen -

DRUCKEN

- von Tom Käckenhoff

Düsseldorf (Reuters) - Der Traditionskonzern Thyssenkrupp treibt trotz florierender Stahl-Geschäfte die Abspaltung der Sparte in ein Joint Venture mit Tata Steel voran.

"Ja, Stahl läuft besser", sagte Finanzchef Guido Kerkhoff am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalszahlen. Das Geschäft mit dem Werkstoff sei aber nun einmal stark schwankend. "Da haben Sie mal gute und da haben Sie mal schlechte Zeiten." An den Fusions-Plänen ändere dies nichts. Im ersten Quartal des bis Ende September laufenden Geschäftsjahres konnte Thyssenkrupp seinen operativen Gewinn um 52 Prozent auf 444 Millionen Euro steigern. Steel Europe kam auf 160 Millionen Euro - fast sechsmal soviel wie vor Jahresfrist.

Damit ist das Stahl-Geschäft dank der gestiegenen Preise wieder eine wesentliche Stütze des Konzerns. Nur die Aufzugssparte - seit Jahren die Ertragsperle des Mischkonzerns - fuhr mit 220 Millionen Euro noch mehr ein. Auch Weltmarktführer ArcelorMittal, Salzgitter und Voestalpine hatten zuletzt Optimismus verbreitet. Kerkhoff will sich von den guten Zahlen nicht täuschen lassen. Man wolle mit dem Joint Venture dem Problem der Überkapazitäten begegnen. "Das ist relativ unabhängig von dem Zyklus, ob man da oben oder unten ist."

HIESINGER WILL STAHLFUSION BIS ENDE DES JAHRES ABSCHLIESSEN

Die Stahlkocher des Konzerns waren im vergangenen Jahr zu Tausenden auf die Straße gegangen und hatten gegen die Fusionspläne von Konzernchef Heinrich Hiesinger protestiert. "Stop Stahl-Exit" und "Stahl ist Zukunft", hießen die Parolen. Inzwischen hat die IG Metall mit dem Management einen Tarifvertrag vereinbart, der eine Beschäftigungsgarantie für neun Jahre enthält. Ihre Zustimmung zu dem Joint Venture im Aufsichtsrat machen die Arbeitnehmervertreter allerdings noch vom Ergebnis zweier Gutachten abhängig, die unter anderem die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Unternehmens unter die Lupe nehmen sollen. Thyssen und Tata wollten die Transaktion bis Jahresende abschließen, bekräftigte Kerkhoff.

Ungemach droht dem Stahlgeschäft jedoch aus den USA. US-Präsident Donald Trump will im Rahmen seiner "America first"-Politik in den nächsten Wochen über Importbeschränkungen für Stahlimporte entscheiden. Thyssenkrupp liefert zwar rund zwei Drittel seiner Mengen an Kunden in einem Umkreis von 500 Kilometern um den Hauptstandort Duisburg. Das Geschäft mit Blechen für die Automobil- und Verpackungshersteller in den USA ist aber auch ein wichtiges Standbein.

BESCHRÄNKUNGEN IN USA KÖNNTEN EUROPA UNTER DRUCK SETZEN

Selbst wenn deutsche Konzerne nicht von Trumps Zöllen betroffen wären, könnten sie in Europa unter weiteren Druck von Importen aus Asien geraten. Protektionistische Maßnahmen seien der falsche Weg, um auf die massiven Verzerrungen auf den internationalen Stahlmärkten zu reagieren, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff. "Sollte der weltweit größte Stahlimportmarkt abgeschottet werden, wäre mit erheblichen Handelsumlenkungseffekten zulasten der offenen Märkte in Europa zu rechnen."

Hiesinger setzt seit seinem Amtsantritt 2011 statt auf Stahl verstärkt auf die Technologiegeschäfte mit Aufzügen, Autoteilen, Großanlagen oder U-Booten. "Mit dem Umbau von Thyssenkrupp zu einem starken Industriekonzern kommen wir weiter gut voran", sagte der Manager am Mittwoch. Er bekräftigte die Prognose, wonach der operative Gewinn im Geschäftjahr auf 1,8 bis 2.0 Milliarden Euro nach zuletzt 1,7 Milliarden steigen soll.

Sorge bereitet weiter die Sparte Industrial Solutions mit dem schwächelnden Anlagenbau. Ihr Ergebnis schrumpfte von Oktober bis Ende Dezember auf zwölf Millionen Euro von 42 Millionen im Vorjahreszeitraum. "Bei Industrial Solutions sind wir mit der Sanierung und dem Stellenabbau planmäßig unterwegs", sagte Finanzvorstand Kerkhoff. Die größten Effekte würden sich aber erst im zweiten Halbjahr zeigen. Der Thyssenkrupp-Aktie half das kaum. Sie notierte zeitweise 1,4 Prozent im Minus. Das erste Quartal zeige, dass in dieser Sparte eine schnelle Erholung nicht in Sicht sei, hieß es bei den Analysten vom Bankhaus Lampe.

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