ServiceNow-Aktie nach Kurssturz auf Erholungskurs: KI-Zweifel erschüttern Wachstumsstory

Analysten der UBS haben die ServiceNow-Aktie abgestuft und dabei mit den KI-Erwartungen eine zentrale Säule der Investmentstory des Workflow-Softwareanbieters infrage gestellt.
Werte in diesem Artikel
• UBS stuft ServiceNow-Aktie ab und senkt Kursziel kräftig
• Vertrauen auf besondere Position im KI-Zeitalter geschwächt
• Mehrheit der Analysten weiterhin positiv
Die Schweizer Großbank UBS hat die Aktie von ServiceNow am Freitag von "Buy" auf "Neutral" abgestuft und gleichzeitig das Kursziel von bislang 170 US-Dollar auf nun 100 US-Dollar kräftig zusammengestrichen. Damit vollzog die Bank einen bemerkenswerten Strategiewechsel, wobei besonders ins Gewicht fällt, dass ServiceNow laut "Investor's Business Daily" zuvor das einzige mit "Buy" bewertete Unternehmen im Anwendungssoftware-Segment der Bank war. Analyst Karl Keirstead begründete die Kehrtwende nun jedoch laut der Nachrichtenseite mit nachlassender Zuversicht in die besondere Positionierung des Unternehmens im KI-Zeitalter sowie zunehmenden Hinweisen auf Budgetdruck bei klassischer Unternehmenssoftware außerhalb von KI-Infrastrukturprojekten. Gleichzeitig reduzierte UBS ihre Erwartung für das Wachstum der verbleibenden Leistungsverpflichtungen bis Ende 2026 von rund 20 Prozent auf etwa 16 Prozent.
Damit rückt ein Risiko in den Fokus, das bislang eher als theoretisch galt: Dass generative KI-Agenten und automatisierte Workflow-Tools langfristig Teile des Kerngeschäfts traditioneller SaaS-Plattformen übernehmen könnten.
Der Kern der UBS-Kritik: KI verändert die Budgetlandschaft
Im Zentrum der UBS-Argumentation steht eine Verschiebung bei den IT-Budgets großer Unternehmen. Während Investitionen in KI-Infrastruktur und agentenbasierte Systeme zunehmen, werde bei klassischer Applikationssoftware laut den Analysten stärker der Rotstift angesetzt. Außerdem gebe es zunehmende Überlegungen, KI-Agenten für die Workflow-Automatisierung einzusetzen, anstatt auf den Aufbau bestehender ServiceNow-Funktionen zu setzen.
Für ServiceNow ist das besonders relevant, weil das Unternehmen sein Wachstum traditionell über Plattform-Expansion innerhalb bestehender Kundenorganisationen erzielt. Wenn jedoch künftig Teile dieser Erweiterungen durch selbst entwickelte oder KI-gestützte Lösungen ersetzt werden könnten, würde sich das Wachstumsmuster verändern. Daher wird der Software-as-a-Service-Sektor derzeit neu bewertet. Analysten erwarten künftig geringere positive Überraschungen bei Quartalszahlen und begrenzteren Spielraum für Prognoseanhebungen.
Anleger reagieren deutlich: ServiceNow-Aktie sackt ab
Die Börse reagierte prompt auf die geänderte Einschätzung der Schweizer Bank und schickte die ServiceNow-Aktie am Freitag an der NYSE letztlich um 7,58 Prozent abwärts auf 83,00 US-Dollar. Am Montag gewann das Papier 7,29 Prozent auf 89,05 US-Dollar hinzu.
Bemerkenswert ist dabei auch die Einordnung der jüngsten Kursbewegung im längerfristigen Trend: Bereits zuvor hatte die Aktie seit Jahresbeginn kräftig nachgegeben, mit dem jüngsten Kursrutsch beläuft sich das Minus in 2026 bereits auf 45,82 Prozent. Das Downgrade wirkte somit weniger als Auslöser eines Kurssturzes denn als Verstärker eines bereits laufenden Neubewertungsprozesses. Anleger nutzten die neue Einschätzung offenbar als Bestätigung einer zunehmenden Skepsis gegenüber hoch bewerteten SaaS-Titeln im Umfeld steigender KI-Investitionen.
Hinzu kommt aber wohl auch ein psychologischer Faktor. Gerade ServiceNow galt lange als besonders robust gegenüber technologischen Disruptionen. Dass ausgerechnet dieses Unternehmen nun als potenziell stärker exponiert gegenüber KI-Veränderungen gilt, wirkt im Markt überproportional.
Andere Experten bleiben bei ServiceNow zuversichtlich
Trotz der deutlichen Kursreaktion der ServiceNow-Aktie auf die UBS-Studie bleibt die Einschätzung anderer Analysten durchaus positiv. Aus 35 bei "TipRanks" erfassten Expertenstudien erhält ServiceNow 30-mal das Votum "Buy". Nur vier Analysten - inklusive der UBS - haben ein "Hold"-Rating vergeben und nur einer rät zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 179,65 US-Dollar mehr als doppelt so hoch wie der Freitagsschlusskurs.
Auch die UBS stellt nicht die strategische Relevanz der Plattform von ServiceNow infrage, sondern relativiert vor allem deren bisher angenommenen Wettbewerbsvorsprung im KI-Kontext. Gleichzeitig erwarten Analysten weiterhin ein solides Wachstum der Abonnementerlöse, wenn auch mit geringerer Dynamik als zuvor prognostiziert.
Ob sich die Herabstufung der UBS im Nachhinein als vorsichtiger Einzelruf oder als Vorbote einer tieferen Neubewertung erweist, dürfte sich frühestens mit den kommenden Quartalszahlen entscheiden. Diese wird ServiceNow am 22. April vorlegen.
Carolin Ludwig, Bettina Schneider, Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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