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29.04.2010 06:00
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Unentdeckte Aktien: 20 Geheimtipps aus Europa

€uro-Magazin: Unentdeckte Aktien: 20 Geheimtipps aus Europa | Nachricht | finanzen.net
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Es ist kein deutsches Phänomen: Auch europaweit geht der Börsenaufschwung an den kleinen Firmen bisher vorbei. Wir stellen vor: 20 unentdeckte Nebenwerte mit hohem Nachholpotenzial.

von Euro-Redakteur Jörg Lang

Den europäischen Gedanken pflegt Hans-Peter Schupp schon von Berufs wegen. Auf seinen Dienstreisen besucht der Fondsmanager von Fidecum, einer kleinen Investmentboutique in Bad Homburg, regelmäßig Firmen aus dem Euroraum: vom nördlichen Finnland bis nach Süditalien. Schupps Investmentansatz führt ihn dabei oftmals auch zu Unternehmen, die weitgehend unbekannt sind. „Die spannendsten“, gibt der 44-Jährige gern zu. Schupp achtet besonders auf eine attraktive Bewertung anhand der nachhaltigen Ertragsaussichten. Die sind am Ende der Rezession bei vielen Unternehmen aber noch schwer abzuschätzen. In Schupps Portfolio befinden sich deshalb Aktien, die – gelinde ausgedrückt – nicht gerade en vogue sind.

Geht die Reiseroute über Paris, versucht der Fondsmanager immer einen Termin bei der Firma Lisi zu arrangieren. Das ist zum einen ganz praktisch, weil ein Bereich des Spezialschraubenherstellers in der Nähe des verkehrsgünstig gelegenen Gare de Lyon beheimatet ist. Das Unternehmen, das sein Geschäft zum größten Teil mit der Auto- und Flugzeugindustrie abwickelt, ist hierzulande wahrscheinlich nur Branchenkennern ein Begriff. Deutsche Börsianer hingegen zucken eher mit den Schultern. Unbekannt. Kein Wunder, beträgt der Börsenwert lediglich 420 Millionen Euro. Von jedem Besuch bringt Schupp etwas Neues mit. „Beim letzten Meeting mit Emmanuel Viellard lag neben den üblichen Schrauben für Flugzeuge, die Demonstrationszwecken dienen, ein Zahn auf dem Tisch“, erinnert sich Schupp. Auf die verwunderte Nachfrage erklärte der Chef des operativen Geschäfts, dass man sich jetzt auch mit Medizintechnik beschäftige. Die Logik dahinter erschließt sich auf den zweiten Blick. Künstliche Zähne werden aus Titan erstellt und in den Kiefer geschraubt. Sowohl die Bearbeitung des Metalls, als auch die Schraubentechnik zählen zur Kernkompetenz von Lisi. Der Unterschied: Die Margen betragen in der Medizintechnik ein Vielfaches.

Nach gleichem Muster hat Lisi bereits den Markt für Deckel von Parfümflakons erobert. Auch die sind oft aus hochwertigen Materialien und werden geschraubt. Heute steuert dieser Bereich schon rund fünf Prozent zum Umsatz bei. An der Börse dagegen kommt Lisi nicht gut an. Die Kunden aus der Automobil- und Flugzeugindustrie haben 2009 weniger bestellt. Umsatz und Gewinn sind eingebrochen, der Kurs folgte dieser Entwicklung. Gemessen am Hoch im Jahr 2007 hat sich der Wert mehr als halbiert . „Lisi ist eine der wenigen Firmen in diesem Bereich, die über eine stabile Bilanz verfügt“, sagt Schupp. „Das wird der Schlüssel zu Marktanteilsgewinnen und Margenverbesserung sein.“

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Schraubenhersteller verfügen über einen hohen Cashflow. Das hat in Boom­zeiten Private-Equity-Firmen angelockt. Die haben Unternehmen gekauft und sie mit Schulden belastet. An der familiengeführten Lisi Group bissen sie sich jedoch die Zähne aus. Heute übernehmen die Franzosen die Kapazitäten ihrer in der Finanzkrise besonders schwächelnden Konkurrenten zum Nulltarif. In fünf Jahren werde Lisi deutlich größer sein als heute, glaubt Aktienprofi Schupp.

Unbekanntes Universum

Geschichten wie die von Lisi bietet das Segment der europäischen Nebenwerte zuhauf. Insbesondere an Unternehmen, die einen Börsenwert von unter einer Milliarde aufweisen, ist der Börsen-D-Zug des vergangenen Jahres vorbeigerauscht. Zahlreiche Investoren konzentrieren sich auf die breiten europäischen Indizes wie etwa den Stoxx 600 – und machen die immer gleichen Funde. Hinzu kommen die passiv anlegenden Indexfonds oder ETFs, deren Zuflüsse regelmäßig in größere Werte geschleust werden. Zudem werden Nebenwerte oft nur mit einem geringen Volumen gehandelt. Das bremst gerade die Euphorie professioneller Anleger wie Fonds oder Versicherungen, die große Beträge bewegen.

Auch für Privatanleger ist der Kauf europäischer Nebenwerte nicht einfach. Zwar werden viele an deutschen Börsen gehandelt. Die Umsätze sind aber sehr dünn. Und Lisi beispielsweise notiert nur an der Pariser Börse Euronext. Bei Direktbanken ist der Handel mit etwas höheren Gebühren aber problemlos möglich. Ein Auftrag über 2000 Euro an der Euronext kostet bei der comdirect beispielsweise 35,90 Euro. Weil die Lieferspesen wegfallen, ist der Verkauf im gleichen Volumen um zwölf Euro preiswerter. Nur zum Vergleich: Ein Auftrag für die deutsche Börsenplattform Xetra kostet 11,40 Euro. Und ganz wichtig: Wer sich für kleinere Aktien interessiert, sollte – unabhängig vom Börsenort – stets ein Kauflimit angeben. Das verhindert, dass zu hohe Kurse abgerechnet werden.

Euro hat mehrere Quellen angezapft und 20 kleinere Firmen aus Europa ausgewählt, die ein überdurchschnittliches Kurspotenzial aufweisen. Viele dieser Aktien notieren noch weit unter den alten Höchstkursen. Teilweise ergeben sich skurrile Bewertungen. Zwei davon betreffen auch Firmen, die zu Schupps Reisezielen gehören. In Italien verfolgen die Investoren im Medienbereich vor allem die Firmen von Berlusconi wie etwa Mondadori oder die RCS, die beispielsweise den „Corriere della Sera“ herausgibt. Kaum bekannt ist hingegen die Verlagsgruppe Caltagirone Editore, die dem gleichnamigen Unternehmerclan zuzurechnen ist.


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Natürlich schrieb das Haus, das unter anderem in Rom und Neapel Tageszeitungen herausgibt, 2009 rote Zahlen. Beeindruckend ist jedoch die Bilanz. Dort summieren sich Barmittel und das Investmentportfolio auf mehr als 420 Millionen Euro. Abzüglich Schulden übertreffen diese Reserven den Börsenwert der Gesellschaft um mehr als 40 Millionen Euro. Ein Aktienkäufer erhält so gesehen den Verlag geschenkt plus einer Dreingabe von 33 Cent pro Aktie – bei einem Kurs von nicht einmal zwei Euro. Potenzial jedenfalls hat die Aktie genug. 2006 kostete sie noch gut sieben Euro, mehr als dreimal so viel wie heute.

Schnäppchenjagd funktioniert auch in den Niederlanden. Dort ist ASM International notiert, ein Unternehmen, das Maschinen für die Chipindustrie herstellt. Das Geschäft gliedert sich in zwei Bereiche: Maschinen für das sogenannte Front-End und solche für das Back-End der Chipfertigung. Im ersten Fertigungsabschnitt werden, vereinfacht gesagt, die Schaltkreise auf einen Wafer aufgebracht, im zweiten wird dieser in Einzelchips zerteilt und in der Regel in ein Gehäuse eingebracht. Dieses Back-End-Geschäft ist ausgegliedert in die in Hongkong gelistete Firma ASM Pacific Technology. ASM International hält an der Tochter 52,59 Prozent. Der Wert dieser Beteiligung beträgt, gemessen am aktuellen Börsenkurs, 1,45 Milliarden Euro. ASM International ist an der Börse aber nur rund eine Milliarde Euro wert. Weil die Halbleiterindustrie wieder höhere Auftragseingänge hat, dürften sich auch bei den Maschinenbauern 2010 bessere Geschäftsmöglichkeiten bieten. In diesem Fall hat die Aktie von ASM International überproportionales Kurspotenzial. Denn allein eine Teilung der beiden Bereiche brächte einen Gewinn von mindestens 40 Prozent.

Lesen Sie, welche europäischen Nebenwerte noch interessant sind

Für Pharmahändler ist Westeuropa bereits aufgeteilt. Expansionsmöglichkeiten bieten vor allem die Staaten Osteuropas. Dort ist das Geschäft mit der Belieferung und dem Betrieb von Apotheken noch nicht effizient organisiert, die Gewinnspannen sind höher. In Rumänien hat A&D Pharma sowohl im Großhandel mit der Marke Mediplus, aber auch im Betrieb von Apotheken unter der Marke Sensiblu Markt-dominanz erlangt. Lediglich im Direktgeschäft mit Krankenhäusern ist das Unternehmen noch Nummer 2, wächst dort aber überproportional.

A&D Pharma firmiert als niederländische Holding, deren Aktien als GDRs (Global Depositary Receipts) in London, aber auch in Frankfurt gehandelt werden. Jedes GDR repräsentiert sechs normale Stammaktien. Vor zwei Jahren notierte der Wert bei 15 Euro, heute ist er für drei Euro zu haben. Der Grund für diesen Absturz liegt in der Finanzkrise, die auch in Rumänien zu spüren war. Hausgemachte Probleme kamen hinzu. Das neue Management agiert jedoch erfolgreich. 2009 gelang die Trendwende. Wurde im Jahr zuvor noch ein Verlust von rund 2,3 Millionen Euro erwirtschaftet, stand ­Ende 2009 unterm Strich ein Gewinn von 19 Millionen Euro. Gemessen an diesem Ergebnis hat die Aktie ein KGV von fünf. Die Nettoverschuldung der Firma ist mit Blick auf den Umsatz von 514 Millionen mit rund 62 Millionen Euro noch vertretbar. Für einen großen westlichen Pharmavertrieb, der ein Auge auf die Firma werfen könnte, wäre sie jedenfalls nicht von Bedeutung.

Die britische Healthcare Locums ist ebenfalls im Gesundheitswesen tätig. Der englische Begriff Locum bedeutet Stellvertreter und beschreibt das Geschäftsmodell treffend. Die Firma bietet Kunden – wie beispielsweise dem staatlichen britischen Gesundheitssystem – Ärzte und Krankenschwestern als temporäre Arbeitskräfte an. Ein wachsender Markt. Zum einen spielt die Demografie dem Unternehmen in die Hand – die Bevölkerung altert zunehmend –, zum anderen wollen die Kostenträger ihre Ausgaben flexibilisieren, und jüngst wurde die maximale Wochenarbeitszeit für Ärzte europaweit begrenzt. Das erfordert zusätzliches Personal.

Healthcare Locums bedient auch den US-Markt. Hier erwarten die Manager bis 2014 einen zusätzlichen Bedarf von 1,2 Millionen Krankenschwestern. Obamas Gesundheitsreform ist da noch gar nicht berücksichtigt. Die Rezession ist an Locum jedenfalls spurlos vorbeigegangen: 2009 konnten Umsatz und Ergebnis deutlich zulegen. Das KGV des Unternehmens, das die Schulden deutlich reduziert hat, liegt auf Basis der Gewinnerwartungen für 2010 unter zehn. Und Schupp? Der plant schon die nächste Reise. Ganz oben auf der Liste steht die italienische IT-Firma Reply, die in der Euro-Liste schon vertreten ist. Familiengeführt, hoher Abstand zu den alten Hochs, stabile Bilanz und Sitz mitten in Turin, am Verkehrsknotenpunkt Piazza Lorenzo Bernini. Europas Firmen sind einfach eine Reise wert.

Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum

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