Trotz höherem Kursziel

Intel-Rally unter Vorbehalt: Warum die Bank of America trotz Kurssprungs skeptisch bleibt

11.05.26 22:07 Uhr

Trotz Rekordrally: Warum Analysten NASDAQ-Riese Intel-Aktie weiter kritisch sehen | finanzen.net

Die Intel-Aktie erlebt 2026 eine historische Rallye. Doch trotz des massiven Kursanstiegs warnt die Bank of America vor ungelösten Problemen im Kerngeschäft.

Werte in diesem Artikel

• Intel-Aktie mit massiver Rally im Jahr 2026
• BofA sieht weiter Risiken bei Foundry-Strategie
• Konkurrenzdruck durch AMD und NVIDIA bleibt hoch

Die Aktie des US-Halbleitergiganten Intel verzeichnete zuletzt eine deutliche Rally an den Finanzmärkten. Allein am vergangenen Freitag legte das Papier an der NASDAQ um 13,49 Prozent zu und schloss bei 124,92 US-Dollar. Und auch am Montag setzte sich der Trend fort: An der NASDAQ ging es letztlich weitere 3,62 Prozent auf 129,44 US-Dollar nach oben.

Damit setzt sich ein außergewöhnlicher Trend fort, der Intel im bisherigen Jahresverlauf ein Kursplus von 238,54 Prozent bescherte. Trotz dieser Rally sehen die Analysten der Bank of America (BofA) weiterhin erhebliche Risiken. In einer aktuellen Studie, über die das Finanzportal Investing.com berichtet, untermauern die Experten ihre vorsichtige Haltung und warnen davor, den Kursanstieg als endgültige fundamentale Trendwende zu werten. BofA bleibt beim Rating "Underperform" mit einem Kursziel von 96 US-Dollar, was mit Blick auf den Schlusskurs vom Freitag ein Abwärtspotenzial von rund 23 Prozent bedeutet.

Strukturelle Hürden im Kerngeschäft

Die fundamentale Skepsis der BofA-Analysten bleibt trotz des Kursanstiegs bestehen, da die tiefgreifenden Herausforderungen in Intels Kerngeschäft weiterhin ungelöst erscheinen. Während Wettbewerber in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI) und hochmoderne Rechenzentren massiv profitieren, befindet sich Intel mitten in einer kostspieligen Transformation des Geschäftsmodells. Das Wall Street Journal hatte am Freitag berichtet, dass Apple und Intel eine vorläufige Einigung erzielt haben, wonach der Chiphersteller einen Teil der Chips fertigen soll, die Apple-Geräte antreiben. BofA schätzt, dass die Vereinbarung auf der Grundlage eines Anteils von rund 25 Prozent an Apples Chip-Volumen bis zum Jahr 2030 letztlich jährliche Foundry-Umsätze in Höhe von etwa 10 Milliarden US-Dollar für Intel generieren könnte. "Während die Gespräche voraussichtlich noch andauern, gehen wir davon aus, dass dies im Zusammenhang mit früheren Äußerungen des INTC-Managements steht, wonach Intel Foundry mit Kunden über die Fertigung ARM-basierter Prozessoren (wie etwa Apple-SoCs) im Austausch steht", erklärten die BofA-Analysten unter der Leitung von Vivek Aryas.

Marktanteilsverluste und Wettbewerbsdruck

Ein weiterer kritischer Punkt der Analyse ist der anhaltende Druck durch Konkurrenten wie AMD und NVIDIA. Besonders im margenstarken Segment der Server-Prozessoren hat Intel zuletzt Marktanteile abgeben müssen. Die Bank of America gibt zu bedenken, dass die aktuelle Kursrally möglicherweise eher durch makroökonomische Faktoren und eine allgemeine Sektor-Euphorie getragen wird als durch eine tatsächliche operative Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 125 ist die Aktie historisch teuer. Solange Intel nicht beweist, dass die eigene Fertigungs-Roadmap fehlerfrei umgesetzt wird und technologische Parität erreicht werden kann, bleibt das Chance-Risiko-Verhältnis aus Sicht der Analysten ungünstig.

Ausblick und Optionen für Anleger

Abschließend signalisieren die Experten, dass die aktuelle Bewertung der Aktie im Verhältnis zum realen Gewinnwachstum ambitioniert erscheint. Anleger stehen vor der Wahl, entweder auf den langfristigen Erfolg der Konzernstrategie zu setzen und die aktuelle Dynamik als Vorbote einer neuen Ära zu begreifen, oder die Warnsignale der Experten ernst zu nehmen. Angesichts eines Jahresplus von über 230 Prozent und einer Bewertung auf Dotcom-Niveau könnte die Aktie anfällig für Gewinnmitnahmen sein, sollten die kommenden Quartalszahlen nicht exakt belegen, dass die Kostensenkungsprogramme und Effizienzsteigerungen die hohen Investitionskosten kompensieren können.

Claudia Stephan, Thomas Zoller, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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