BuzzFeed-Aktie explodiert: Byron Allen übernimmt und macht den Pennystock zur Rettungswette

Anleger wittern beim angeschlagenen Medienkonzern BuzzFeed nach Gerüchten einer Übernahme durch Byron Allen einen Turnaround und schicken die Aktie kräftig nach oben.
• Byron Allen soll Mehrheitseigner, CEO und Chairman von BuzzFeed werden
• Deal über 120 Millionen US-Dollar gibt dem Unternehmen dringend benötigte Liquidität
• Aktie springt an
Byron Allen greift bei BuzzFeed zu
BuzzFeed bekommt offenbar doch noch eine Rettungsperspektive. Wie Axios berichtet, hat der US-Medienunternehmer Byron Allen einen Deal vereinbart, um eine kontrollierende Beteiligung an dem schwer angeschlagenen Digitalverlag zu übernehmen. Ohne Käufer hätte BuzzFeed dem Bericht zufolge wohl sogar Insolvenz anmelden müssen.
Unter der Vereinbarung soll Allen über seine Familienvermögensverwaltung "Allen Family Digital" 40 Millionen BuzzFeed-Aktien zu je 3 US-Dollar erwerben. Das entspricht einem Gesamtvolumen von 120 Millionen US-Dollar. Nach Abschluss der Transaktion würde "Allen Family Digital" rund 52 Prozent der ausstehenden Aktien halten. Allen soll zudem CEO und Chairman von BuzzFeed werden.
Für BuzzFeed ist der Einstieg mehr als nur ein Eigentümerwechsel. Das Unternehmen kämpft seit Jahren mit sinkenden Umsätzen, hoher Verschuldung und einem Geschäftsmodell, das unter der veränderten Digitalwerbung massiv gelitten hat. Der einstige Social-Media-Star ist heute nur noch ein Schatten seiner selbst: 2016 wurde BuzzFeed nach einer Finanzierung durch NBCUniversal noch mit rund 1,7 Milliarden US-Dollar bewertet.
120-Millionen-Dollar-Deal als Rettungsanker
Laut MarketWatch wird der Kaufpreis nicht vollständig in bar bezahlt. Demnach sollen lediglich 20 Millionen US-Dollar bei Abschluss fließen, während der deutlich größere Teil über eine Schuldverschreibung finanziert wird. Diese läuft fünf Jahre und soll mit 5 Prozent pro Jahr verzinst werden.
Für Anleger ist das ein entscheidender Punkt. Der Einstieg zu 3 US-Dollar je Aktie klingt auf den ersten Blick wie ein starkes Vertrauenssignal, weil BuzzFeed zuletzt deutlich darunter gehandelt wurde. Gleichzeitig handelt es sich aber nicht um ein klassisches Übernahmeangebot an alle Aktionäre, sondern um den Einstieg eines neuen Kontrolleigners.
Damit bleibt offen, wie stark bestehende Aktionäre nach dem Deal verwässert werden und welche Rolle sie in der neuen Struktur noch spielen. Auch die Verschuldung verschwindet nicht einfach, sondern wird durch die Finanzierungskomponente nur neu geordnet.
Peretti wechselt zu BuzzFeed AI
Auch operativ steht ein tiefer Umbau an. BuzzFeed-Gründer Jonah Peretti soll laut Axios von der CEO-Rolle in die neu geschaffene Position als Präsident von BuzzFeed AI wechseln. Damit rückt BuzzFeed die KI-Strategie stärker in den Vordergrund, auch wenn das Unternehmen bislang nur wenige Details zu Perettis neuer Rolle genannt hat.
Gleichzeitig kündigte Peretti laut Unternehmensangaben, auf die sich Axios bezieht, weitere Kostensenkungen an. Diese sollen zusammen mit Allens Einstieg für Liquidität und stärkeren operativen Fokus sorgen. Zudem sollen die Social-Media-Marke Tasty sowie BuzzFeed Studios in eine neue unabhängige Einheit überführt werden.
Der Deal zeigt damit zwei Dinge zugleich: BuzzFeed bekommt eine Chance auf Stabilisierung, muss dafür aber seine Struktur deutlich verändern.
BuzzFeed-Aktie springt hoch
Die Börse wertete die Nachricht sofort als Rettungssignal. Nachdem die BuzzFeed-Aktie im regulären NASDAQ-Handel am Montag noch 11,31 Prozent auf 0,7299 US-Dollar verloren hatte, schoss der Titel nach Bekanntgabe der Allen-Übernahme nachbörslich um 135,65 Prozent auf 1,7200 US-Dollar nach oben. Im Handel am Dienstag schlossen die Anteilsscheine 86,36 Prozent im Plus bei 1,3900 US-Dollar.
Der Kurssprung erzählt aber vor allem eine neue Überlebensfantasie. BuzzFeed notierte zuvor unter der Marke von 1 US-Dollar und stand damit erneut unter Druck, die NASDAQ-Listinganforderungen einzuhalten. Der Deal nimmt kurzfristig etwas Stress aus der Aktie, macht sie aber nicht automatisch solide.
Was bedeutet Allens Einstieg für Anleger?
Für Anleger dürfte BuzzFeed nach dem Kurssprung vorerst weniger ein klassischer Fundamentalfall sein, sondern vielmehr eine spekulative Turnaround-Wette. Entscheidend könnte nun werden, ob der Markt den Einstiegspreis von 3 US-Dollar je Aktie als neuen Orientierungspunkt wertet oder ob nach der ersten Euphorie wieder die strukturellen Probleme des Unternehmens stärker in den Vordergrund rücken.
Im Fokus dürften dabei vor allem der geplante Abschluss der Transaktion bis Ende Mai, Details zur künftigen Kapitalstruktur und erste Hinweise auf Allens operative Strategie stehen. Erst wenn aus den Plänen rund um KI, Video, Streaming, nutzergenerierte Inhalte und Kostensenkungen belastbares Wachstum entstehen sollte, könnte die Aktie mehr sein als eine kurzfristige Rettungswette.
Benedict Kurschat, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
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